Entscheidungsjahr 2018?

  • Ich möchte einmal für die Windkraftbranche eine Lanze brechen, weil diese in diesem Blog unterrepräsentiert ist und nutze die Gelegenheit, um meine Eindrücke von der traditionellen Jahresanfangspressekonferenz der IG Windkraft zu berichten.

Mit den Worten „2018 ist das Entscheidungsjahr für die künftige Energieversorgung in Österreich und der Europäischen Union“ eröffnete Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft, die PK.

Entscheidend: Kontigente hoffen/warten. Die Situation ist schwierig, denn die potenziellen Betreiber haben bereits viel Geld in die Hand genommen, um das Bewilligungsverfahren zu überstehen, können aber jetzt nicht bauen. Von der Projektidee bis zur tatsächlichen Realisierung können bis zu 10 Jahre vergehen, berichten Praktiker. Gleichzeitig fallen viele Anlagen aus dem Tarifsystem heraus. 2018 werden es in Summe aller Jahre rund 800 MW sein bei rund 3000 MW installierter Leistung. Deshalb fordert die Windkraftbranche von der Regierung Rahmenbedingungen, die einen weiteren Ausbau der Branche alsbald ermöglicht, sonst wird das Ziel bis 2030 nicht erreichbar sein. Bezüglich des Fördersystems präferiert Moidl das gleitende Marktprämienmodell.

Der zweite wichtige Grund für das Entscheidungsjahr 2018 liegt auf europäischer Ebene. Im Herbst 2016 wurde das sogenannte „EU-Winterpaket“ oder „Clean Energy Package“ vorgestellt, dass die Weichen der Energiepolitik für die Dekade 2020 bis 2030 stellen soll. Ein entscheidender Schritt, denn viele nationale Vorgaben werden längst von der EU vorgegeben. Es geht unter anderem um die Festlegung von Ausbau-Zielen, CO2-Einsparungen und Energieeffizienz (Governance-Verordnung) und das künftige „Marktdesign“ der angestrebten Energieunion. Dieses Package könnte im nächsten Jahr beschlossen werden. Im ersten Halbjahr werden die Bulgaren den EU-Vorsitz übernehmen und darauf folgen die Österreicher, was enorme Chancen mit sich bringen könnte. Ich möchte nur auf drei Punkte aus den 1800 Seiten eingehen und mich auf den Strommarkt beschränken, um ihnen die Bedeutung näher zu bringen:

  • EU-Ausbauziel für Erneuerbare. Lustigerweise sind sich bereits der EU-Rat und das EU-Parlament bei diesem Thema nicht einig. Der Rat ist mit dem 27%-Ziel bis 2030 (beschlossen 2014) sehr zufrieden. Paradox daran ist nur, wenn man nur das vorhandene System walten lässt, ergibt sich ein höherer Anteil bis 2030. Ein Festhalten am 27%-Ziel würde demnach eine Einschränkung zur Folge haben. Deshalb fordert das EU-Parlament mindestens 35%. Für das Erreichen des Paris-Klimaabkommens wären 45% vonnöten.
  • Die Erfolgsstory der Erneuerbaren ist nicht nur in der fiskalen Förderung zu suchen, sondern auch in der Bevorzugung bei der Einspeisung gegenüber den Fossilen. Diese soll aufgeweicht bzw. gestrichen werden, was den fossilen Kraftwerkspark einzementieren könnte.
  • Die EU-Kommission geht von einem viel zu hohem CO2-Preis (Emissionshandel) im Jahre 2030 aus, wodurch fiktiv mit höheren Kosten für die Fossilenergie gerechnet wird.

Das wären nur drei Punkte aus dem Ökostrombereich. Den Wärme- und Mobilitätssektor habe ich in meinem Beitrag nicht einmal angerissen. Nun wissen Sie, warum 2018 ein entscheidendes Jahr für die Erneuerbaren werden könnte.

 
About the Author

Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.