Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit wächst

  • Hannig und P.Tachkov befragten 129 Dienstleistungs- und Industrieunternehmen in Deutschland zum Verbreitungsgrad von Nachhaltigkeitsaktivitäten und deren Messgrößen, sowie zum Nachhaltigkeitsmanagement und zum Zusammenhang zwischen Unternehmensleistung und dem Streben nach Nachhaltigkeit. Als Input für die Befragungsinhalte dienten verschiedene Messgrößen und Indikatoren diverser Organisationen z.B. Ansatz des World Business Council for Sustainable Development.

Nachhaltigkeit wurde von über 87% der Manager mit der ökonomischen Dimension assoziiert. Mit der sozialen Dimension assoziierten knapp 66% der Befragten den Begriff Nachhaltigkeit. Die ökologische Dimension folgte mit nur etwas über 60%.
Diese Ergebnisse zeigen, dass kaum ein Unternehmen alle drei Dimensionen gleichwertig verfolgt.
Hannig und Tachkov liefern auf Grund ihrer Befragung von Ende 2010 hierfür zwei Erklärungen:

  • Zum einen vermuten sie, dass sich Unternehmen erst um alle Nachhaltigkeitsspähren kümmern, wenn sie es sich finanziell leisten können.
  • Des Weiteren sagen sie, dass jene Unternehmen, die sich laut ihrer Studie als überdurchschnittlich erfolgreich einschätzen, die soziale und ökonomische Dimension signifikant höher berücksichtigen.

Die Verwendung von Leistungs- und Performanceindikatoren zur Beurteilung der Leistung von Mitarbeitern ist in der Wirtschaft allgegenwärtig. Ökologische Indikatoren werden hingegen nur von unter dreiviertel der befragten Unternehmen berücksichtigt.

Bei Industrieunternehmen wird als wichtigstes ökologisches Nachhaltigkeitsmaß der absolute Energieverbrauch angegeben. Als weitere Indikatoren werden Material- & Wasserverbrauch, sowie Abfall- und Abwassermengen genannt. Die CO2-Produktion, die medial eine hohe Aufmerksamkeit genießt, schafft es nicht in die Top 5 der Nachhaltigkeitsindikatoren.
Für Dienstleitungsunternehmen ist der absolute Energieverbrauch der am weitesten verbreitete  ökologische Indikator. Es folgen gleichauf die  CO2-Produktion, der Materialverbrauch absolut und Investitionen in den Umweltschutz (s. Abb.)

Bei der ökomischen Nachhaltigkeit zählen für Industrieunternehmen vor allem die Gewinn-und Renditenentwicklung. Produktqualität, Produktsicherheit, Kundenzufriedenheit und F&E-Aufwand sind weitere wichtige Indikatoren. Gezahlte Steuern und Beiträge zur lokalen bzw. regionalen Wirtschaftsentwicklung spielen allenfalls bei großen Industrieunternehmen eine Rolle bei der Betrachtung der ökonomischen Nachhaltigkeit
Bei Dienstleistungsunternehmen ist die Kundenzufriedenheit die wichtigste Maßzahl. Auch in diesem Sektor ist die Gewinn- und Renditenentwicklung ein wichtiger Indikator.

Bei den sozialen Nachhaltigkeitsindikatoren sind die Unterschiede bei Industrie- und Dienstleistungsunternehmen ziemlich gering. Die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen & Mitarbeiter, die Ausgaben, die Anzahl & der Umfang von Weiterbildungsmaßnahmen und die Beschäftigungsentwicklung werden am häufigsten beobachtet.

Aktivitäten zur Steigerung der Nachhaltigkeit werden von fast allen befragten Industrieunternehmen und bei über 70% der Dienstleistungsunternehmen durchgeführt. In der Industrie werden vor allem Effizienzinnovationen durchgeführt. Bei Dienstleistern überwiegen Innovationen im Bereich der Material- und Energieeffizienz. In verschiedenen ökologischen Nachhaltigkeitsbereichen ist es sinnvoll im unterschiedlichen Ausmaß Geld und Zeit zu investieren, um eine Performanceverbesserung zu erreichen. Nicht verwunderlich ist, dass Unternehmen, die Nachhaltigkeitsindikatoren messen, meist auch Anstrengungen zur Verbesserung ihrer Nachhaltigkeitsbilanz unternehmen.

Heutzutage haben sich die Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI) als Standard für nachhaltige Berichtserstattung durchgesetzt. Die GRI wurde im Jahr 1997 gegründet und seit 2015 wird die vierte Version der Leitlinien angewendet. Es werden allgemeine und spezifische Standardangaben unterschieden.

Auf Ebene der Europäischen Union wurde 2014 die Richtlinie 2014/95/EU, die Unternehmen ab einer gewissen Größe verpflichtet, nicht finanzielle Informationen zu veröffentlichen, beschlossen. In Deutschland trat daraufhin im April 2017 das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz in Kraft. Dieses Gesetz verpflichtet Unternehmen über nichtfinanzielle Belange zu berichten. Kernthemen der nichtfinanziellen Erklärung sind, Sozial-, Umwelt- und Arbeitnehmerbelange, die Achtung der Menschenrechte, sowie die Bekämpfung von Korruption und Bestechung. In Deutschland dient z.B. der Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK) als Rahmen für die nicht finanzielle Berichterstattung. Im Zuge des DNK werden 20 Kriterien erfasst und mit Hilfe von Indikatoren gemessen. Berichte von über 200 Unternehmen lassen sich in der Datenbank des DNK finden.

Österreich setzte diese Richtlinie Ende 2016 in Form des Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) um.
Eine Vorlage für diesen Bericht gibt es laut WKO nicht. Es wird jedoch empfohlen, die Leitlinien der GRI als Orientierung heranzuziehen.

Sowohl in Deutschland als auch in Österreich gelten beide Gesetze ab dem Geschäftsjahr 2017. Laut einer Studie von KPMG veröffentlichen derzeit unter 2/3 der österreichischen Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht. Für Deutschland liegt die Quote bei 73%. Auf Grund der Veröffentlichungspflicht durch das NaDiVeG bzw. das CRS-Richtlinien-Umsetzungsgesetz kann man davon ausgehen, dass der Anteil an Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, zunehmen wird.

Quellen:

DNK

GRI

Hannig, U., & Tachkov, P. Imis.de.

KPMG

WKO

 

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