Was passiert nun nach der Strompreiszonentrennung?

  • Power Solution Geschäftsführer Roland Kuras

    Roland Kuras (c) Power Solutions[/caption]

  • Wer den Energiemarkt etwas aufmerksamer beobachtet hat bestimmt vom Schreckgespenst der Strompreiszonentrennung gehört. Nun habe ich sehr lange jemanden gesucht, der mir ein Interview zu diesem Thema gibt und mit Roland Kuras einen echten Experten dazu gefunden. Er ist Geschäftsführer der PowerSolution Energieberatung und wird einige Fragen dazu beantworten.

 

Herr Kuras, erzählen Sie uns bitte kurz Ihren Werdegang in den letzten 30 Jahren in der Energiewirtschaft, damit die Leser wissen, mit wem sie es hier zu tun haben J

 

Energie ist in meinem Leben schon lang ein treibendes Thema. Begonnen habe ich  als Ingenieur im Kraftwerksbau. Dann folgte ein Studium an der TU Wien und meine Dissertation über Grundlagen einer nachhaltigen Energieversorgung. Anschließend war ich im wissenschaftlichen Bereich an der TU Wien und der damaligen Landesakademie Krems – der heutigen Donau Universität sowie für österreichische und deutsche Energielieferanten tätig. Auch die ersten Schritte der Strom-/ Gasmarkt Liberalisierung in Österreich habe ich hautnah erlebt. 2001 gründete ich dann die PowerSolution Energieberatung GmbH. Heute dürfen wir mehrere tausend Unternehmen mit Schwerpunkt in Österreich und Deutschland in unterschiedlichen Energiefragen betreuen.

 

Ich habe schon einiges zur Strompreiszonentrennung gehört aber bin noch immer nicht ganz schlau aus der ganzen Sache geworden. Könnten Sie uns kurz erklären worum es hier eigentlich geht? Ich würde dabei gerne ganz von vorne anfangen, damit auch Leser hier mitkommen, die von dem Thema noch nie etwas gehört haben.Warum gibt es historisch eigentlich Strompreiszonen und was haben diese für einen Zweck?

 

Der liberalisierte Energiemarkt besteht im Wesentlichen aus drei Bereichen:

 

Erzeuger und Händler – Netzbetreiber (Monopol) – Energielieferanten Vertrieb

 

Das Modell der Strompreiszonen hängt mit der Verteilung des Stroms über das Netz zusammen. Gäbe es ein breit ausgebautes Netz, das zu jeder Zeit den Stromtransport an jeden Ort ermöglichte, könnte eine Preiszonen-Bewirtschaftung ausgeschlossen werden. Lange sprach man von der Kupferplatte Europas. Da es aber Engpässe im Netz – der Transportkapazitäten – gibt, ist die Bewirtschaftung über Preiszonen eine mögliche Lösung. Wichtig ist somit einen Ansatz zu finden, welcher einen sinnvollen internationalen Stromtransport mit lokalen Erzeugungskapazitäten verbindet. Internationale Transportkapazitäten sind für die Versorgungssicherheit ein wichtiger Bestandteil.

 

Warum gab es bislang eine deutsch-österreichische Zone und was hat dazu geführt, dass sie getrennt werden soll?

 

Zwischen Deutschland und Österreich gibt es schon sehr lange gut ausgebaute Stromleitungen. Vor diesem Hintergrund, wurde mit der Liberalisierung des Strommarktes eine gemeinsame Strompreiszone Deutschland – Österreich gegründet. So kann Österreich einfach Strom aus Deutschland importieren, und umgekehrt kann Deutschland derzeit auch problemlos Strom aus Österreich beziehen.

 

Die Problematik, welche zur Auflösung der Strompreiszone geführt hat, kann zu einem wesentlichen Teil in dem verzögerten Ausbau der wichtigen Stromtrassen vom Norden in Deutschland in den süddeutschen Raum gesehen werden. Der windreichen Norden produziert teilweise sehr hohe Windlasten, welche dann über die Nachbarländer von Deutschland – z.B.: Polen – in den Süden von Deutschland oder nach Österreich gelangen. Dies hat so zu Netzproblemen in diesen Staaten geführt.

 

Welche Auswirkungen könnte diese Trennung haben?

 

Die genauen Auswirkungen können heute noch nicht abgeschätzt werden, da  die Änderungen im Kraftwerkseinsatz und die Auswirkungen der Marktkräfte nur bedingt abgeschätzt werden können.Wird nun der Stromhandel zwischen den beiden Ländern eingeschränkt, kann aber davon ausgegangen werden, dass die Strompreise in Österreich steigen werden.

