Ausbau von Photovoltaikanlagen in Österreich 2017

  • Solarstromausbau Österreich

  • Wie sich der Photovoltaikausbau von 2000-2016 in Österreich entwickelt hat und wie die Zukunft aussehen müsste (könnte).

    Es wird mal wieder Zeit für einen Generalistenartikel, nachdem ich immer wieder sehr ähnliche Fragen gestellt bekomme. Diese lauten: Wie weit ist der Ausbau der Photovoltaik in Österreich in den letzten Jahren vorangekommen? Und wie hoch ist der Preis derzeit?

Nachdem ich zu Beginn meiner Karriere ja selbst solche Studien durchgeführt und hier veröffentlicht habe, war ich bei den diesjährigen Energiegesprächen sehr happy, dass mal wieder brandaktuelle Zahlen gezeigt wurden. Leider gibt es ja viel zu wenige Publikationen zu diesem Thema und seit ich selbst nicht mehr so viel Zeit für diese Arbeit habe, machts irgendwie niemand. Somit muss ich mal wieder ran :-). Vielen Dank an Andreas Fleischhacker, Bernadette Fina und Hans Auer von der TU-Wien, die in monatelanger Arbeit unterschiedliche Angebote verglichen und analysiert haben.

Photovoltaik Ausbau in Österreich mit traurigem Fazit

Kumulierter Photovoltaikausbau Österreich

Installierte Leistung Photovoltaik in Österreich 2016

Hier sieht man den Ausbau der Photovoltaik seit der Jahrtausendwende in Österreich und es ist deutlich erkennbar, dass seit 2013 quasi Stillstand bzw. sogar Rückschritt herrscht. Jedes Jahr wurde etwas weniger installiert als noch im Vorjahr. Das liegt nicht zuletzt an der Art der Förderung, welche das Wachstum in Österreich ausbremst, während im Rest der Welt die Post abgeht. Ich habe das hier schon mehrfach kritisiert wie sehr der sogenannte Deckel die Technologie ausbremst. Dieser Umstand, gepaart mit massiv gefallenen Energiekosten, keinem Entgegenwirken auf politischer Seite und ebenfalls dreijährigem Stillstand was aktive Energie- und Klimapolitik betrifft, zeigt, dass hier dringend Aufholbedarf besteht.

Ich habe hier auch schon mal erklärt, dass der nötige Zubau mindestens verdreifacht werden müsste und langfristig sogar das Zehnfache ausmachen muss. 500 MW/Jahr müsste der Mindestzubau sein, um auch noch annähernd die Ziele zu erreichen. Viel einfacher würde das z.B. über steuerliche Hebel funktionieren, als über Direktförderungen. Unternehmen fangen mit 20 Jahren Abschreibedauer nicht viel an und würden um ein Vielfaches mehr investieren, wenn es statt der Zuschüsse beispielsweise kürzere Abschreibemöglichkeiten gäbe. Dann wäre es eine Förderung zum Nulltarif und das Wachstum eben nicht nur auf die 150 MWp begrenzt. Aber das wäre ja anscheinend viel zu einfach.

2018 müsste der Zubau bereits 500 MWp ausmachen

Ich habe hier schon einmal vorgerechnet, wie hoch der Zubau jährlich sein muss, um 17 % PV-Anteil bis 2030 zu schaffen. Das 2016-er Ziel wurde bereits  verfehlt (140 MWp statt 200 MWp) und 2017 wird auch nicht viel anders werden, weil ja die Gesetze nicht geändert wurden. Das von mir ausgerechnete Ziel von 400 MWp wird also auch dieses Jahr deutlich unterschritten. Durch die Regierungsumbildung ist auch 2018 nicht mit einer verbesserten Gesetzeslage oder einer Entfesselung der Branche zu rechnen. Somit werden auch nächstes Jahr die 500 MWp  weit verfehlt bleiben und es wird sich bis Ende des nächsten Jahres bereits ein Rückstau für die Zielerreichung von über 600 MWp angehäuft haben, was mehr als die Hälfte dessen ist, was bisher überhaupt zugebaut wurde.

Entfesselung dringend nötig!

Die Technologie ist endlich konkurrenzfähig, braucht aber aufgrund der niedrigen Energiekosten und der nicht vorhandenen Bepreisung von dreckiger Energie auch die Unterstützung der Politik. Derzeit wird aber wo es nur geht behindert. Die Auflagen werden immer obstruser und die Preise gehen dadurch sogar wieder nach oben anstatt nach unten. Ich werde im nächsten Artikel auf die Kosten der Photovoltaik eingehen und ein paar „Schwänke“ aus dem Genehmigungsleben zum Besten geben.

Grafik: Andreas Fleischhacker, TU-Wien, Quelle: Biermayr P. et.al. “Innovative Energietechnologien in ÖsterreichMarktentwicklung 2015”, Herausgeber: BMVIT.

 
Über den Autor

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. Seit 2012 ist sie Chefredakteurin des von der Ritter Gruppe initiierten Solarthermieblogs Ecoquent-Positions und Mitbegründerin des größten deutschsprachigen Energiebloggerzusammenschlusses www.energieblogger.net. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die größte Einkaufsgemeinschaft für Unternehmen www.tausendundeindach.at und hält laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

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