Ab morgen machen wir Öko-Schulden!

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  • Der diesjährige Earth Overshoot Day (EOD) fällt auf den
    2. August 2017, das frühste Datum seit der globale Overshoot in den 1970er Jahren begann.

    Die Natur kann in einem Jahr der Menschheit nur begrenzt Ressourcen zur Verfügung stellen. In den Wäldern werden jedes Jahr mehr Bäume umgehackt als nachwachsen. In den Meeren werden mehr Fische gefangen als nachkommen. In den Böden bauen wir jedes Jahr mehr Humus ab als sich Humus neu bilden kann.

Und in unsere Atmosphäre blasen wir jedes Jahr mehr CO2 hinein durch fossile Energieträger, als die natürliche Kreisläufe – die Pflanzen, die Meere – wieder zurückbinden können. In knapp sieben Monaten hat die Menschheit damit das gesamte Potential an globalen Umweltleistungen verbraucht, die für ein Jahr zur Verfügung stehen würden. Für den Rest des Jahres zehren wir von den Vorräten der Zukunft und vernichten dabei unwiederbringliches Naturkapital.

Österreich schon seit 11. April verschuldet!

Für Österreich ist der Overshoot Day sogar noch deutlich früher: Bereits am 11. April 2017 war unser fairer Anteil durch unseren ressourcen-verschwendenden, durchschnittlichen Lebensstil aufgebraucht und seither macht Österreich Öko-Schulden!!

Dass es bei der Berechnung des Verbrauchs der Ressourcen der Erde insgesamt überhaupt bis zum 2. August reicht,  ist ausschließlich den ökonomisch Schwachen geschuldet. Die Mehrheit aller ErdenbürgerInnen verbraucht noch recht wenig, was sich rechnerisch zwar „gut“ für die Ökologie auswirkt, aber eine Katastrophe für die benachteiligten Menschen darstellt.

Die zunehmende Ungleichheit führt zu gespaltenen Gesellschaften, bei uns zum Schwinden von Fairness und Solidarität und weltweit zu vermehrter Ungerechtigkeit und Perspektivenlosigkeit, die sich nicht zuletzt in globalen Flucht-und Wanderbewegungen ausdrücken.

Trends in Österreich

Im Gegensatz zur globalen Entwicklung (+ 8 % Biokapazität) ist die Biokapazität in Österreich zwischen 1990 und 2013 auch absolut um etwa 3,5% gefallen!  Im selben Zeitraum ist die Bevölkerung um 10,3% auf 8,47 Mio angewachsen, wodurch die pro Person zur Verfügung stehende Biokapazität um 14% zurückgegangen ist (von 3,4 gha auf 3,0 gha). Zugleich ist der Fußabdruck  pro Kopf  von 5,32 gha im Jahr 1990 auf  6,11 gha im Jahr 2013 um 15% gestiegen. Dieser vergrößerte Footprint bei gleichzeitig geringerer Verfügbarkeit von Biokapazität führte zu einer deutlichen Vergrößerung des ökologischen Defizits.  Der für den Lebensstil der ÖsterreicherInnen geltende Overshoot Day hat sich vom  23. Mai im Jahr 1990  auf den 11. April vorverschoben.

Trotzdem ist auch ein kleiner „positiver“ Trend zu entdecken: Am Größten war der Footprint in Österreich in den Jahren 2006-2008 mit durchschnittlich 6,4 gha/Kopf. Im ökonomischen „Krisenjahr“ 2009 kam es zu einem messbaren Rückgang auf unter 6 gha, dann wieder „Erholung“ auf 6,4 gha. Seit 2011 ist wieder ein leichter Rückgang (ca. 6%) zu erkennen.

Von Nachhaltiger Entwicklung könnten wir erst sprechen, wenn die Lebenszufriedenheit der BürgerInnen weiter hoch bleibt oder sogar weiter wächst, zugleich der Fußabdruck aber merklich sinkt.

Move the Date

Jede/r Einzelne kann beginnen, den persönlichen Overshoot Day weiter nach hinten im Jahr zu verschieben, im Idealfall auf den 32.Dezember.

#MoveTheDate zeigt einen neuen Rechner zur Bestimmung des persönlichen  Overshoot Day und Lösungen, mit denen wir das Datum verschieben können.

Auch wird am Earth Overshoot Day ein neuer Footprint-Rechner lanciert, der auch auf Mobiltelefonen funktionieren wird. Damit können alle ihren persönlichen Earth Overshoot Day immer und überall berechnen. Der aktuelle Rechner wird von mehr als 2 Millionen Menschen pro Jahr genutzt. http://www.footprintcalculator.org/#!/

Zur Berechnung des Earth Overshoot Day

Das Global Footprint Network, ein internationaler Thinktank mit  Sitz in Oakland, Kalifornien, berechnet jährlich das auf der Erde verfügbare „Natur-Einkommen“ in Form der natürlichen Ressourcen die sich in einem Jahr erneuern können (Biokapazität) und vergleicht es mit den „Ausgaben“ in Form des jährlichen Ökologischen Fußabdrucks, also der tatsächlichen Inanspruchnahme der Naturleistungen der Menschheit, die mit Hilfe von zehntausenden Datensätzen pro Land erhoben werden.

Seit Anfang der 70er Jahre überschreitet die Menschheit das jährliche Öko-Budget von Planet Erde, jedes Jahr ein wenig mehr. Da globale statistische Daten immer erst einig Jahre später vorliegen, werden zur Abschätzung des aktuellen EODs die seit damals  bekannten Trends fortgeschrieben und hochgerechnet. („Nowcasting“ –  Die aktuell verfügbaren Daten beziehen sich auf das Jahr 2013)

Was ist Biokapazität?

Die Biokapazität einer Region oder eines Landes wird definiert als die Gesamtheit der „bioproduktiven Flächen“ dieser Region. Dabei handelt es sich um die Grundfläche in Hektar, multipliziert mit einem Äquivalenzfaktor und einem Ertragsfaktor. Der Äquivalenzfaktor ergibt sich aus der Produktion an nutzbarer Biomasse (oder der jeweils anderen gerade betrachteten ökologischen Dienstleistung der Fläche) im Verhältnis zur Nutzung.

 
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