Tony Seba: „2030 ist auf JEDEM Dach eine PV-Anlage“


  • (c) 2017 Tony Seba

  • Ich hab einen neuen Helden gefunden. Durch das Barcamp Renewables – Disruptionen in der Energiewirtschaft und einen der Diskutanten Daniel Bannasch von MetropolSolar bin ich auf Tony Seba aufmerksam geworden. Er scheint die amerikanische Version von mir zu sein, da er so ziemlich das Gleiche erzählt wie ich, nur deutlich mehr für seine Auftritte bezahlt bekommt, weil „Stanford University“ auf der Visitenkarte steht :-).  UND weil er noch viel frecher ist als ich. Motiviert mich jedenfalls auch noch mehr mein Wissen zu teilen, das genau das widergibt, das er hier für die nächsten Jahre vorhersagt.

Jedenfalls möchte ich euch heute auf dieses Pflichtvideo hinweisen. Er erklärt eindrücklich, warum gar kein Weg mehr an Photovoltaik vorbeiführt und warum eben jedes Haus und was mich natürlich besonders freut, JEDES UNTERNEHMEN eine Phototovoltaikanlage am Dach haben wird. „Because it just makes economic sense“.

Hier ein paar eindrückliche Argumente, die er in diesem Video präsentiert.

Solarkosten seit 1970 um das 300-Fache gesunken

Ich kenne die Zahlen seit 2000 und diese sind schon eindrücklich. Er zeigt uns die Kostenkurve seit 1970 und dabei kommt er auf diese unglaubliche Zahl. 300 mal günstiger! Und das ganze ohne große Breakthroughs sondern ganz einfach durch die Lernkurve.  Das erklärt meiner Meinung nach auch, warum viele diese Entwicklung nicht mitbekommen. Viele warten noch immer auf den großen „Durchbruch“ den es aber nie geben wird, weil es sich einfach kontinuierlich aber dadurch exponentiell entwickelt.

Jedes zweite Jahr Verdopplung der weltweit installierten Kapazität

In diesem Bereich macht er eine ganz wunderbare Kalkulation auf. Weltweit liegt der Solar-Anteil derzeit bei 1,5% was so manche „Experten“ vermuten lässt, dass es sich um eine vernachlässigbare Technologie handelt. Da diese 1,5% aber eben genau nach dem Muster „Verdopplung der installierten Leistung alle 2 Jahre“ entstanden ist und diese Kurve fortgesetzt werden wird, erklärt er dass genau deshalb bis 2030 100% erreicht werden wird. Und so sieht diese Rechnung aus:

1,5% heute

2019: 3 %

2021: 6 %

2023: 12%

2025: 24 %

2027: 48 %

2029: 96 %

Wahnsinn, oder? Sogar ich als absolute PV-Optimistin kann mir das nichtmal annähernd vorstellen, aber er hatte schon 2009 recht, als er die heutigen Kosten von Photovoltaik im Buch „Solar Trillions“ vorhergesagt hat. Also was, wenn er hier auch Recht hat? Wenn jetzt wieder das Argument kommt: Ja aber die Sonne scheint nicht das ganze Jahr… Er erklärt in dem Video auch wie sich die Kosten von gespeicherter Solarenergie entwickeln werden.

69% der Unternehmen denken über Photovoltaik nach

Eine Zahl die mein Herz höher schlagen lässt ist natürlich diese! Laut einer Studie von PWC denken 69!!!!!! Prozent der Unternehmen über Photovoltaik nach!!! Das heisst nicht, dass sie heute investieren, aber sie denken bereits laut darüber nach und werden es früher oder später machen.  Apple, Amazon und auch Ikea sind schon auf dem „Going Solar“ Pfad und viele werden folgen, weil es eben keinen Energieversorger gibt, der so billige Energie auf 25 Jahre und mehr versprechen kann und Unternehmen eben vor allem langfristig kalkulieren wollen. Das deckt sich zu 100% mit unseren Erfahrungen bei Tausendundein Dach. Wir sprechen mit so vielen Unternehmen von denen es manche heute machen, aber viele eben erst in ein paar Jahren. Aber die gute Nachricht die bleibt: Sie werden es früher oder später tun und so muss ich eigentlich nur mehr zuschauen, wie sich meine Lebensmission (Auf jedem Gewerbedach eine Solaranlage) von alleine erfüllt. Wie cool ist das denn bitte :-).

