Zero Waste als Lebensstil

  • In einem Jahr nicht mehr als in einem 1,5l Einmachglas Müll anhäufen, das war der Neujahrsvorsatz für Annemarie Miesbauer zu Beginn des Jahres 2016. Die meisten Menschen würden dieses Glas innerhalb von wenigen Tagen nicht mehr schließen können, da der EU-Durschnitt bei 481 kg Abfall pro Jahr und Person liegt (in Österreich sogar bei 587 kg), die Industrie- und Landwirtschaftsabfälle außer Acht gelassen.

Damit ist die in Wien lebende Annemarie Miesbauer Teil der Zero Waste Bewegung, die sich als Ziel gesetzt hat, keinen Müll zu verursachen. Ihr erfolgreiches Experiment, das sie auch in diesem Jahr weiterführt, hat sie in ihrem Blog „Ein Jahr im Glas“ dokumentiert, um auch andere zu inspirieren.

Was ist Zero Waste?

Die Zero Waste International Alliance definiert diesen Lebensstil genauer: “Zero Waste is a goal that is ethical, economical, efficient and visionary, to guide people in changing their lifestyles and practices to emulate sustainable natural cycles, where all discarded materials are designed to become resources for others to use.“

Das bedeutet, dass es darum geht, Produkte und Prozesse so zu gestalten, dass systematisch Abfall vermieden wird bzw. nicht mehr anfällt, um einen Beitrag zu leisten, die weitreichenden direkten und indirekten Folgen durch die Müllmassen sowohl für die Natur als auch für die zukünftigen Generationen zu minimieren.

Zero Waste Ikone Bea Johnson

Als Pionierin gilt die in California lebende Französin Bea Johnson, die es seit 2008 schafft, den kompletten Jahresabfall ihrer vierköpfigen Familie auf den Inhalt eines Einmachglases zu reduzieren. In ihrem Buch „Zero Waste Home“ zeigt sie die Zero Waste Philosophie auf, die auf den fünf R`s basiert. Refuse. Das bedeutet, dass man bei jeder Sache bewusst überlegt, ob man diese wirklich braucht und auch deren Wertschöpfungskette hinterfragt. Diese Art des Handelns stellt den wichtigsten Schritt dar, da diese mit einer Bewusstseinsbildung verbunden ist. Reduce. Hierbei geht es darum, den bereits vorhandenen Besitz genauer zu betrachten, sich zu fragen, was man genau benötigt, und die Sachen, die man nicht braucht, zu verschenken oder zu verkaufen. Re-use. Dadurch, dass es sicher nicht die ökologischste Art ist, den Besitz zu minimieren und somit sich den restlichen Sachen zu entledigen, geht es bei diesem Aspekt darum, Gegenstände vielleicht in einer anderen Weise zu verwenden, Upcycling zu betreiben oder Dinge auch ganz einfach wieder zu reparieren. Recycle. Recycling ist keine einfache Thematik, da vieles auch bei Mülltrennung nicht wirklich wiederverwertet werden kann, sondern verbrannt wird. Rot. Das ist das Ziel des Zero Waste: Nur noch Abfälle zu produzieren, die kompostiert werden können. Das klingt utopisch, aber es geht vor allem auch darum, dieses hohe Ziel als Motivation zu sehen und versuchen, dieses bestmöglich anzupeilen.

Es ist auffallend, dass sich einige Punkte mit der ebenfalls fünfstufigen „Abfallmaßnahmenhierachie“ der EU-Abfallrahmenrichtlinie überschneiden. Deshalb kann man diese Grundpfeiler der Zero Waste Philosophie als praktische Anwendung für die Einheit der Haushalte sehen.

