Energiewende – die nächste Regierung muss die Schleusen öffnen!

  • 2017 geht wohl als Super-Wahljahr in die Geschichtsbücher ein. Am 15. Oktober findet die Nationalratswahl statt. Wie sich die neu gewählte Regierung zusammen setzt, hat natürlich Einfluss darauf, wie und ob sich die Energiewende weiterentwickeln wird.

    Genau darüber habe ich mit Roger Hackstock, dem Geschäftsführer von Austria Solar gesprochen.

Die Energiewende tritt seit geraumer Zeit auf der Stelle, in Deutschland und Österreich sind Solaranlagen und Holzheizungen seit Jahren rückläufig, die Wärmewende ist ins Stocken geraten. Was ist der Grund dafür, sind erneuerbare Energien nicht mehr interessant?

Wenn man sich die Umfragen ansieht, stehen über 90 Prozent der Bevölkerung hinter der Energiewende und wünschen sich, dass mehr in klimafreundliche heimische Energiequellen investiert wird. Was fehlt, ist der Anlass zum Handeln, da Öl und Gas schon längere Zeit stabil billig sind und die Politik keine Signale setzt, um Bürger und Betriebe zum Umstieg auf erneuerbare Energie animieren. Dabei haben alle Länder die Pariser Klimaziele unterschrieben, die einen völligen Ausstieg aus fossiler Energie bis 2050 fordern, was nur gelingt, wenn wir sofort damit beginnen.

Im Oktober wird eine neue Regierung gewählt, wie sollte diese das Thema Klimaschutz angehen, an dem das Wirtschaftswachstum, tausende Arbeitsplätze und nicht zuletzt unsere Zukunft auf diesem Planeten hängen? Die letzte hatte das Thema seit drei Jahren bis auf die längst überfällige kleine Ökostromnovelle leider nicht auf der Agenda.

Österreich ist laut Umweltbundesamt am Weg zum internationalen Schlusslicht beim Klimaschutz, die Treibhausgasemissionen steigen, statt zu sinken. Wir sind dabei, unsere Vorreiterrolle bei erneuerbarer Energie zu verspielen, was sehr gefährlich ist, da unsere Firmen rund 80 Prozent der Produktion ins Ausland liefern, weil Österreich den Ruf des Umweltmusterlandes hat. Die Themen Energie, Klima und Erneuerbare müssen daher von der kommenden neuen Regierung oberste Priorität bekommen, um Österreich wieder auf den Klimapfad zu bringen und tausende Arbeitsplätze durch Klimaschutz zu schaffen.

Was heißt das konkret, welche Schritte erwarten Sie hier von der neuen Regierung?

Das wichtigste ist, dass verbindliche Ziele beschlossen werden, die allen eine klare Richtschnur geben, wie der Ausbau in den nächsten Jahrzehnten erfolgen soll. Im Wärmebereich sollte das Ziel sein, den Anteil erneuerbarer Energie bei Raumwärme bis 2030 auf über 70 Prozent zu steigern bis 2050 auf über 90 Prozent. Derzeit stehen wir bei rund 45 Prozent, wir haben also noch viel Luft nach oben. Der größte Hebel wäre die Einführung einer aufkommensneutralen CO2-Steuer, wie sie bereits Frankreich, Großbritannien, Schweiz und viele andere Länder haben. Dafür ist es nach über 20 Jahren Diskussion höchste Zeit, um den Umbau des Energiesystems auf marktwirtschaftliche Weise zu beschleunigen.

Wenn das schon so lange diskutiert wird, wieso sollte es dann gerade jetzt gelingen? Oder gibt es mittlerweile neue Verbündete für diesen Schritt, die das mittragen würden?

Immer mehr Bürger und Betriebe erkennen, dass ihnen die Energiewende persönliche Vorteile bringt, die fossilen Energien verlieren zunehmend den Rückhalt in der Bevölkerung. Heute würde niemand mehr auf die Straße gehen, um eine CO2-Steuer zu verhindern, in Wirklichkeit warten alle nur darauf, dass sich die Politik endlich dazu entschließt. Es ist tatsächlich so, dass viele Unternehmen Investitionen in Effizienzmaßnahmen und erneuerbare Energie zurückhalten, weil sie auf ein klares energiepolitisches Signal aus der Politik warten, ob eine CO2-Steuer oder ähnliches kommt. Die nächste Regierung hat die Chance, die Schleusen zu öffnen und Mega-Investitionen auszulösen, die dieser Entscheidung auf dem Fuß folgen werden.

Es bleibt abzuwarten, welche Wege eine neue Regierung einschlagen wird. Danke Roger Hackstock für das Interview!

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. Seit 2012 ist sie Chefredakteurin des von der Ritter Gruppe initiierten Solarthermieblogs Ecoquent-Positions und Mitbegründerin des größten deutschsprachigen Energiebloggerzusammenschlusses www.energieblogger.net. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die größte Einkaufsgemeinschaft für Unternehmen www.tausendundeindach.at und hält laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

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