Nachhaltigkeit 2017 – an einem Kreuzungspunkt

Zusätzlich wurden Gespräche mit für das Thema relevanten Organisationsvertretern inkludiert.

Es zeigt sich, dass es nach wie vor nur wenige Beispiele von Managern gibt, die Nachhaltigkeit in Unternehmen wirklich leben, diese verteilen sich über unterschiedlichste Regionen und Branchen. Einige Vorzeigeunternehmen zeigen, dass Nachhaltigkeit Treiber von Innovationen, Effizienz und für den Erhalt von Unternehmenswert sein kann. Jedenfalls muss man feststellen, dass das Thema Nachhaltigkeit in den Unternehmen, seit der Veröffentlichung des Brundtland Reports 1987 enorm an Aufmerksamkeit gewonnen hat. Viele Unternehmensleiter wissen, dass dieses Thema wichtig ist, um in Zukunft erfolgreich zu sein und nicht vom Markt zu verschwinden. Die Transparenz zu den Nachhaltigkeitsaktivitäten der Unternehmen hat enorm zugenommen. Beispielsweise berichten 74% der größten Unternehmen mit Hilfe der Global Reporting Initiative Standards über ihre diesbezüglichen Aktivitäten. Immer mehr unternehmensübergreifende Initiativen führen dazu, dass einzelne Branchen gemeinsam etwas voranbringen.

Es gibt laut gewonnen Erkenntnissen acht Faktoren, die unabhängig von Branche und Standort dazu führen, dass sich nachhaltige Geschäftspraktiken erfolgreich umgesetzt werden können:

  1. Das Formulieren einer Nachhaltigkeitsstrategie und von damit verbundenen Zielen ist die Grundlage, für neue Geschäftspraktiken. Nur 60% der Unternehmen haben eine derartige Strategie, obwohl 90% der Unternehmensleiter Nachhaltigkeit für wichtig halten. Im besten Fall ist diese Strategie die Unternehmensstrategie. In jedem Fall muss sie mit der Gesamtunternehmensstrategie verbunden sein und bestimmte Kundensegmente bzw. Teil der Wertschöpfungskette miteinbeziehen. Industrien, in denen Umweltrisiken evident sind, sind hier oft Vorreiter (Energiesektor, Chemie- oder Automobilbranche, etc.). Bezeichnend für die derzeitige und künftig zu erwartende politische und rechtliche Situation unter Präsident Trump ist, dass es in Nordamerika von allen Regionen weltweit am wenigsten Unternehmen mit einer Nachhaltigkeitsstrategie gibt. Gelingen wird die Integration von Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie vor allem dann, wenn man die darin liegenden Chancen erkennt und nützt.
  2. 50% jener Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten auf die wesentlichen Themen fokussieren, berichten von Gewinnsteigerungen.
  3. Wird die Organisation gesamtheitlich an die neue Strategie mit Nachhaltigkeitsorientierung angepasst steigt der Prozentsatz jener Unternehmen die ihre Gewinne steigern können auf beinahe 90%. Dies bedeutet unter anderem die organisatorische Verankerung von Nachhaltigkeit als eigene Funktion und in den relevanten Abteilungen. Damit verbunden ist auch das Festlegen relevanter Kennzahlen, der Setzung von Zielen und der Implementierung eines Controllings.
  4. Nachhaltigkeit als Chance für neue Businessmodelle sehen und für Innovationen nützen, das macht sie attraktiv und ist zukunftsfähig.
  5. Die Entwicklung eines Business Case für Nachhaltigkeit ist die Basis für die Messbarkeit des Erfolges. Diesen haben nur 25% der befragten Unternehmen.
  6. Der Vorstand muss hinter den Nachhaltigkeitsaktivitäten stehen. Während 86% der Befragten, dies als wichtig erachten, geben nur 48% an, dass dies auch der Realität entspricht.
  7. Entwicklung einer Story, zur Wertschöpfung durch Nachhaltigkeit, die die Investoren mitreißt, auch das ist wichtig. Diese möchten über Wachstum, Effizienz und Risiken informiert werden. 75% der Führungskräfte von Investment-Unternehmen halten Nachhaltigkeitsaktivitäten für relevant für ihre Investmententscheidungen. Es glauben aber nur 60% der Unternehmensleiter, dass dies eine Rolle bei derartigen Entscheidungen spielt und 50% der Befragten in Investor Relations-Abteilungen glauben nicht, dass Nachhaltigkeit in ihrer Branche für die Zukunft wettbewerbsrelevant ist.
  8. Zusammenarbeit mit vielen und unterschiedlichen Stakeholdern, um den strategischen Change voranzubringen wurde als weiteres wesentliches Erfolgskriterium bei Unternehmen identifiziert, die Nachhaltigkeit erfolgreich strategisch in ihr Geschäftsmodell integriert haben. Diese erhöht das eigene Verständnis, fördert Innovation und ermöglicht Wertschöpfung.

Zusammenfassend zeigt diese Studie sehr klar, dass die Erkenntnis der strategischen Notwendigkeit von Nachhaltigkeit und das Nützen davon als strategische Chance Unternehmen fit für die Zukunft machen. Dies zu übersehen, kann und wird für viele Unternehmen existenzbedrohend sein. Viele Unternehmen sind nicht bereit für eine derartige Neuorientierung ihres Gesamtunternehmens. Es wird übersehen, dass beispielsweise die SDGs (Sustainable Development Goals der UN), nicht von den Regierungen allein umgesetzt werden können, sondern, dass es dazu die Unternehmen ebenso benötigt wie die Zivilgesellschaft. Die Autoren der Studie, haben daher – zu Recht – Befürchtungen, dass die notwendigen Anpassungen vor allem im Bereich Klimaschutz und Ressourcenschonung nicht rechtzeitig gesetzt werden, um eine lebenswerte Zukunft für nachfolgende Generationen zu gewährleisten.

 
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Über den Autor

Anita Lang

Anita Lang

Mag. Anita Lang arbeitet seit 2012 im Nachhaltigkeitsteam der Raiffeisen Zentralbank AG und beschäftigt sich dort vor allem mit Nachhaltigkeitsberichterstattung und mitarbeiterrelevanten Themen. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre war sie in leitenden Positionen in der Unternehmenssteuerung, beispielsweise bei Pressel Versand Gmbh (Staples Inc.) tätig. Im Mittelpunkt stand dabei immer der Mensch und die bestmögliche Nutzung seiner Potenziale und Energien, auch für die Gemeinschaft sowie die verantwortungsvolle Unternehmensführung, die auch einen respektvollen Umgang mit der Natur beinhaltet. Kraft tankt sie gerne beim Wandern, meist in ihrer Wahlheimat Baden, oder beim Praktizieren von Urban Tribal Dance, Yoga oder Meditation.

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