Wie viel kosten Solarthermische Großanlagen?


  • Bildquelle: (c) Ritter XL Solar/Oliver Killig

  • Da sich hier schon lange kein Artikel mehr um das  Thema Solarthermie oder spezieller um solarthermische Großanlagen gedreht hat, dachte ich mir, dass es mal wieder an der Zeit dafür ist. Zuletzt schrieb ich darüber, als im Frühjahr 2016 das solare Förderpaket des Klima- und Energiefonds geschnürt wurde, welches 3,9 Mio. € für solarthermische Großanlagen und Sonnenhäuser mit über 70% Deckungsgrad zur Verfügung stellte.

Aufgrund der vielen erfolgreichen Ausschreibungen der vergangenen Jahre startete somit am 25. April dieses Jahres eine Neuauflage der Förderaktion des Klima- und Energiefonds, zu der ich am Ende dieses Artikels noch kurz die wichtigsten Punkte präsentiere.

Erkenntnisse und Kosten zu Solarthermischen Großanlagen

Primär geht es mir heute darum, euch die wichtigsten Punkte der mittlerweile sehr umfangreichen im Markt gesammelten Praxiserfahrungen zu Solarthermischen Großanlagen aufzuzeigen. Hierfür beziehe ich mich auf den Synthesebericht des Klima- und Energiefonds, in dem kostbare Informationen und Erkenntnisse zu gebauten und vermessenen Anlagen der letzten Jahre, enthalten sind.

Nun folgt ein Auszug der wichtigsten Erkenntnisse von 29 Solarwärme-Großanlagen, die über ein ganzes Jahr vermessen wurden:

  • Bandbreite des Jahressolarertrages bei 200 -500 kWh/m²
  • Durchschnittliche solare Deckung bei 20%
  • Bei 30% der Anlagen erhebliche Abweichung zwischen prognostizierten und gemessenen Wärmeverbräuchen
  • Viele Anlagen haben das Potenzial, einen höheren Ertrag zu erreichen
  • Systemkosten lagen zwischen 500 €/m² und 1.000 €/m² – Skaleneffekt v.a. bei Anlagen über 500m² erkennbar

Hohe Bandbreite bei den Kosten zu thermischen Solaranlagen

Spezifische Systemkosten, Solarthermische Großanlagen

 Spezifische Systemkosten in €/m² Kollektorfläche. Skaleneffekt sehr deutlich bei >500 m². Quelle: Klima- und Energiefonds

Auf den zuletzt genannten Punkt möchte ich nun noch etwas genauer eingehen, weil vor allem die Kosten von Solarthermischen Anlagen ein sehr gut gehütetes Geheimnis sind und eben die Bandbreiten sehr groß sind und in dieser Studie erstmals auch Anhaltspunkte auf die Gründe gegeben werden. Die Investitionskosten von Solarthermieanlagen setzen sich aus Kosten für das Kollektorfeld, die Verrohrung, den Energiespeicher, die Regelungstechnik sowie aus Kosten für Installation und Inbetriebnahme zusammen.

Wie in obenstehender Grafik sichtbar, wurden die spezifischen Investitionskosten der 29 begleiteten Projekte über der Bruttokollektorfläche aufgetragen. Sie weisen eine hohe Bandbreite auf und liegen im Bereich zwischen 280 €/m² und 2.100 €/m². Die meisten der 29 Anlagen liegen zwischen 500 €/m² und 1.000 €/m². Was hier auch noch anzumerken ist. Bei der Solarthermie spricht man im Gegensatz zur Photovoltaik von Kosten/m2 und nicht pro kWp. Ich fände es zwar besser auch in der Solarthermie in Richtung Leistung zu kommen, aber das wird noch dauern.

Deutlich erkennbar ist auch die große Streuung der Systempreise bei kleinerer Bruttokollektorfläche. Die Gründe hierfür liegen sowohl an der bisher noch geringen Standardisierung der Systemlösungen als auch an der geringen Spezialisierung der Akteure und Anbieter, da viele kleine Anlagen, im Bereich zwischen 100 und 300 m², oftmals noch vom klassischen Installateur verkauft und montiert werden. Bei Anlagen mit einer Bruttokollektorfläche über 500 m² ist dann, wie schon gesagt, ein gewisser Skaleneffekt erkennbar.

