Von Autoreifen, die auf Wiesen wachsen

  • Algen produzieren unsere Energie und wir melken Lackschildläuse, um unsere Nägel zu lackieren – klingt ja fantastisch, oder? Was heute oftmals noch auf fossilen oder ökologisch bedenklichen Ressourcen wie Mineralöl, chemischen Weichmachern und Lösungsmitteln aufbaut, kann morgen auf nachwachsenden Rohstoffen basieren. Und das alles geschieht unter einem Schlagwort: BIOÖKONOMIE.

Das Gebiet der Bioökonomie ist gekennzeichnet durch starke Kooperationen – und das von der Vermarktung bis hin zur sprichwörtlichen Wurzel. Gerade über gemeinsame Projekte können Land- und Forstwirtschaft, Industrie, Abfallwirtschaft, Wissenschaft und KMUs, Kommunen sowie Konsumentinnen und Konsumenten Ideen finden und Innovationen entwickeln. Die entsprechenden Sektoren in Österreich tragen derzeit etwa 15 Mrd. € zur Bruttowertschöpfung bei; 230.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind dort beschäftigt. Österreich hat also beste Voraussetzungen, eine Vorreiterrolle in der Bioökonomie einzunehmen. Wächst die Bedeutung von Bioökonomie, wächst ganz nebenbei auch die Beschäftigungszahl in den betroffenen Branchen – gut für uns alle. Was aber noch fehlt: eine gemeinsame österreichische Bioökonomiestrategie im europäischen Kontext – mit gemeinsamen Zielen und einer gemeinsamen Vision.

Dennoch kann die heimische Bioökonomie-Branche bereits jetzt schon einiges vorweisen. Zahlreiche Firmen in Österreich arbeiten bereits unter Hochdruck an der Entwicklung von Innovationen – Bio-Plastiksackerl aus Maisstärke, Textilien aus Hanf und Autoteppiche aus Holz sind dabei nur ein paar wenige Produktinnovationen, die sich am Markt schon längst etabliert haben. Und an die wir uns schon längst gewöhnt haben. Innovationen wie Autoreifen aus Löwenzahnlatex, an denen beispielsweise gerade in München getüftelt wird, erscheinen uns wohl noch eher nebulös.

Die Vorteile von Bioökonomie liegen dagegen glasklar auf der Hand: Fossile Rohstoffe werden durch die Verwendung heimischer, nachwachsender Ressourcen geschützt und Tropenwälder müssen etwa nicht länger Gummibaumkulturen zur Autoreifenherstellung weichen. Zusätzlich dazu ist es möglich, die Nutzung von land- und forstwirtschaftlichen Rohstoffen zu diversifizieren und insgesamt mehr Wertschöpfung in Österreich zu erzielen. Ich sehe eine integrierte Bioökonomiestrategie als Weg in Richtung Reindustrialisierung. Denn Know-how und Expertise ist in Österreich auf jeden Fall vorhanden. Doch das war noch nicht alles: Auch heimische Ressourcen werden geschont und organische Abfälle können genützt werden: Abfallprodukte wie etwa in der Ölproduktion werden nicht entsorgt, sondern upgecyclet, wiederverwendet und thermisch verwertet.

Gerade der Welterschöpfungstag, der in diesem Jahr schon am 2. August 2017 stattfand, hat uns wieder einmal gezeigt, dass wir neue und nachhaltigere Wege gehen müssen. Würden alle Menschen so leben wie wir Österreicherinnen und Österreicher, wären die Ressourcen, die uns auf der Erde für das Jahr 2017 „zustehen“, schon am 11. April 2017 aufgebraucht gewesen! Überdenken wir also unseren Konsum, nützen wir heimische Rohstoffe und geben wir den Produktinnovationen eine faire Chance! Vielleicht können wir den Welterschöpfungstag im nächsten Jahr ja schon etwas später begehen. Und auf dem Weg dorthin können wir auf eine wichtige Stütze bauen – die Bioökonomie!

 
About the Author

Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

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