Die Lösung ist auch weiblich

  • Will man sich im Internet über die größten Probleme des 21. Jahrhunderts informieren, wird häufig der Klimawandel genannt, aber auch Wasser-, Energie- bzw. Ressourcenknappheit finden sich sowie Krankheiten und ethnische Konflikte. So unterschiedlich die Einschätzungen, eines ist klar: Die Herausforderungen gehen uns nicht aus. Um Lösungen zu finden, brauchen wir Innovationen. Wir brauchen gute Ideen, wie wir die Dinge anders und besser machen können. Und dazu brauchen wir kluge Köpfe – alle!

Dummerweise nutzen wir aber nicht alle Köpfe, auch nicht alle klugen. Heute sind in Österreich 58 % der Maturanten weiblich, 56 % der Studienabschlüsse entfallen auf Frauen. Und doch liegt das Medieneinkommen von Frauen mit Studienabschluss nach 18 Monaten Erwerbstätigkeit im Jahr um 7.000 Euro unter dem der Männer. Ja, Frauen wählen eher nicht so gut dotierte Berufszweige. Ja, Frauen arbeiten viel mehr Teilzeit. ABER: Bei den höheren Gehältern lassen sich laut Agenda Austria über 11 % des Bruttostundenlohns nicht durch objektive Faktoren wie Ausbildung, Kompetenzen, Arbeitszeiten etc. erklären (bei den niedrigen Einkommen liegt der Unterschied bei 3,5 %). Ich will jetzt gar nicht über Fairness reden. Schon allein aus wirtschaftlicher Sicht ist das dumm. Das Beratungsunternehmen McKinsey kommt zu dem Schluss: Beseitigen wir alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern bis 2025, könnten wir allein in Europa das BIP um 23 % steigern. Das wäre doch einmal ein interessanter Denkanstoß fürs nächste Konjunkturprogramm!

Es ist in den vergangenen Jahrzehnten schon einiges besser geworden. Frauen stellen einen wachsenden Anteil an der arbeitenden Bevölkerung und im politischen Leben. Frauen werden auch in absehbarer Zeit das gleiche Pensionsantrittsalter haben wie Männer. Wenn wir in der Geschwindigkeit weiter tun, haben wir in 169 Jahren in Österreich die Gleichberechtigung erreicht.

Angesichts der Prognosen wäre es ratsam, die heute drängenden Probleme auf unserer Erde bis dahin schon in den Griff bekommen zu haben. Wir sollten nicht auf kluge Köpfe verzichten, nur weil manche von ihnen auf einem weiblichen Körper sitzen. Ich brauche beim Radfahren nicht unbedingt beide Hände. Aber ich käme trotzdem nicht auf die Idee, mir eine Hand auf den Rücken zu binden. Genauso wenig ist es besonders vif, auf die Hälfte der Menschen zu verzichten, wenn es darum geht, über bedeutende Innovationen in unserer Gesellschaft nachzudenken. Um die Probleme des 21. Jahrhunderts zu lösen, brauchen wir Männer und Frauen. Vielleicht ist derzeit einfach der Leidensdruck noch nicht groß genug. Andererseits – wenn wir den Prognosen glauben – könnten sich zumindest dies in diesem Jahrhundert von selbst erledigen.

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Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

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