Sustainable Finance

  • Am 25. September 2015 wurden auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York die 17 „Ziele für nachhaltige Entwicklung“ (Sustainable Development Goals, SDGs) von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen. Diese bieten einen umfassenden Rahmen, um die globale Entwicklung in Richtung wirtschaftlicher Prosperität und soziale Inklusion zu forcieren und dabei die physischen Belastungsgrenzen des Planeten zu berücksichtigen.

Für die Bereiche Wirtschaft und Umwelt bedeuten die SDGs: Eine Transformation hin zu einem ressourceneffizienten, klimaschonenden Wirtschaftssystem ist unerlässlich. Die Blaupause für ein derartiges Wirtschaftssystem existiert bereits: Durch die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft lässt sich der Ressourcen-Einsatz im Vergleich zu heute minimieren, und durch den Verzicht auf den Einsatz fossiler Energieträger (im deutschen Sprachgebrauch hat sich dafür das Wort Energiewende etabliert) lassen sich die klimaschädigenden Emissionen von Treibhausgasen drastisch reduzieren. Letzteres wurde auch im Pariser Übereinkommen von den meisten Staaten dieser Erde zugesagt. Eine derartige Transformation ermöglicht wachsende Lebensqualität und Wohlstand. Damit punktet diese Wirtschaftsform im Vergleich zu einem Beharren auf dem derzeitigen, vorwiegend fossil geprägten System, da die negativen Folgen des Klimawandels reduziert und Verteilungskämpfe um knapper werdende Ressourcen vermieden werden.

Was ist notwendig, damit die Transformation gelingt?

Einerseits muss das derzeitige massive Marktversagen v.a. in Hinblick auf die Preise von Rohstoffen und insbesondere fossiler Energie korrigiert werden. Fossile Energie wird deshalb eingesetzt, weil sie hoch subventioniert wird (in Summe fließen viel höhere Subventionen in ihre Nutzung als in die Nutzung Erneuerbarer Energieträger) und weil ihre negativen externen Effekte bislang nicht in ihre Kosten internalisiert wurden. Der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Entwicklungsbank und der Weltbank, Nicolas Stern, bezeichnet den Klimawandel folglich als das größte globale Marktversagen, da Verursacher derzeit nicht für die externen Effekte ihres Handels aufkommen müssen und damit keine Anreize haben, ihr Verhalten zu ändern. Dies führt zu einer ineffizienten Allokation von Mitteln und zu einer massiven Verminderung des sonst möglichen Wohlstands.

Warum ist die Transformation unerlässlich?

Auch die neuen Risiken, die sich ohne Umsetzung der Energiewende erhöhen, sprechen für eine Transformation. Nicht nur aus volkswirtschaftlicher Sicht, sondern auch auf Ebene einzelner Unternehmen und Investitionen ist es zunehmend riskanter, nicht klimafreundlich zu agieren. Die sich daraus ergebenden Risiken sind breit gestreut, etwa in Form von regulatorischen Risiken (die dadurch entstehen, dass die Umsetzung des Pariser Übereinkommens den Verbrauch fossiler Energie eingedämmt), in Form von Haftungsrisiken (in den USA laufen bereits Klagen gegen große Öl- und Gaskonzerne, da sie die Klimaänderung mitverursachen), Reputationsrisiken (Kunden und Bürger sind zunehmend kritisch gegenüber umweltbelastetem Handeln) und in Form von Risiken, die durch eine Änderung der physischen Umwelt etwa durch die Zunahme von extremen Wetterereignissen zunehmen.

Der Finanzsektors spielt bei der Transformation eine wichtige Rolle

Es ist unumstritten, dass die Umsetzung der SDGs und damit etwa auch der Energiewende massive Investitionen in eine ressourceneffiziente, fossilfreie Infrastruktur benötigt. Dies betrifft unterschiedliche Wirtschaftsbereiche wie den Energiesektor (Erzeugungsanlagen, Verteilung und Speicherung von Energie), den Gebäudesektor, die Mobilität, die Sachgüterproduktion, aber auch Bildung, Forschung und Innovation.

