Blockchain + Energy: Meine Highlights von EventHorizon 2018

  • Event Horizon Stage 2018 (c) Cornelia Daniel

  • Es war wieder soweit. Dieser Tage fand in Berlin die größte Konferenz zum Thema Blockchain & Energy in Berlin statt die Event Horizon 2018. Ihr erinnert euch vielleicht an das Interview mit dem Initiator Ewald Hesse vom letzten Jahr. Ich war wieder dabei und habe nun ein paar Highlights für euch.

Ich habe lange überlegt ob ich wieder hinfahren soll, da ich derzeit nicht wirklich mit dem Thema Blockchain zu tun habe und auch nicht vorhabe (schon wieder) Pionierarbeit zu leisten. Aber da ich spätestens 2020 eine Energiewährung für unsere Kraftwerke entwickeln lassen möchte, wollte ich doch nach potenziellen „Brains“ und Kooperationspartnern Ausschau halten. An dieser Stelle gleich mal: Wen das Projekt der Energiewährung interessiert, einfach melden :-).

Nun zu meinen persönlichen Highlights und das ist leider nur ein Bruchteil dessen was sich dort abgespielt hat. Man stelle sich vor: 3 Tage, 1500 Teilnehmer, über 100 Speaker davon 40 Startups die sich ausschließlich mit Blockchain in Verbindung mit Energie beschäftigen.  Hier die Liste der Startups.

Wo ist das Problem als Gretchenfrage!

Der für mich beste Beitrag des Events kam von Julian Hosp, einem Tiroler, der sich in der Krypotszene einen großen Namen gemacht hat. Hier erklärt er auch sehr gut, was eine Blockchain überhaupt ist von der wir hier reden.

Im Vortrag hat er aber auf eindringliche Weise erklärt was in der Szene auch gerade schief läuft. Alle möglichen Leute haben Lösungen, aber keiner weiß so richtig wo eigentlich das Problem ist. Jeder redet von Peer2Peer Energiehandel und will dem Nachbarn seine Energie schicken, aber wozu das ganze eigentlich? Könnte das nicht auch der Energieversorger mit den derzeitigen Systemen? Gar nicht davon zu reden, lässt das der Netzbetreiber überhaupt zu? Aber darum geht’s ja im ersten Schritt gar nicht und zu diesem Ergebnis sind auch diese Kollegen schon gekommen. Peer2Peer Handel könnte also auch ohne die Blockchain funktionieren.

Die große Frage die sich alle Entwickler und Startups stellen müssen ist tatsächlich: Welches Problem wird gelöst und nicht, DAS ist die Lösung zu einem unbekannten Problem.

Hedging als USP der Blockchain?

Er selbst betont, dass er noch nicht die Antwort auf alle Fragen rund um das Thema hat, aber hat zumindest für Kryptowährungen einen entscheidenen Nutzen gefunden. Diese sind das „Backupsystem“ der Finanzwirtschaft, wenn diese tatsächlich mal endgültig zusammenbricht. Er bezeichnet den Besitz von Kryptowährungen als „Versicherung“ oder Hedging gegen den möglichen Ausfall unseres Systems. Das ist tatsächlich auch der einzige Grund, warum ich in Kryptowährungen investieren würde. Nur müsste man dafür wiederum wissen, welche nun die 1-2 Währungen sein werden, die von den 1568!! sich derzeit im Umlauf befindlichen Währungen, übrig bleiben. Und wenn es so ein Backup System gibt, gibt es dann nicht auch Personen, die ein Interesse daran haben, dass das alte System zusammenbricht? Hmm… spannende Zeiten die da noch kommen könnten.

Kommt ein paralleles Energiesystem im Hintergrund?

Ähnlich könnte man dies nun für die Energiewirtschaft sehen. Könnte ein auf der Blockchain aufgebautes System eine Art Backuplösung für die Energiewirtschaft sein? Sich selbst organisierende Mikronetze, die für den Fall eines Blackouts einspringen können? Das ist für mich noch die sinnvollste Variante, ohne zu wissen wie oder wer so etwas finanzieren könnte oder sollte. Die Netzinfrastruktur der alten Energiewirtschaft muss ja trotzdem noch den Strom hin und her schicken. Es müsste also auch ein paralleles Netz aufgebaut werden und das macht wiederum gar keinen Sinn. Ihr seht also, ich bin da auch noch nicht ganz durch mit den Gedanken dazu. Was meint ihr?

