Ökodörfer als Zukunftslabors für soziale Innovationen

  • Der globale Dachverband der Ökodörfer (Abk. GEN) definiert Ökodörfer als eine Gemeinschaft, die bewusst durch partizipatorische Prozesse die vier Dimensionen der Nachhaltigkeit (Soziales, Kultur, Ökologie und Ökonomie) lebt. Ökodörfer sind ländliche oder städtische Siedlungen und fungieren als sozial-ökologische Modellsiedlungen für klima-und ressourcenschonende Lebensstile und Regionalentwicklung.

Auroville (im südindischen Staat Tamil Nadu), Findhorn (im Norden Schottlands) oder Sieben Linden (in Sachsen-Anhalt, Deutschland) sind einige bekannte Ökodörfer. Jedes von ihnen sucht Antworten auf die Fragen der Gesellschaft in Form von: Ökologischem Bauen, Permakultur oder Entscheiden im Konsens. Sie stehen auch vor Herausforderungen wie der Abgrenzung von Privatem in Gemeinschaft, Freiheit versus Verantwortung, Verteilung von Arbeit und Einkommen oder dem Umgang mit Konflikten und unterschiedlichen Werteinstellungen.

Welche dieser Innovationen und Erfahrungen können für die gesamte Gesellschaft von Bedeutung sein? Ist das Leben im Ökodorf eine Art Zukunftslabor für die anstehende „Große Transformation“ unserer Gesellschaft?

Sowohl die Politik als auch die Wissenschaft ist vermehrt an sozialen Innovationen interessiert. Zahlreiche Forschungsprojekte beschäftigen sich u.a. mit gemeinschaftsorientierter sozialer Innovation für Klimaschutz und Klimawandelanpassung. Zwei dieser Forschungsprojekte möchte ich hier vorstellen:

TRANSIT (engl. transformative social innovation theory) ist ein Forschungsprojekt im Zeitraum von Jänner 2014 bis Dezember 2017. Es wird durch die EU gefördert. 35 Forscher aus 10 Ländern tragen im Zuge dieses Projekts soziale Innovationen aus 20 globalen Bewegungen zusammen. Das Forschungsprojekt untersucht, wie soziale Innovationen Menschen befähigen und den Wandel für eine nachhaltige Entwicklung in der Gesellschaft erleichtern können. Projektpartner sind u.a.: die Erasmus Universität von Rotterdam (Niederlande), die Universität von Sussex (Großbritannien) sowie die Universität für Bodenkultur Wien (Österreich).

COSIMA (engl. Governing community-based social innovation for climate change mitigation and adaptation) ist ein Forschungsprojekt, welches im Zeitraum von April 2015 bis März 2017 klimaschonende soziale Praktiken in den Bereichen Mobilität, Ernährung und Wohnen in klimaorientierten Gemeinschaften untersucht hat. Ziel des Projekts war es, herauszufinden, unter welchen Bedingungen klimafreundliche Praktiken angenommen werden, damit soziale Innovationen eine gesellschaftlich breite Akzeptanz finden können. Die Projektleitung unterliegt dem Institut für Soziale Ökologie, Alpen-Adria-Universität, Österreich. Weitere ProjektpartnerInnen sind u.a.: das Österreichische Institut für Nachhaltige Entwicklung sowie die Universität für Bodenkultur Wien (Österreich).

Ich sehe Ökodörfer als eine der Möglichkeiten um sozialen und ökologischen Problemen in der Gesellschaft entgegenzuwirken. Technische Innovationen bilden weiterhin einen wichtigen Bestandteil, sollen und dürfen aber nicht, meiner Ansicht nach, die einzige Lösung sein.

 
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Alexandra Göd

Alexandra Göd

Alexandra studiert Umwelt- und Bioressourcenmanagement an der Universität für Bodenkultur Wien. Durch ihr interdisziplinär angelegtes Studium hat sie gelernt, dass die komplexen globalen Herausforderungen dieser Zeit nur mit einem ganzheitlichen Blick verstanden werden können. Um aktiv einen Beitrag zu leisten und das Gelernte in die Praxis umzusetzen, engagiert sie sich seit November 2014 beim Ökosozialen Studierendenforum (Abk. ÖSSFO) und seit September 2016 ist sie Vorstandsvorsitzende. Ganz nach der Vision des ÖSSFO -Eine global gerechte Gesellschaft, die sich im Einklang mit der Umwelt entwickelt- richtet sie ihr Handeln aus. Diese Vision vereint ihrer Meinung nach die drei Nachhaltigkeitsdimensionen: Ökologische Verantwortung und soziale Gerechtigkeit sind das Fundament, auf der eine (wirtschaftliche) Entwicklung aufbaut.

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