Gütesiegel: Luftschloss oder Grundsteine eines nachhaltigen Konsums?

  • Greenpeace Austria veröffentlichte vor kurzem eine Studie rund um die bekanntesten 26 Gütesiegel/-zeichen und die neun bekanntesten Bio-Marken, die die zehn größten österreichischen Supermarktketten zu bieten haben. Ziel war es, einen Weg aus dem Gütesiegel-Dschungel zu zeigen.

    Doch wozu das Ganze? Spielen Gütesiegeln für den Markt und die ÖsterreicherInnen überhaupt eine Rolle? Wonach richten sich Herr und Frau Österreich beim Lebensmitteleinkauf?

Wozu überhaupt nachhaltigen Konsum?

Wie bereits in einem Beitrag von Juni 2017 angesprochen, hat sich die Republik Österreich zu den Nachhaltigkeitszielen oder auch „Sustainable Development Goals“ der UN bekannt.

Die SDGs bieten einen Kompass, um Handlungsinitiativen zu setzen, die die drei Dimensionen von nachhaltiger Entwicklung hochhalten. Ein nachhaltiger Konsum ist neben nachhaltiger Produktion und Bewirtschaftung unseres Planeten, sowie einem respektvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen wichtig, um unseren Planeten und schlussendlich uns Menschen zu erhalten bzw. zu schützen.

Nimmt man nun die Themen Landwirtschaft und Lebensmittelkonsum her, könnte man beispielhaft auf folgende Ziele bezugnehmen:

Ziel 2.4 bestimmt, dass bis 2030 die Nachhaltigkeit der Systeme der Nahrungsmittelproduktion sicherzustellen und stabile landwirtschaftliche Methoden anzuwenden sind, die die Produktivität und den Ertrag steigern, jedoch zur Erhaltung der Ökosysteme beitragen und die Anpassungsfähigkeit an Klimaänderungen verbessern.

Ziel 12.3 besagt, dass bis 2030 die weltweite Nahrungsmittelverschwendung pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene halbiert und die entlang der Produktions- und Lieferkette entstehenden Nahrungsmittelverluste einschließlich Nachernteverlusten verringert werden sollen.

Ziel 12.8 fordert, dass bis 2030 sichergestellt wird, dass Menschen überall über einschlägige Informationen und das Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung und eine Lebensweise in Harmonie mit der Natur verfügen.

 

Wieso Gütesiegel?

Prämisse ist: KonsumentInnen können durch ihren Konsum und ihr eigenes Kaufverhalten, also durch die Auswahl der Produkte, die entstehenden Umweltauswirkungen der produzierten Lebensmittel beeinflussen. So weit so gut. Neben dem Preis als Kaufargument bedarf es hier aber anderer Ansätze damit er/sie sich für umweltfreundliche Produkte entscheidet, denn 64% der von RollAMA befragten ÖsterreicherInnen kaufen weniger Bioprodukte, da ihnen der Preis zu teuer ist. Es bedarf also einer Sensibilisierung für das Thema, einer Aufklärung über bestehende Gütekriterien und einer transparenten Kennzeichnung der Produkte.

 

Kaufentscheidungsfaktoren

Sieht man sich die RollAMA Studie von AMA-Marketing aus dem Jahr 2016 an, dann wird das persönliche Ernährungsverhalten der ÖsterreicherInnen am meisten von dem Leitsatz „Gut essen gehört schon zum richtigen Lebensstil“ geprägt. Dabei sind Frische und hohe Qualität bei Kaufentscheidungen generell am wichtigsten.

Und auch bei der von Greenpeace in Auftrag gegebenen Studie von Margetagent.com vom Jänner 2018, bei der gefragt wurde auf welche Aspekte beim Lebensmitteleinkauf geachtet wird, schwören 71% auf Herkunft/Regionalität und 47% auf das Gütezeichen. Dabei ist das bekannteste Gütezeichen AMA-Gütesiegel (70,4% der Befragten kannten dieses) auch jenes, auf das am meisten geachtet wird (35,8%), gefolgt vom Bio-Siegel (13,2%) und dem Fairtrade Gütezeichen (4,1%). Logisch schlussfolgernd ergibt sich damit auch die hohe Vertrauenswürdigkeit der Kunden für diese Gütezeichen. Auf einer Skala von 1 (Sehr vertrauenswürdig) bis 5 (überhaupt nicht vertrauenswürdig) erhielt das AMA-Gütesiegel einen Mittelwert von 1,8 das Fairtrade Gütesiege lag bei 1,9 und Bio-Austria lag bei 2.0.

 

Fallbeispiel Bio

Dass mittlerweile 13,2% der ÖsterreicherInnen bei Einkauf von Lebensmitteln auf das Bio-Siegel schauen, spiegelt sich auch in der Marktentwicklung wieder.

70% der ÖsterreicherInnen kaufen zumindest gelegentlich Bio-Lebensmittel ein, wobei die regionale Herkunft von Lebensmittel wesentlich wichtiger als der ökologische Anbau ist. 66% bevorzugen im direkten Vergleich Produkte aus der Region während sich 18% für Bio-Produkte aussprechen. Zusammengefasst wird Bio also stark mit Regionalität verbunden, dabei haben Kaufmotive wie Gesundheit (62%) und Geschmack (47%) für die ÖsterreicherInnen mehr Relevanz als Umweltschutz (39%), Fairtrade (17%) oder ethische Gründe (16%).

