Ein Euro für Holzstrom kommt doppelt zurück

  • Die heimischen Holzkraftwerke erwirtschaften seit Inkrafttreten des Ökostromgesetzes volkswirtschaftliche Effekte in der Höhe von 6,5 Mrd. Euro erwirtschaftet. Diese Erfolgsstory kann aber sehr bald der Vergangenheit angehören, denn wenn das Ökostromgesetz nicht novelliert wird, fällt der zweitgrößte Ökostromproduzent Österreichs aufgrund fehlender wirtschaftlicher und rechtlicher Perspektiven aus dem Markt.

Dies wird voraussichtlich im Jahre 2019 passieren, wenn kein wirtschaftlicher Fortbestand von der Politik erwünscht ist. Konkret sinken 2019 die Erlöse und die Wertschöpfung um 98%. Im gleichen Atemzug müssen 3 Mio. Tonnen CO2 anderweitig vermieden werden, denn der Ersatz der Holzkraftwerke, die Strom und Wärme produzieren, muss bzw. kann nur durch Gaskraftwerke erfolgen. Rund 6400 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel und dies überwiegend im Gewerbe.

Wer ist die Biomasse-Verstromungsbranche eigentlich? 44% des Kraftwerkparks betreiben die hiesigen großen Energieversorgungsunternehmen, gefolgt mit 30% von der Industrie. Nur 10% sind private Betreiber, 16% können keiner dieser Kategorien zugeordnet werden. Eines ist aber definitiv klar: Es ist nicht die Land- oder Forstwirtschaft, die einen Biomasse-Kraftwerks-Park betreibt, sondern die EVU´s und vornehmlich die Sägeindustrie. Dennoch ist der Betrieb für sie wichtig, um die minderwertigsten Holzsortimente vermarkten zu können. Diese Daten und Fakten analysierte Lorenz Strimitzer von der Österreichischen Energieagentur im Auftrag der IG-Holzkraft. Strimitzer erstellte auch ein Wachstumsszenario, wo die Stromerzeugung aus Holzkraftwerken auf drei TWh erhöht wird. Dadurch würde sich u.a. die Anzahl der Beschäftigten auf knapp 10.000 Vollzeitäquivalente erhöhen.

Ein weiterer Wissenschaftler, der seine Zeit dem Thema widmete, ist Christoph Strasser von BIOENERGY 2020+. Er stellte die Ökostromkosten dem Nutzen gegenüber – mit dem Ergebnis: Ein Euro für Ökostrom aus Holzkraftwerken kommt dem Steuerzahler doppelt zugute. Der Nutzen der Holzkraftwerke setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen: Einnahmen aus Sozialversicherung, Steuern und Lohnnebenkosten; Stromkosten; Vermeidungskosten Arbeitslose; Schadenskosten CO2. In Abhängigkeit den angenommenen externen CO2-Kosten ergibt sich eine Spannweite für den Nutzen von rund 20 und 37 Cent/kWh, wenn sowohl die Strom- und Wärmeproduktion durch fossile Energieträger ersetzt werden.

Die Energie-Branche steht vor der absurden Situation, dass trotz der steigenden Strom-Importabhängigkeit noch zusätzlich der zweitgrößte, einzige grundlastfähige Ökostrom-Produzent aufgrund fehlender rechtlicher Regelungen vor dem Zusperren bedroht ist. Das Gegenteil sollte aber der Fall sein …

Kurzinfo zu Holzkraftwerken
In Österreich sind 133 Biomasse-KWK-Anlagen (Holzkraftwerke) mit einer elektrischen Engpassleistung von 314 MW im Rahmen des Ökostromregimes in Betrieb. Die Holzkraftwerke speisen jährlich ca. 2 Mrd. Kilowattstunden Ökostrom in das öffentliche Stromnetz ein. Das entspricht dem Jahresstrombedarf von ca. 600.000 Haushalten. Zusätzlich zum wertvollen Ökostrom liefern die KWK-Anlagen jährlich auch noch ca. 4,5 Mrd. Kilowattstunden erneuerbare Wärme. Damit kann der Import von ca. 450 Mio. Liter Heizöl pro Jahr ersetzt werden. Die Holzkraftwerke sind 365 Tage im Jahr rund um die Uhr mit voller Leistung verfügbar, auch in kalten, windstillen Winternächten, wenn der Energiebedarf besonders hoch ist.

 

 

 
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Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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