Urban Mining – die Stadt als Mine

  • Städte wachsen und mit ihnen auch die Nachfrage nach Rohstoffen für den Bau von Gebäuden und Infrastruktur (z.B. Kupfer, Eisen, Blech, Ziegel, Kunststoffe, etc.). ForscherInnen gehen davon aus, dass in Wien rund 12 Mio. Tonnen an hochwertigem Material zur potentiellen Rückgewinnung in Gebäuden und Infrastruktur verbaut sind.

Das Konzept von „Urban Mining“ zielt auf einen intelligenten Umgang mit Rohstoffen ab.

Dabei geht es um die Nutzung anthropogener Lagerstätten als stoffliche Ressourcen, vor allem die stoffliche Nutzung von post-consumer Lagerstätten (Siedlungsabfall, Abbruch).

Im nächsten Schritt, werden die Rohstoffe (Sekundärrohstoffe), die in den Lagerstätten vorhanden sind, ermittelt und dokumentiert. Anschließend können technische Rückgewinnungsmöglichkeiten, prognostizierte Erlöse und die wirtschaftliche Aufbereitung und Wiedergewinnung errechnet werden.

Durch Urban Mining wird also sichtbar welche Rohstoffe schon in der Stadt sind, die dann nicht importiert werden müssten. Es kommt zu erheblichen Schonung von Ressourcen und Umweltbelastungen.

Derzeit können nicht alle Sekundärrohstoffe wirtschaftlich gewonnen werden, aber

  • gebrauchte Tonerkartuschen haben einen höheren Prozentsatz an Gold als Erz in Südafrika
  • Baurestmassen oft höhere Prozentsätze von Kupfer als Erz
  • Bspw. bis zu 100g Gold/t SIM-Kartenschrott gegenüber 5g Gold/t Erz aus dem Bergwerk
  • In der Stadt Wien kommen auf einen/einer EinwohnerIn ca. 4.500 kg Eisen, 340 kg Aluminium, 200 kg Kupfer, 40 kg Zink und 2.012 kg Blei

Die systematische Rückgewinnung dieser Rohstoffe bringt großes Potenzial mit sich. Eines der größten Probleme welches das Potenzial daran hindert sich zu entfalten, ist die fehlende Dokumentation von eingesetzten Baustoffen. Durch gewissenhafte Dokumentationen, Registrierungen sowie einem Ressourcenkataster von verwendeten Baumaterialien, könnte das Problem behandelt werden. Förderungen von neuen Technologien zur effizienten Rückgewinnung bzw. Wiederverwendung der Baustoffe, spielen eine zentrale Rolle.

Meiner Meinung nach geht diese Form der Bewirtschaftung über bloßes Recycling weit darüber hinaus und trägt zu vielerlei positiven Effekten bei. Abgesehen von neuen Technologien und rechtlich-politischen Rahmenbedingungen, braucht es eine Bewusstseinserhöhung für den Wert von Baustoffen und Abfall als Ressource, vom Konsument bis zu den verantwortlichen der Stadtplanung.

 
About the Author

Lukas Kirchmair

Lukas Kirchmair

Durch sein Studium Umwelt- & Bioressourcenmanagement auf der BOKU Wien lernte der gebürtige Vorarlberger das Spannungsfeld zwischen menschlichen Handlungsweisen und natürlichen Systemen kritisch und ganzheitlich zu betrachten, sowie auch zu lösungsorientierten Entscheidungen zu kommen. Da Lukas Kirchmair aber ein sehr praxisorientierter Mensch ist, ist es für ihn immer wichtig, das Gelernte umsetzen zu können. Durch sein Studium wird er täglich mit Wirtschafts- und Gesellschaftspolitischen Problemen aber auch mit ökosozialen Ideen und Wegen konfrontiert. So ist das Ökosoziale Studierendenforum die perfekte Spielweise, um Lösungen zu diesen Herausforderungen zu erarbeiten. Seit März 2015 ist er beim ÖSSFO nun dabei und seit September 2016 Geschäftsführer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.