God Parity is the new Grid Parity

Wer mich kennt weiss, dass ich ein „Grid Parity Freak“ bin. Wer hier mitliest, hat meine Mission das Thema Netzparität in die Köpfe der Menschen zu bringen seit 2012 live miterleben dürfen. In „Stell dir vor es ist Netzparität und keiner geht hin„, Game Over für die Fossilindustrie, oder „2 ct/kWh trennen uns vom nächsten Solarboom“ könnt ihr nachlesen, was mich da bereits so bewegt hat. Tony Seba geht aber noch einen Schritt weiter und erklärt warum „God Parity“ der endgültige Tod der Energieversorgung wie wir sie kennen ist.

It turns out that grid parity may be the least of the problems facing utilities. Now we have “god parity” – when the cost of electricity generation falls below that of the cost of the network. Tony Seba

Er meint damit, dass es vor allem dann wirklich eng wird, wenn die Solarkosten unter jene Kosten der Verteilung fallen. Dann hilft es nämlich nichtmal mehr, wenn fossile Energie 0 ct/kWh kostet, weil dann noch immer die Übertragungskosten höher sind, als jene des selbst erzeugten Stroms. Und jeder wird einfach die egoistische Entscheidung zu billiger Solarenergie machen.

Österreich behindert sich selbst bei diesem globalen Trend

Nun klingt das natürlich so, als würde man nichts machen müssen als sich zurücklehnen und zuschauen wie sich das alles von alleine entwickelt. Das gilt aber nur für jene Länder, die bereits jetzt diese Zuwachsraten in den letzten Jahren vorweisen können. Ich kann mit 100%iger Sicherheit sagen, dass Österreich derzeit nicht zu den Ländern gehört, die den globalen Trend mitmachen. Warum? Die Entwicklung der Solarenergie ist nach wie vor hochgradig durch politische Entscheidungen manipulierbar und eben nicht ganz vergleichbar mit der Entwicklung des Iphones oder des Autos. Durch die Verstrickungen der Politik mit der Energiewirtschaft und der gedeckelten Förderung treten wir seit Jahren auf der Stelle. Die Bedrohung scheint zu groß und wie wir in dem Video sehen, nicht ganz unberechtigt. Hier habe ich die aktuellen Wachstumsraten dargestellt. Die Wachstumsraten sind direkt gekoppelt mit der politischen Situation und dem „Good Will“ des Gesetzgebers.

Hier in Österreich geht es eher darum, wie man der Technologie noch mehr Steine in den Weg legen kann.

 

 

 

 

        • Behördenwegen von bis zu einem Jahr

 

 

 

        • Diskussionen über eigene Netzgebühren für PV-Anlagen,

 

 

 

        • unklare Förderregelungen uvm…

 

Das sind nur ein paar Schlagworte, die zeigen in welcher Richtung Österreich unterwegs ist. Ein Land, welches diese globale Entwicklung nicht verpassen will, kann jetzt entweder auf den fahrenden Zug aufspringen oder ihm traurig hinterherwinken. Das neue Ökostromgesetz muss eine Verdopplung der jährlichen Zubauraten alle zwei Jahre zum Ziel haben, oder zumindest nicht behindern. Neue Netztarife müssen Solar beschleunigen und nicht behindern. Wie Hermann Scheer schon vor vielen Jahren sagte: Die einzige Aufgabe der Politik ist es,  alle Hindernisse für den direkten Weg von der Sonne in die Gebäude aus dem Weg zu räumen. Davon sind wir derzeit meilenweit entfernt, man überlegt eher welche Steine man noch finden könnte und warum das alles nicht geht. Genehmigungen müssen einfach und rasch möglich sein. Ich hoffe sehr, dass auch die neue Regierung die Klimawandelleugner in ihren Reihen hat, die ökonomischen Vorteile für das Land vor ideologische Grabenkämpfe stellt.

Nun gut, das wurde jetzt länger als erwartet. Der gute Herr hat in mir aber offensichtlich etwas entfesselt. Ich hoffe in euch auch! Nun freue ich mich auf die Podiumsdiskussion beim Barcamp in Kassel bei der wir diese Thesen auch noch weiter besprechen werden. Es kommt übrigens auch sein Buch nun auf Deutsch heraus, das von einem Team rund um meinen Energiebloggerkollgen Daniel Bannasch, dem Vorstand vom Netzwerk MetropolSolar übersetzt wurde. Gratulation zu diesem Mammutprojekt.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. Seit 2012 ist sie Chefredakteurin des von der Ritter Gruppe initiierten Solarthermieblogs Ecoquent-Positions und Mitbegründerin des größten deutschsprachigen Energiebloggerzusammenschlusses www.energieblogger.net. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die größte Einkaufsgemeinschaft für Unternehmen www.tausendundeindach.at und hält laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

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