Dieser Trend lässt sich auch in der genaueren Betrachtung der Marktentwicklung wiederfinde. Prozentuell gesehen hat sich des Bio-Segment im Lebensmitteleinzelhandel in den Jahren 2013-2017 von 7,0% auf 8,5% (Menge) oder von 6.7% auf 8.7% (Wert) gesteigert. Mengenmäßig sind hier die Trinkmilch (14,1% im Jahr 2017) und die Eier (12% im Jahr 2017) zu nennen, bei Fleisch und Wurst liegt der Anteil des Bio-Segmentes bei max. 2,7% (im Jahr 2017)

Und woran orientieren sich Herr und Frau Österreicher beim Kauf von biologischen Lebensmitteln? An dem Gütesiegel (28%) dicht gefolgt vom Hersteller/Erzeuger (24%).

 

Greenpeace Studie:

Und nun die Kritik an dem Ganzen:

Das AMA-Gütesiegel ist laut der Greenpeace Studie nur bedingt vertrauenswürdig. „Das rot-weiß-rote AMA-Gütesiegel steht für Produkte aus Österreich mit höherer Qualität als gesetzlich vorgeschrieben. Solange es jedoch massive Schwachpunkte im Bereich gentechnisch veränderter Futtermittel, Antibiotika und Tierschutz gibt, muss Greenpeace es in die Liste der nur eingeschränkt empfehlenswerten Zeichen einreihen bzw. ist eine unterschiedliche Beurteilung für die verschiedenen Produktkategorien notwendig. Besonders kritisch ist AMA-zertifiziertes Schweinefleisch zu sehen“ (Greenpeace Jänner 2018)

Das AMA-Bio-Siegel erhielt jedoch die beste Bewertung und gilt als sehr vertrauenswürdig, da es Produkte in Bio-Qualität garantiert, die in einigen Punkten über die Mindestanforderungen des EU-Bio-Siegls hinausgeht.

Nicht zu verwechseln mit den Bio-Gütesiegeln seinen die von großen Supermarktketten angebotenen Bio-Linien wie „ja! Natürlich.“, bei Hofer „Zurück zum Ursprung“, bei Spar „Natur*pur“, usw. an. Bei diesen handelt es sich um Markennamen, die für Produkte in Bio-Qualität stehen. Da „Bio“ in der EU ein geschützter Begriff ist, und Lebensmittel, die als Bio gekennzeichnet sind, nachweisbar „Bio“ sein müssen, basieren diese Marken jedoch auf echten Gütesiegeln. Obwohl diese Marken leicht mit Gütesiegeln zu verwechseln sind, werden die getesteten Gütezeichen von Greenpeace durchgehend als „sehr vertrauenswürdig“ oder „vertrauenswürdig und nachhaltig“ gewertet.

Was bedeutet das nun für Herr und Frau Österreich, für die Bauern und Bäuerinnen, für die weitere landwirtschaftliche Entwicklung, für die Gütesiegel?

Zu beachten ist, dass Greenpeace naturgemäß den inhaltlichen Schwerpunkt auf die Umweltauswirkungen gelegt hat, hier jedoch auch Tierschutz und Sozialkriterien (bei Produkten aus Entwicklungsländern) berücksichtigt hat.

Wichtig und erwähnenswert ist die Tatsache, dass die Studie die Gütekriterien in einem erweiterten Ampelsystem von sehr vertrauenswürdig bis absolut nicht vertrauenswürdig geteilt hat. Meiner Ansicht nach, ist jedoch der Anhang „besonders nachhaltig bis kontraproduktiver Beitrag zu Nachhaltigkeit“ in dieser Hinsicht konstruktiver und spiegelt die Analyse der Studie eher wider. Die Gütesiegel werden nach von Greenpeace- festgelegten Kriterien beurteilt, bei der Bewertung sollte jedoch auch darauf Rücksicht genommen werden, was die jeweiligen Gütesiegel bedeuten und versprechen. Summa summarum sollte es aus meiner Perspektive für Kunden möglich gemacht werden, schnell und einfach Informationen zu filtern, Gütekriterien zu erkennen und mit diesen Voraussetzungen den Markt ökologisch zu gestalten.

Eine genaue Auflistung aller überprüfter Gütekriterien finden Sie hier

 

 
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About the Author

Angelina Sax

Angelina studiert Politikwissenschaften an der Universität Wien und Wirtschaftsrecht an der Wirtschaftsuniversität Wien und fokussiert sich hierbei speziell auf Internationale Politik & Handelsabkommen. Seit Jänner 2016 ist sie aktives Mitglied im Ökosozialen Studierendenforum (Abk. ÖSSFO), um dort aktiv das Gelernte in die Praxis umzusetzen und gemeinsam im Team an gesellschaftspolitischen Problemstellungen, sowie zukunftsorientiert Handlungsoptionen zu arbeiten. Dabei vertritt sie die Vision einer global gerechten Gesellschaft, die sich im Einklang mit der Umwelt entwickelt. Ihren Leitsatz „Think global, act local“ versucht sie sowohl in ihren täglichen Lebensrhythmus, wie auch in ihre akademischen Arbeiten einzubringen.

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