Energieversorgung mit Augenmaß, bitte!

  • Eine ständige und sichere Versorgung mit Energie ist für unsere Gesellschaft und Wirtschaft ebenso notwendig wie selbstverständlich. Der Strom kommt aus der Steckdose und das Benzin aus dem Zapfhahn. Und solange dies sichergestellt ist, ist es egal, wie der Strom bzw. das Benzin dort hineinkommt.

Angesichts der Herausforderungen in der Klimapolitik sollten wir uns aber genau darüber Gedanken machen. Nur ein Drittel unseres Energieverbrauchs wird durch erneuerbare Ressourcen gedeckt. Zwar steigt der Anteil, doch besser werden ist trotzdem erlaubt.

Manchmal stehen wir uns dabei aber selbst im Weg. Paradoxerweise ist Umweltschutz das häufigste Argument gegen Windparks, Wasserkraftwerke oder die Biomassenutzung. Selbstverständlich bringt jede Form der Energiegewinnung auch Probleme mit sich. Häufig können durch verschiedene Maßnahmen auch Verbesserungen erzielt werden.  Fischaufstiegshilfen bei Wasserkraftwerken oder Maßnahmen zum Vogelschutz bei Windkraftanlagen sind mittlerweile State-of-the-Art.

Ein kategorisches „Njet“ zu allen Projekten bedeutet letztlich mehr fossile Energie oder Import von Atomstrom. Weil dass wir die zwei Drittel des österreichischen Energieverbrauchs, die derzeit mit fossilen Energieträgern gedeckt werden, einfach wegsparen können, glaubt wohl niemand. Wir brauchen hier ein Miteinander mit Augenmaß und ein Vorgehen auf Basis fundierter Fakten. Das geschieht am besten auf regionaler Ebene. Hier können Menschen mit unterschiedlichen Interessen an einem konkreten Projekt gemeinsam arbeiten und eine tragfähige Lösung erzielen. Im Kleinen und Konkreten werden Pauschalurteile auch leichter entlarvt und ein Prozess auf Augenhöhe fördert die Akzeptanz auf beiden Seiten.

Darüber hinaus bietet eine Energieversorgung auf regionaler Ebene auch andere Vorteile.

Der Direktor des European Centre for Energy and Resource Security am King’s College in London Friedbert Pflüger sieht die Versorgungssicherheit am besten durch ein Energiesystem gewährleistet, das auf mehreren Beinen steht. Unter anderem empfiehlt er Diversifikation bei den Energieträgern und das Setzen auf heimische Produktion sowie dezentrale Versorgungssysteme. Das kostet zwar Geld. Kurzfristige Effizienz und langfristige Resilienz stehen in einem gewissen Widerspruch. Doch Versorgungssicherheit in so einem elementaren Bereich wie der Energie sollte uns etwas wert sein.

Dass sich Sicherheitsmaßnahmen im Ernstfall rechnen, belegt beispielsweise eine US-amerikanische Studie zur „Rendite“ von Schutzmaßnahmen gegen Stürme, Fluten oder Erdbeben. Sie kommt zum Ergebnis, dass jeder dafür investierte Dollar später Schäden in Höhe von ungefähr vier Dollar verhindert hat. Das ist doch auch ein gutes ökonomisches Argument.

 
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Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

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