TU-Studie belegt 100% Ökostrom bis 2030

  • Bereits Bundeskanzler (a.D.) Werner Faymann setzte das Ziel 100% erneuerbaren Stromanteil bis 2030. Doch so wirklich war die politische Willenskraft dann doch nicht, und über die Machbarkeit herrschten große Diskussionen, die bis heute andauern.

    Was sagt eigentlich die Wissenschaft zum 100%-Ziel?

Im Frühjahr präsentierte die Interessensgemeinschaft der österreichischen E-Wirtschaft (Landesenergieversorger) eine Studie der Technischen Universität Wien, woraus hervorgeht, dass 85% Ökostromanteil bis 2030 möglich und sinnvoll sei. Die bereits oft gehörte Argumentation, warum 100% nicht möglich sei, ist die Versorgungssicherheit samt jahrzehntelangem Speicher- und Netzausbau. Just im Juli präsentiert die TU Wien mit den erneuerbaren Energieverbänden eine weitere Studie, die einen 100%igen Ausbau bis 2030 belegt, samt volkswirtschaftlichen Vorteilen.

Die Studie der TU Wien setzt sich intensiv mit dem österreichischen Stromnetz aber auch mit der Stromaufbringung für die Sektorkopplung (Verzahnung von Strom, Wärme und Mobilität) auseinander. Fazit: Das Stromsystem und die Speichermöglichkeiten sind für das Stromsystem 2030 bereits hervorragend gerüstet.

Ein weiteres Kernergebnis der Studie ist, dass der Umbau auf 100% erneuerbaren Strom jährlich Einsparungen von 650 Millionen Euro für die österreichische Volkswirtschaft bringt. Von 2020 bis 2030 reduzieren sich die Ausgaben für Energieimporte um insgesamt acht Milliarden Euro. Zusätzlich werden über 53.000 Arbeitsplätze geschaffen.

Die Ökostrom-Produktion soll um 31 TWh wachsen und dies ohne zusätzliche Belastung der Kunden, denn das Unterstützungsvolumen bewegt sich im Schnitt im nächsten Jahrzehnt bei rund 511 Mio. Euro (2015 620 Mio. Euro). Als vorteilhaft werden Prämienmodelle und nicht Quoten gesehen. Gleichzeitig haben die unterschiedlichen erneuerbaren Technologien unterschiedliche Bedürfnisse und sollten demnach individuell gefördert werden können.

Die Potentiale für erneuerbare Energien sind mehr als nachhaltige und wettbewerbsfähige Stromversorgung und in Österreichs maßgeblich vom Engagement und der Positionierung der österreichischen Bundesregierung abhängig – andernfalls können die notwendigen Schritte für den Umbau und die heimischen Verbraucher und die Wirtschaft nicht rechtzeitig gesetzt werden. Deshalb wird mit großer Spannung auf die versprochene große Ökostromgesetz-Novelle gewartet, die das 100%-Ziel ermöglichen soll oder eben nicht – möglich ist es …

Studie: Stromzukunft Österreich 2030 Analyse der Erfordernisse und Konsequenzen eines ambitionierten Ausbaus erneuerbarer Energien
Autoren: R. Haas, G. Resch, B. Burgholzer, G. Totschnig, G. Lettner, H. Auer, J. Geipel; TU Wien, Energy Economics Group

Hier zum Download der Zusammenfassung

 
Über den Autor

Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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