Heiße Phase für den Klimaschutz

  • Die aktuellen Temperaturen und die ausbleibenden Regenfälle bereiten vielen Menschen in Österreich und besonders den Bäuerinnen und Bauern Sorgen. Laut ZAMG werden sich Mai und Juni 2017 unter den fünf trockensten Mai-Juni-Perioden seit dem Niederschlagsmessbeginn im Jahr 1856 einreihen.

In allen Teilen der Welt ist die Landwirtschaft vom Klimawandel besonders betroffen, Afrika ist in dieser Hinsicht ein besonderer Hotspot. Mitte Juni wird jedes Jahr mit dem Welttag zur Bekämpfung von Wüstenbildung an die Folgen von Bodenverlust erinnert. Desertifikation beschreibt dabei nicht die Ausbreitung bestehender Wüsten, sie hat ihre Ursachen im Klimawandel, der übermäßigen Ausbeutung und einer falschen Landbewirtschaftung. Weltweit sind heute schon über 250 Millionen Menschen direkt vom Verlust fruchtbarer Böden in Trockengebieten betroffen. Über eine Milliarde Menschen in über hundert Länder sind der Risikogruppe zuzuordnen.

Wenn man eine Landkarte der besonders betroffenen Gebiete und eine Karte mit Ländern, in denen extremistische Terrorgruppen wie Boko Haram oder IS besonders aktiv sind, übereinanderlegt, werden die Überschneidungen sofort augenfällig.

Und was hat das mit uns zu tun? Bodenverlust und Migration stehen in einem engen Zusammenhang. In diesem Jahr sind bereits fast 2.000 Menschen im Mittelmeer ertrunken, mehr Tote als auf jeder anderen der weltweiten Migrations- und Fluchtrouten. Die Zusammenhänge liegen spätestens seit dem Beschluss der Nachhaltigen Entwicklungsziele im September 2015 auf dem Tisch. Sie stellen einen Konnex zwischen der Entwicklung des globalen Nordens und der Entwicklung des globalen Südens her. Ebenso wie der Weltklimavertrag von Paris, dem sich alle Staaten außer Syrien, Nicaragua und neuerdings die USA unter Donald Trump verpflichtet fühlen.

Langsam sollte allen klar sein, dass wir letztlich alle in einem Boot sitzen. Die fortschreitende Globalisierung macht Probleme am anderen Ende der Welt zu unseren Problemen. Und wir sollten unsere Hausaufgaben machen – unabhängig davon, ob sich Donald Trump gegen den Rest der Welt positioniert oder nicht. Erfüllen wir unseren Teil der Abmachung, dass die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad begrenzt werden kann. Das bedeutet nicht weniger, als ein Leben und Wirtschaften ohne Erdöl. Die Bioökonomie ist dabei der Schlüssel: Maisspindeln werden zu Bio-Plastik und können gut weiterverarbeitet werden und erzielen eine hohe Wertschöpfung. Algen werden in Bioreaktoren gezüchtet und zur Herstellung von Omega-3-Säuren und Energie verwendet. Aus Löwenzahn wird Latex gewonnen oder Autoreifen hergestellt. Das alles geht heute schon. Wir müssen es nur tun.

Und um zur Landwirtschaft zurückzukommen: Hier braucht es Knowhow-Transfer. Von der Wissenschaft in die Landwirtschaft. In Europa und in Afrika. Innovation bedeutet, die Menschen dort abzuholen, wo sie sind, und die Produktivität mit den vorhandenen Mitteln zu erhöhen. Drei Viertel der Armen weltweit leben in ländlichen Gebieten. Besonders in Entwicklungsländern hängen die Lebensbedingungen des Großteils der Menschen von der Landwirtschaft und insbesondere von kleinen Familienbetrieben ab. Landwirtschaft ist daher ein Schlüsselsektor für die Armutsreduktion und Hungerbekämpfung und eine Chance, erzwungene Migration in den Griff zu bekommen. Die FAO fordert eine nachhaltige Intensivierung. Recht hat sie.

Food and Agriculture Organization of the United Nations

 
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Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

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