Land der Berge und Holzheizer

  • Kaum eine Statistik wird so heiß erwartet, wie die für den „Energieeinsatz der Haushalte 2015/2016“ der Statistik Austria. Im März erschienen, stürzten sich gleich alle Zahlen-Freaks, wie es ein Kollege von mir ist, auf die recht übersichtlichen Tabellen, um die neuesten Trends herauszulesen. Für mich besonders relevant sind die eingesetzten primären Heizsysteme.

Das wichtigste Ergebnis für mich: Heizen mit Holz bleibt weiterhin die wichtigste Heizform in Österreich – und dies mit Abstand! Genauer gesagt, sind dies 1,1 Mio. Haushalte (Einzelöfen, Zentralheizungen und durchschnittlicher Anteil biogener Fernwärme). Zählen wir die Zusatzheizungen hinzu, sind es sogar bis zu 2 Mio. Holzheizer.

Betrachten wir nun die Zahlen etwas genauer und vergleichen die Zahlen von 2015/2016 mit 2013/2014. In diesem Zeitraum heizen immer mehr Haushalte mit Fernwärme (Steigerung von 4%). Seit 2003/04 wuchs die Anzahl um etwa 450.000 auf 1,1 Mio. Haushalte. Der biogene Anteil der Fernwärme beträgt österreichweit etwa 45 % des Endverbrauchs, vor zehn Jahren waren es erst 21%  (je 50% aus Heizwerken und KWK-Anlagen). Die Summe der mit Solarthermie (eher ein geringer Anteil beim primärem Heizsystem) oder Wärmepumpen beheizten Haushalte hat sich in den vergangenen zwölf Jahren mehr als verzehnfacht und beläuft sich auf 345.000 Einheiten – ein Plus zur Vorperiode 2013/2014 von 20%. Hierzu muss fairnesshalber aber auch die Relation ins rechte Licht gerückt werden, denn die von der Wärmepumpe erzeugte Wärmemenge leistet nur einen Beitrag von knapp 4%. Auch der Anschluss an das Erdgasnetz hat zugenommen – um 2,4% auf 910.000 Haushalte.

Alle anderen Heizformen haben im Periodenvergleich an Anteilen eingebüßt – Scheitholz, Hackschnitzel, Pellets, Holzbriketts –4,5% (Anzahl der Haushalte rund 665.000), Kohle –33% (7.400), Heizöl – 1,5% (mit geringem Anteil Flüssiggas 615.000) und elektrische Direktheizungen –1,2% (215.000). Auffallend bei diesen Zahlen ist der noch immer hohe Anteil elektrischer Direktheizungen und des Heizöls. Innerhalb von zehn Jahren haben die Technologien aber enorme Rückgänge verzeichnet, Direktheizung um 20% und Heizöl um 32%. Beim Heizöl bedeutet das in Zahlen eine Reduktion von 908.000 auf 613.000 Haushalte.

Auch die Bundesländervergleiche zeigen interessante Trends innerhalb der vergangenen zwei Jahre. In Tirol und Vorarlberg hat Holz bei den Einzelfeuerungen 2015/16 erstmals Heizöl als wichtigsten Energieträger überholt. Damit setzte sich im Westen der Trend weg vom Heizöl hin zum Holz fort. Größere Zuwächse für Heizöl gab es dagegen vor allem in Oberösterreich und Wien. In der Bundeshauptstadt hat sich die Anzahl der Ölheizungen in zwei Jahren mehr als verdoppelt, womit Wien als einziges Bundesland mehr Heizöl für die Raumwärme einsetzt als Holzbrennstoffe (ohne biogene Fernwärme). Doch die Wiener Zahlen müssen auch kritisch betrachtet werden, denn bei einem jährlichen Verkauf von 5.000 Ölheizungen, kommen mir die aktuellen Zahlen ein wenig zu hoch vor.

Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass wir in Österreich ein Potenzial von 1,5 Mio. Haushalten haben, die von Erdgas, Kohle und Heizöl auf erneuerbare Energieträger umstellen müssen.

Hier der Link für die Zahlen-Freaks:

http://www.statistik.at/web_de/statistiken/energie_umwelt_innovation_mobilitaet/energie_und_umwelt/energie/energieeinsatz_der_haushalte/index.html

 

 
About the Author

Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

One Comment

  1. sehr interessanter Beitrag.
    Ich denke, dass in den letzten Jahren aufgrund der hohen Fördersummen so viele Ölheizungen verkauft wurden. Das gute daran ist, dass zumindest veraltete Ölkesseln gegen effizientere Brennwertgeräte getauscht wurden.

    Trotzdem bin ich der Meinung das die fossilen Brennstoffe keine langfristige Zukunft haben werden.

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