Ergo: Je größer die Anlage, umso geringer die spezifischen Systemkosten.

Bruttokollektorflächen

Nachfolgende Grafik aus dem Synthesebericht, bei der eine Kategorisierung der Anlagengrößen vorgenommen wurde, habe ich außerdem für sehr aussagekräftig gefunden und will ich euch nicht vorenthalten..

Bruttokollektorfläche Solarthermie Solarfläche Solare Großanlagen

Kategorisierung der 282 beratenen Solarprojekte nach ihrer Bruttokollektorfläche aus Einreichungsjahren 2010-2016. Quelle: Klima- und Energiefonds

Es ist erkennbar, dass über 80 % der 282 beratenen Solarthermieanlagen über eine Bruttokollektorfläche von unter 500 m² verfügten. Im ganzen Zeitraum von 2010-2016 wurden nur ganze fünf Anlagen beraten, die eine Bruttokollektorfläche über 2000 m² besaßen. Bei den Anlagen zwischen 1000-2000 m² waren es immerhin schon 22. Trotzdem lässt sich aus dieser Grafik ableiten, dass der Trend bzw. auch die Möglichkeiten kleinere solarthermische Anlagen zu bauen, momentan noch deutlich höher ist. Sie fragen sich nun vermutlich, warum hier von „beratenen Projekten“ die Rede ist. Ich kann mir nur vorstellen, dass eben nicht alle Projekte, die beraten und für die Förderung in Frage gekommen wären, dann letztendlich auch umgesetzt wurden. Deshalb hat man sich wohl auf dieses Wording geeinigt.

Förderung von Solarthermischen Großanlagen

Wie angekündigt, jetzt noch die wichtigsten Punkte der immer wieder laufenden Förderaktion des Klima- und Energiefonds zu „Solarthermie – solare Großanlagen“. Das Programm zielt dabei auf thermische Solaranlagen mit einer Dimension von 100m² bis 10.000m² Kollektorfläche in folgenden vier Schwerpunkten ab:

1. Solare Prozesswärme in Produktionsbetrieben
2. Solare Einspeisung in netzgebundene Wärmeversorgungen
3.Hohe solare Deckungsgrade in Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben
4. Neue Technologien und innovative Ansätze
(hier können Kollektorflächen zwischen 50m² und 500m² eingereicht werden)

Der Fördersatz liegt bei Anlagengrößen bis 2.000m²  bei 40 % der umweltrelevanten Mehrinvestitionskosten zuzüglich 5% KMU-Zuschlag. Für Anlagengrößen ab 2.000m² bis 5.000m²  liegt der anteilige Fördersatz bei 30 %. Für größere Anlagen werden ab 5.001m²  anteilig 20 % der umweltrelevanten Mehrkosten als Fördersatz berechnet.

WICHTIG: Der Einreichzeitraum für dieses Jahr ist mit 22.September erstmal beendet, aber da die aktive Förderperiode von April-September ohnehin viel zu kurz ist für Projekte dieser Größenordnung, sollte man sich darauf einstellen, dass die Förderung in dieser Form auch nächstes Jahr wieder kommt und sollte jetzt schon mit der Projektierung beginnen.

Die Förderung solarthermischer Großanlagen durch die öffentliche Hand ist bei den derzeitig niedrigen Energiepreisen leider noch immer wichtig um konkurrenzfähige Wärmegestehungskosten zu erreichen. Wie eben beschrieben erfolgt die Förderung momentan über Prozentanteile der Investitionskosten. Dies ermöglicht zwar eine einfache Administration der Förderung, motiviert jedoch nicht unmittelbar zur Kostenreduktion. Es wären hier zukünftig Überlegungen notwendig, wie das Fördermodell für besonders kosteneffiziente Anlagen hoher Qualität belohnend wirken kann.

Alle Monitoringberichte und Syntheseberichte unter: http://www.solare-grossanlagen.at/begleitforschung

Quelle: Klima- und Energiefonds

Bildquelle: (c) Ritter XL Solar/Oliver Killig

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. Seit 2012 ist sie Chefredakteurin des von der Ritter Gruppe initiierten Solarthermieblogs Ecoquent-Positions und Mitbegründerin des größten deutschsprachigen Energiebloggerzusammenschlusses www.energieblogger.net. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die größte Einkaufsgemeinschaft für Unternehmen www.tausendundeindach.at und hält laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

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