 

In Ihrem Newsletter habe ich gelesen, dass ab Oktober 4900 MW durch Langfristkapazitäten vergeben werden. Was sind Langfristkapazitäten und was bedeutet das für Österreich?

 

Mit 1. Oktober 2018 wird der derzeit unbegrenzte Handel eingeschränkt. Die 4.900 MW entsprechen etwa der Hälfte des österreichischen Verbrauchs zu Spitzenzeiten. Bezogen auf die Grundlast sind dies grob 80 Prozent. Kapazitäten sind hier bereitgestellte gesicherte Leistungen, die gehandelt werden.

 

Wichtig in der Einigung aus 2017 ist auch zu betrachten, dass der Ausbau der Stromhandelskapazitäten an der Grenze mit Deutschland vereinbart ist. Der erste Teil der grenzüberschreitenden Stromleitung vom oberösterreichischen St. Peter/Hart ins benachbarte Bayern soll 2022 fertiggestellt sein, der letzte schließlich 2024.

 

Selbe Frage zu den kurzfristigen Handelskapazitäten. Diese sollen über die Integration in eine neue Region „Central-West“ vergeben werden. Was versteht man unter kurzfristigen Handelskapazitäten und wie wird uns das betreffen?

 

Darunter ist der täglichen Handel zu verstehen. Dies gilt für die Region Central-West, die die Länder Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg und Deutschland umfasst. Dadurch kann die vereinbarte Kapazität von 4,9 Gigawatt um kurzfristige Handelskapazitäten erhöht werden.

 

Wie wahrscheinlich ist es, dass sich durch diese Trennung gar nichts ändert?

 

Mit Auswirkungen auf den österreichischen Strommarkt ist fest zu rechnen. Dass die Trennung keinerlei Auswirkungen haben wird, ist aus heutiger Sicht so gut wie ausgeschlossen.

 

Abschließend noch eine absolute Meinungsfrage. Das schöne hier im Blog ist, dass Meinungen absolut erwünscht sind. Wie schätzen Sie die Entwicklungen der Energiewirtschaft in den nächsten 2-5 Jahren ein. Wird der Strompreis steigen oder fallen?

 

Leider habe ich meine Glaskugel heute zu Hause gelassen. Wir werden sicherlich einen weiter ansteigenden Anteil erneuerbaren Energie haben. Damit verbunden müssen wir Netzfragen –  etwa zur Sicherung der Versorgung und Speicherfragen lösen. In diesem Zusammenhang sind auch neue marktwirtschaftliche Lösungen wichtig. Hier sollte eine Verbindung von kleinen Erzeugern – z.B.: PV Anlagen – zur Optimierung ermöglicht werden.

 

Der Stromverbrauch wird sich durch den Einsatz in E-Mobilität, erhöhen. Auch der Einsatz in Heizungen und Warmwasser wird wohl nicht unwesentliche steigen. Die Klimafrage – CO2- Fragen kann somit nur durch eine klare Steigerung der Energieeffizienz gelöst werden.

 

Die Strompreise werden immer stärker durch Abgaben und Steuern – damit also politische Einflüsse geprägt. Ich gehe davon aus, dass der reine Strompreis – Marktpreis – einen Aufwärtstrend hat. Die anderen Komponenten aber noch stärker steigen werden – z.B.: Einfluss der CO2 – Preise.

Vielen Dank für dieses spannende Interview. Es wird sich also etwas bewegen am österreichischen Strommarkt. Wir bleiben dran.

Was sind eure Fragen zu dem Thema?

Über Roland Kuras: Roland Kuras ist Geschäftsführer der PowerSolution Energieberatung GmbH und ein Experte in Energiefragen. Die power solution verbindet langjährige Erfahrung im Energieeinkauf mit einem hohen technischen Know-how. Damit schafft das Unternehmen für seine Kunden individuelle Lösungen, um ihre Energiekosten langfristig und umweltverträglich zu optimieren.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. Seit 2012 ist sie Chefredakteurin des von der Ritter Gruppe initiierten Solarthermieblogs Ecoquent-Positions und Mitbegründerin des größten deutschsprachigen Energiebloggerzusammenschlusses www.energieblogger.net. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die größte Einkaufsgemeinschaft für Unternehmen www.tausendundeindach.at und hält laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

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