Globale Spielregeln für eine globalisierte Welt – wann, wenn nicht jetzt?

  • Wir leben in Zeiten tiefer Umbrüche und Brüche und stehen vor großen Herausforderungen. Wenn wir die Welt um uns herum näher betrachten, wird eines deutlich: Die Menschheit muss sich noch besser auf diese Herausforderungen vorbereiten.

„In einer Zeit weltweiter Lebensmittelknappheit, finanzieller Verworfenheit, alter und neuer Formen der Armut, besorgniserregenden Klimawandels, in der Gewalt und Elend viele zwingen, auf der Suche nach weniger unsicheren Überlebenschancen die eigene Heimat zu verlassen, in einer Zeit ständig bedrohlichen Terrorismus und wachsender Ängste angesichts der Unsicherheit der Zukunft ist es dringend notwendig, erneut Perspektiven zu öffnen, die in der Lage sind, wieder Hoffnung zu vermitteln.“ Mit diesen Worten beschreibt der mittlerweile emeritierte Papst Benedikt XVI. die Fülle an Problemen, mit denen viele Menschen heute konfrontiert sind. Aber er erteilt gleichzeitig auch jenen Fatalisten eine Absage, die sich auf Weltuntergangsszenarien beschränken. Unsere Aufgabe ist es, an einer besseren Welt zu arbeiten, schöpferisch tätig zu sein.

Überall auf der Welt suchen die Menschen nach einer neuen Ordnung, einer besseren Ordnung. Den einen ist die Freiheit schon fast zur Unordnung geraten, die anderen quält die Armut, wiederum andere haben Angst vor der Zukunft. Deshalb brauchen wir eine Perspektive für alle Menschen auf diesem Planeten, eine gemeinsame Perspektive: Eine globale Welt braucht eine globale Ordnung.

Wir brauchen nicht mehr und nicht weniger als eine neue politische Architektur und entsprechende Rahmenbedingungen. Ein Bekenntnis zur Globalisierung, aber geordnet und mit Sicherheiten für alle Beteiligten. Die Agenda 2030 – die 17 weltweiten Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals – SDGs) – bringt dies mit insgesamt 169 ambitionierten konkreten Vorgaben auf den Punkt. Darin werden die drängenden globalen Herausforderungen benannt und alle Staaten zum Handeln aufgefordert.

Wenn irgendwo ein Lösungsansatz deutlich erkennbar ist, dann in der und durch die Ökosoziale Marktwirtschaft. Wie bei ihr, so liegt auch den SDGs der Wunsch zugrunde, wirtschaftliches Wachstum, sozialen Ausgleich und die Stabilität des Planeten in Einklang zu bringen. Nachhaltige Entwicklung in der Perspektive der SDGs heißt Entwicklung im Dreiklang von ökonomischem Wachstum, ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit. Zugegeben, es ist ein Spagat, aber einer, der machbar ist.

Hier darf ich – mit einem Zitat des Theologen und Ökonomen Joseph Kardinal Höffner – wiederholen: Wirtschaften ist kein Selbstzweck. Im Gegenteil: „Das Ziel der Wirtschaft besteht vielmehr in der dauernden und gesicherten Schaffung jener materiellen Voraussetzungen, die dem Einzelnen und den Sozialgebilden die menschenwürdige Entfaltung ermöglichen. Die Geschichte lehrt, dass Freiheit und Würde des Menschen weithin vom Ordnungssystem der Wirtschaft abhängen.“

In der globalen Umsetzung der Ökosoziale Marktwirtschaft sehe ich eine besondere Aufgabe und Chance für Europa (vor allem der EU): Entwickeln wir die WTO weiter und achten und bestehen wir darauf, dass in den vielen in Aussicht genommenen Freihandelsverträgen die SDGs beachtet werden und durch die Verträge (Spielregeln, die für alle gelten) wirksam werden. Um es mit John F. Kennedy zu sagen: Wann, wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier? Wer, wenn nicht wir?

 
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Hermann Kroll-Schlüter

Hermann Kroll-Schlüter

Hermann Kroll-Schlüter schloss 1965 die landwirtschaftliche Meisterprüfung ab und übernahm 1970 den elterlichen Hof in Belecke in Nordrhein-Westfalen. Von 1969 bis 1975 war er Bürgermeister der Stadt Belecke und von 1975 bis 1989 Bürgermeister der Stadt Warstein. 18 Jahre (von 1972 bis 1990) gehörte Kroll-Schlüter als CDU-Abgeordneter dem Deutschen Bundestag an. Von 1991 bis 1998 amtierte er als Staatssekretär und Amtschef im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Freistaates Sachsen. Hermann Kroll Schlüter ist Vorstandsmitglied des Ökosozialen Forum Europa und vielfältig ehrenamtlich tätig, zuletzt 1995 bis 2000 als Präsident der Internationalen Assoziation Ländlicher Katholischer Organisationen und von 2001 bis 2009 als Vorsitzender der Katholischen Landvolkbewegung Deutschland. Von 2001 bis 2017 hatte der den Vorsitz des Internationalen Ländlichen Entwicklungsdienstes inne.

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