Power Ledger & Woman Power vom anderen Ende der Welt

Nun zu meinem zweiten Highlight bei der Konferenz. Ich habe erfahren, dass am anderen Ende der Welt in Australien gerade unglaublich viel passiert, während wir in Europa nur darüber reden. Eine außergewöhnlich Power Frau Dr. Gemma Green aus Perth hat mit Power Ledger nicht nur das innovativste Startup der Energiebranche gegründet, und führt tatsächlich schon diese ominösen Peer2Peer Transaktionen durch. Nein, sie ist nebenbei noch also stellvertretende Bürgermeisterin von Perth und zweifache Mutter. Keine Ahnung wie das geht, aber I have to say: I am impressed. Hier zwei interessante Interviews zu Power Ledger und ihre politische Rolle.

Beim Event selber war sie leider nicht, dafür aber zwei weitere tolle Damen aus ihrem Team, die bereits 12 laufende Blockchain Projekte auf den Weg gebracht haben. Laut eigenen Angaben sind es bei anderen Startups maximal 2, was den großen Vorsprung noch deutlicher macht.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. Seit 2012 ist sie Chefredakteurin des von der Ritter Gruppe initiierten Solarthermieblogs Ecoquent-Positions und Mitbegründerin des größten deutschsprachigen Energiebloggerzusammenschlusses www.energieblogger.net. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die größte Einkaufsgemeinschaft für Unternehmen www.tausendundeindach.at und hält laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

2 Comments

  1. Danke für den interessanten Beitrag und vor allem um die klare Botschaft: Welches Problem wird damit wirklich gelöst ;-).

    Meine Sorge betrifft dabei besonders die Systemsicherheit. Denn wenn ITler tolle Lösungen basteln, bedeutet das noch lange nicht, dass das auch in einer recht analogen Welt der Stromversorgung sinnvoll funktioniert. Wobei es schon einen sinnvollen Ansatz gebe. Wir müssen endlich weg vom Energy-only-Market kommen, der keinerlei Rücksicht auf technische und physikalische Grenzen nimmt und daher zu zunehmenden Überlastung des Systems führt (z. B. Engpassmanagementkosten die von 2011 mit 2 Millionen Euro auf mittlerweile 324 Millionen Euro im Jahr 2017 gestiegen sind. Und heuer sind wir auch bereits auf neuen Rekordkurs :-(. Das heißt, wenn ich Strom sehr billig oder sogar zum Negativstrompreis an der Börse einkaufe, dann soll der Infrastrukturbedarf vom Ort der Erzeugung bis zum Verbraucher auch eingepreist werden. Denn dann würde ganz schnell klar werden, dass rissige Erzeugungsanlagen fernab der Verbraucherzentren sau teuer sind.

    Der Lösungsansatz sind sicher Energiezellen (Micro-Grids – http://www.saurugg.net/energiezellensystem). Aber nicht als Backup, sondern als generelle Maßnahme zur Robustheitssteigerung des Gesamtsystems. Und wenn ich dann lokale Blockchains für diese lokalen Zellen einsetze, dann könnte sich der Energie- und Technikaufwand auch wieder in Grenzen halten. Es würde eine einfachere und automatisierte Abrechnung ermöglichen. Das Ganze wird halt nur sinnvoll nach dem Prinzip „Small is beautiful“ funktionieren.

    Aber wie Sie richtig festgestellt haben, müssen wir einmal beginnen, die Probleme klar zu benennen und nicht immer zuerst Lösungen für noch zu schaffende Probleme kreieren.

    In Australien geht es wahrscheinlich auch schon etwas leichter, da dort der Handlungsdruck und die alltäglichen Versorgungsprobleme bereits deutlich größer sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.