Dem Finanzsektor kommt bei der Transformation zu einem ressourceneffizienten, klimaschonenden, inklusiven Wirtschaftssystem eine hohe Bedeutung zu. Auch deswegen wurde von der Europäischen Kommission eine High Level Expert Group on Sustainable Finance eingerichtet. Diese Gruppe hat vor kurzem einen Zwischenbericht veröffentlicht, dessen Inhalt Mitte Juli einem öffentlichen Hearing unterzogen wurde. Darin sind eine Reihe von wichtigen Schlussfolgerungen und vorläufige Empfehlungen enthalten, die zum Teil prozeduraler Natur sind und klar einem schrittweisen ‚Greening‘ des Finanzsektors dienen.

  • Auch wenn es sehr technisch klingt, aber ein Klassifikations- und Kennzeichnungssystem ist notwendig, damit eine Zuordnung von Anlagen, Finanzierungen etc. als ‚nachhaltig‘ anhand klarer Kriterien möglich ist. Ultimatives Ziel ist aber sicher, dass alle Veranlagungen, Finanzierungen etc. einen nachvollziehbaren Score ihrer Nachhaltigkeit haben.
  • Es ist auch rechtlich klarzustellen, dass im Zuge der treuhänderischen Verwaltung von Vermögen auch die Betrachtung von Nachhaltigkeitsaspekten und Nachhaltigkeitsrisiken Teil der dafür notwendigen Sorgfalt ist.
  • Eine Offenlegung von Nachhaltigkeitsparametern (wie etwa der CO2-Rucksack) sollte nach einer einheitlichen Metrik forciert werden. Als Beispiel wurde hier Artikel 173 des französischen Energy Transition Law genannt.Ein obligater Nachhaltigkeitstest sollte Teil der Weiterentwicklung der EU-Gesetzgebung im Finanzbereich sein.
  • Eine eigene Organisation sollte u.a. als ‚Matchmaking Plattfom‘ für Investitionen in eine nachhaltige Infrastruktur ‚Sustainable Infrastructure Europe‘ etabliert werden.
  • Das Thema Nachhaltigkeit sollte auch bei den Europäischen Finanz-Aufsichtsbehörden verankert werden.
  • Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen im öffentlichen und öffentlichkeitsnahmen Bereich scheitern derzeit oft noch an Bilanzierungsregeln der Gebietskörperschaften, auch wenn es Public-Private-Partnership-Projekte sind, in denen die Finanzierung von privater Seite kommt. Die entsprechenden Bilanzierungsregeln sollten Investitions-freundlich angepasst werden.

Von den Teilnehmern an der Veranstaltung kam eine klare und deutliche Unterstützung der Vorschläge, die manchen aber nicht weit genug gingen. Die Gruppe wird mit diesem positiven Feedback weiterarbeiten und Ende des Jahres einen Endbericht vorlegen. Dann ist die EU-Kommission am Zug und wird hoffentlich die Empfehlungen mit Hochdruck umsetzen. Auf EU-Ebene ist somit ein wichtiges Momentum bei der nachhaltigen Entwicklung des Finanzsektors zu spüren.

Österreich sollte bei dieser Entwicklung mit anderen Staaten wie Frankreich oder den Niederlanden vorangehen und entsprechende Maßnahmen umsetzen. So kann der Finanzsektor bei der Umsetzung der Transformation hin zu einer nachhaltigen, klimafreundlichen und sozial inklusiven Gesellschaft eine Schlüsselrolle spielen und auch nachhaltig erfolgreich sein.


https://www.theguardian.com/sustainable-business/2017/jul/26/california-communities-lawsuit-exxon-shell-climate-change-carbon-majors-sea-level-rises?CMP=twt_a-environment_b-gdneco

http://ec.europa.eu/transparency/regexpert/index.cfm?do=groupDetail.groupDetail&groupID=3485

https://ec.europa.eu/info/events/finance-170718-sustainable-finance_en

 

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