Wir brauchen die Wärmewende

  • Mehr als ein Drittel des österreichischen Energieeinsatzes und rund 20 % des heimischen CO2-Ausstoßes werden für das Heizen verwendet, weil noch immer 60 % der Wärme aus fossiler Energie erzeugt wird. Die Energiewende beim Heizen ist daher von zentraler Bedeutung, um die österreichischen Klimaziele zu erreichen. Die TU Wien zeigt in der Studie „Wärmezukunft 2050“, dass die Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung technisch möglich ist und wirtschaftlich sogar Vorteile bringt.

Die Wärmewende ist allerdings nur möglich, wenn ein ganzes Bündel von politischen Maßnahmen von der Politik gesetzt wird. Von den vier großen Energiebereichen Verkehr, Industrie, Strom und Wärme ist der Bereich Raumwärme die härteste Nuss der Energiewende. Ohne Wärmewende sind die Energiewende und die Ziele des Pariser Klimaabkommens aber nicht erreichbar.

Die Ergebnisse der Studie „Wärmezukunft 2050“ zeigen, dass eine Energiewende im Wärmebereich möglich ist und jährlich sogar an die drei Milliarden Euro an Heizkosten eingespart werden könnten. Die zusätzlichen Investitionen in thermische Sanierungen sowie der Umstieg von fossilen Heizsystemen auf Erneuerbare führen zu steigenden Beschäftigungszahlen in diesen Branchen. Konkret bringen sie in diesen Branchen einen jährlichen Beschäftigungszuwachs von 2,5 % zwischen 2020 und 2030 und von 2,4 % zwischen 2030 und 2040. In Summe sind die langfristigen Einsparungen höher als das nötige Investitionsvolumen. Insgesamt zeigt sich, dass die Nutzung von Kohle und Heizöl gänzlich ausläuft und der Einsatz von Erdgas kontinuierlich reduziert werden muss sowie der verbleibende Anteil sukzessive durch Biogas und Wasserstoff zu ersetzen ist.

Obwohl sich in der TU-Projektion die Verkaufszahlen von Biomassekesseln vom derzeitigen Stand aus bis 2030 beinahe vervierfachen, sinkt der Holzverbrauch sogar.  Gebäude sind in Zukunft immer besser gedämmt und durch den technologischen Fortschritt werden die Heizsysteme ebenfalls noch besser und effizienter.  Ähnlich verhält es sich mit dem Stromverbrauch. Obwohl die Wärmepumpen 2050 ein Drittel der Wärmeversorgung bereitstellen, sinkt in Summe der Stromverbrauch im Wärmesektor. Voraussetzung dafür ist, dass Stromdirektheizungen weitgehend durch andere Systeme ersetzt und Wärmepumpen nur in Verbindung mit niedrigen Vorlauftemperaturen eingesetzt werden

Die umfassende Sanierung des Gebäudebestandes, die die thermische Sanierung ebenso wie die Erneuerung der Heizanlage umfassen muss, ist die Voraussetzung für die Wärmewende. Nur so kann der Gesamtenergiebedarf halbiert, der Stromverbrauch gesenkt, der Biomasseverbrauch konstant gehalten und der Erdgasverbrauch auf Biogas und Power-to-Gas umgestellt werden. Wird die Sanierung des Gebäudebestandes vernachlässigt, werden die falschen Heizungsanlagen eingebaut und es entstehen sogenannte Lock-in-Effekte (zu hohe Systemwechselkosten für die Kunden) – die Wärmewende schlägt fehl.

Die Wärmewende ist kein Selbstläufer. Der Gegenwind der fossilen Besitzstandswahrer ist enorm, weil mit Öl und Erdgas sehr viel Geld verdient wird. Um die Wärmewende stemmen zu können, brauchen wir kräftige Anpacker: die Immobilieneigentümer, die Planer, die Gemeinden und die Bundesländer und vor allem auch die Bundesregierung. Die Politik ist besonders gefordert, Maßnahmen umzusetzen, von deren Auswirkungen auch und besonders unsere Kinder und Kindeskinder profitieren. Was mich optimistisch stimmt, ist, dass die neue Bundesregierung dem Thema erneuerbare Energien in ihrem Regierungsprogramm hohe Aufmerksamkeit schenkt. Auch die im April angekündigte Klima- und Energiestrategie wird sehnsüchtig erwartet. Schlussendlich wird die Regierung aber an Ihren Taten gemessen werden müssen.

Link zum Download der Studie:
eeg.tuwien.ac.at/waermezukunft_2050

 
About the Author

Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.