Kurzstreckenflüge: Umweltverschmutzung darf sich nicht lohnen

  • Man möchte von Anfangsort A zu Zielort B kommen und sucht dafür nach der kostengünstigsten Möglichkeit. Genau vor diesem Fall stand auch der Brite Joe Furness, der in den letzten Tagen in den Medien präsent war, weil ihm das Zugticket von Newcastle upon Tyne nach London mit 90€ zu teuer war und auf der Suche nach einer günstigeren Alternative die Flugverbindung Newcastle upon Tyne – Menorca – London gefunden hat, für der er weniger als die Hälfte des Preises des Zugtickets zahlen muss.

Natürlich war der 21- Jährige damit länger unterwegs, weil vor allem ein 12 Stunden Aufenthalt auf der spanischen Balearen Insel miteinbegriffen war. Es geht aber darum, mit diesem extremen Beispiel aufzuzeigen, dass es sogar für kurze Strecken günstiger geworden ist, zu fliegen als mit der Bahn oder Bus zu fahren.

Der Flugverkehr hat mittlerweile durch das emittierte CO2 und den anderen mittlerweile gut erforschten emittierten Schadstoffen einen Anteil von 5-8% am gesamten anthropogenen Treibhauseffekt, der durch den jährlichen Anstieg des CO2– Ausstoß von 3,6% durch den Flugverkehr in den nächsten Jahren weiter steigen wird. Die zunehmenden Flugreisen sind auch darauf zurückzuführen, dass diese, wie das obige Beispiel zeigt, die billigere Alternative geworden sind. Kurzstreckenflüge unter 500 km stellen dabei die größte Umweltbelastung dar, da durch den hohen Treibstoffverbrauch beim Start- und Landvorgang der Kerosinverbrauch je 100 Passagierkilometer doppelt so hoch ist.

Es wäre aber so einfach, genau diese Flüge durch Bahn- und Busfahrten zu ersetzen. Dafür ist es aber zwingend notwendig, dass diese kostengünstiger als Flugreisen sind, weil die meisten Menschen nach dem Preis entscheiden und man nicht für eine längere Reisedauer auch noch mehr zahlt. Es stellt sich natürlich dann die Frage, ob die Bahntickets zu teuer oder die Flugtickets zu billig sind.

Es ist deutlich zu sehen, dass man sich in allen Bereichen zu einer Reduzierung von CO2– Emissionen verpflichtet und der Flugverkehr mit dem steigenden Anteil am Klimawandel nicht davon ausgenommen werden darf. Und es gibt bereits verschiedenste Möglichkeiten, wie die Einbeziehung des Flugverkehrs in den Emissionshandel, der ebenso die dynamische Effizienz (=Anreiz zur Weiterentwicklung von Reduktionstechniken) beachtet. Des Weiteren besitzen internationale Flugreisen Privilegien gegenüber der umweltfreundlicheren Variante der Bahnfahrt, wie die Befreiung der Mehrwertsteuer und die fehlende Besteuerung von Kerosin, die in keiner Weise gerechtfertigt sind. Außerdem sind entfernungsabhängige CO2-Abgaben sinnvoll, da beispielsweise Kurzstreckenflügen bis zu 500 km fünf- bis sechsmal so viel Energie wie die Bahn verbrauchen. Durch diese Maßnahmen würden die Flugtickets teurer werden, im Gegenzug dafür müsste eine starke Reduzierung der Bahnpreise parallel dazu durchgesetzt werden, um somit auf einen Umstieg von Flug- auf Bahnreisen für Kurzstrecken zu fördern.

Meiner Meinung nach sollen Kurzstreckenflüge keine Selbstverständlichkeit sein, da die Preise derzeit in keiner Weise die damit einhergehende Umweltbelastung abbilden und diese Strecken problemlos mit Bahn oder Bus zurückgelegt werden können. Mit den derzeitig niedrigen Ticketpreisen für den Flugverkehr im Gegensatz zu den Bahnreisen, kann man selbst auch einen ausgleichenden Beitrag durch CO2-Kompensationssysteme leisten, wie beispielsweise der BOKU CO2-Kompensationsrechner, durch den die Auswirkung der Flugreisen monetär bewertet werden und der anfallenden Geldbetrag in ein CO2 einsparendes Klimaschutzprojekt investiert wird. Diese Möglichkeit soll aber nicht davon abhalten, in die Bahn statt in das Flugzeug zu steigen, und bietet sich vor allem bei Langstreckenflüge an, die nicht vermeidbar sind. Ein unumgänglicher Schritt ist aber, dass vor allem durch politisches Handeln vorangetrieben wird, dass sich zum Schutz der Umwelt Flugreisen im Gegensatz zu Bahnreisen nicht mehr lohnen.

 
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Über den Autor

Johanna Schwarz

Johanna Schwarz

Johanna Schwarz ist Studentin des Bioressourcen- und Umweltmanagements auf der Universität für Bodenkultur in Wien. Auf der Suche nach einer Organisation, bei der sie das vermittelte Wissen durch das Studium in praxisbezogene und konkrete Projekte umsetzen kann, ist sie kurz nach Beginn ihres Studiums auf das Ökosoziale Studierenden Forum gestoßen. Dort ist sie seit Oktober 2016 engagiert und vermittelt durch die Organisation von Veranstaltungen und Aktionen das Ziel der Ökosoziale Marktwirtschaft, die Balance zwischen Umwelt, sozialen Anliegen und der Wirtschaft. Dadurch sollen besonders Studierende angeregt werden, sich aktiv für eine Zukunft, die für sie und alle nachkommenden Generationen lebenswert ist, einzusetzen.

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