Abfallfrei leben in Österreich

In Österreich gibt es Zero Waste Austria, welches ein Projekt von Helene Pattermann ist, um Menschen zusammenzubringen, nachhaltige Lösungen, Lebensstile und Projekte zu fördern, bekannt zu machen und zu verbreiten. Auf der Webseite von Zero Waste Austria, die in das internationale Netzwerk Zero Waste Europe eingebunden ist, findet man Einkaufsmöglichkeiten und alle Tipps, um müllfrei zu leben. Außerdem gibt es auch Zero Waste Treffen, bei denen auch schon Bea Johnson zu einem Vortrag nach Wien eingeladen worden ist oder zuletzt Rob Greenfield, der als Umweltaktivist mit verschiedenen Aktionen zu einem nachhaltigeren Lebensstil anregen möchte.

Einige Geschäfte und die gewöhnlichen Märkte, die den Kunden verpackungsfreie und nachhaltige Lebensmittel und Haushaltssachen anbieten, machen es einfacher, den Zero Waste Lebensstil zu verfolgen. Außerdem gibt es schon seit einiger Zeit vermehrt Angebote wie Repair Cafés, Leihläden, Kleidertauschveranstaltungen und einige mehr, die nicht nur sehr nützlich für Menschen sind, die versuchen, müllfrei zu leben, sondern auch dazu beitragen, dass viele Menschen mit dieser Thematik in Berührung kommen.

Große Veränderungen würden sich aber besonders dadurch ergeben, wenn durch rechtliche und politische Entschlüsse auf diesem Gebiet neue Maßstäbe gesetzt werden. Es gibt bereits Ansätze, wie der Stempeldruck als Verpackungsersatz auf Obst und Gemüse oder die Umstellung auf kompostierbare Verpackungen, die leicht machbar und ebenso leistbar sind. Durch eine verpflichtende Einführung dieser Alternativen, würde jede Kaufentscheidung auch unbewusst zu einer Reduzierung des Mülls beitragen.

Zero Waste als bewusste Entscheidung

Mittlerweile ist die Zero Waste Bewegung stark gewachsen und es gibt neben einigen Blogs und Literatur auch viele Menschen, die versuchen, ihre Abfälle so gut wie es geht zu reduzieren. Auch wenn für viele dieser Lebensstil extrem wirkt, finde ich es sehr wichtig, dass durch die Zero Waste Bewegung ein Bewusstsein geschaffen wird, wie durch das Handeln der Menschen im Alltag Veränderungen geschaffen werden können. Auch wenn der Einfluss durch die Umstellung eines einzelnen Haushaltes nicht groß ist, geht es vor allem darum, das Gewohnte zu hinterfragen. Dieser Lebensstil ist sehr zeitaufwändig, weil man sich informieren muss, wo man Einkaufen kann, welche Alternativen es zu verschiedenen Produkten gibt und diese zum Teil auch selber herstellt. Daneben ist die Umstellung zumindest am Anfang mit mehr Kosten verbunden, da man den kompletten Haushalt neu organisiert. Allerdings kann es auch sehr befreiend sein, sich nicht mehr den Konsumzwängen hinzugeben und Dinge mehr wertzuschätzen, wenn man sich auch oft kreativ mit den Alternativen auseinandersetzt. Es ist eine sehr persönliche Entscheidung, so zu leben, aber ich finde, dass man sich bewusst mit der Thematik auseinandergesetzt haben sollte und es jedem mit wenig Aufwand möglich ist, einen Beitrag zu leisten.

Zero Waste Austria

 

 
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About the Author

Johanna Schwarz

Johanna Schwarz

Johanna Schwarz ist Studentin des Bioressourcen- und Umweltmanagements auf der Universität für Bodenkultur in Wien. Auf der Suche nach einer Organisation, bei der sie das vermittelte Wissen durch das Studium in praxisbezogene und konkrete Projekte umsetzen kann, ist sie kurz nach Beginn ihres Studiums auf das Ökosoziale Studierenden Forum gestoßen. Dort ist sie seit Oktober 2016 engagiert und vermittelt durch die Organisation von Veranstaltungen und Aktionen das Ziel der Ökosoziale Marktwirtschaft, die Balance zwischen Umwelt, sozialen Anliegen und der Wirtschaft. Dadurch sollen besonders Studierende angeregt werden, sich aktiv für eine Zukunft, die für sie und alle nachkommenden Generationen lebenswert ist, einzusetzen.

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