Wann, wenn nicht jetzt…

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  • Die Energieversorgung Österreichs ist zu einem großen Teil von Importen abhängig. Zwei Drittel der benötigten Energie müssen wir importieren. Bei Erdgas beträgt die Importabhängigkeit 98%, bei Erdöl und Erdölprodukten 92%. Bei fossilen Ressourcen spielen seit Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur Eigentumsrechte, sondern vor allem der physische Zugang eine bedeutende Rolle. Jedem fallen wohl aus dem Stand Kriege ein, die vor allem wegen Öl geführt wurden.

Experten, wie der Leiter des Instituts für Friedenssicherung und Konfliktmanagement der Landesverteidigungsakademie Walter Feichtinger, mit dem ich im November 2016 bei einer Veranstaltung am Podium diskutierten durfte, gehen davon aus, dass der geopolitische Wettbewerb stärker wird. Das bedeutet, wenn die EU derzeit vor allem mit sich selbst beschäftigt ist, werden wir beim Thema des Ressourcen-Zugangs wohl eine europäische Vorgehensweise brauchen. Sinnvoll ist jedenfalls eine Strategie auf drei Standbeinen: Abhängigkeiten reduzieren, Risiko streuen und selbst verlässlicher Partner sein.

Der Ausbau der Erneuerbaren ist nicht nur angesichts des Klimawandels notwendig. Die Energiewende ist auch aus Sicherheitsüberlegungen heraus gescheit und nur logisch.

Landläufig wird davon ausgegangen, dass die USA sich künftig aus einigen internationalen Politikfeldern zurückziehen werden, wenn Donald Trump als nächster US-Präsident sein Amt antritt. Hier könnte die EU ein entstehendes Vakuum füllen. Wenn es uns gelingt, ein neues Selbstbewusstsein auf Basis europäischer Werte zu entwickeln, können wir auch international mit langfristigen Kooperationen auf Augenhöhe als verlässlicher Partner punkten. Hier können und sollen Wirtschaftspolitik und Entwicklungspolitik Hand in Hand gehen.

Ziel ist, dass die Lebensbedingungen möglichst vieler Menschen verbessert werden. Probleme machen nicht vor Landesgrenzen halt. Wir brauchen global einen fairen Zugang zu Ressourcen, denn wer keinen Zugang hat, wird ihn sich holen. Bis 2050 wird sich die Bevölkerung in Afrika verdoppeln. Die Nachhaltigen Entwicklungsziele zielen u. a. darauf ab, weltweit die Armut bis 2030 zu beseitigen. In den letzten Jahrzehnten ist es bereits gelungen, eine Milliarde Menschen aus der Armut zu holen. Wir hatten als Weltgemeinschaft noch nie so gute Chancen, Armut zu beseitigen. Wenn wir es jetzt nicht schaffen, dann wird sich diese Möglichkeit nicht so schnell wieder bieten. Wenn die USA die Weltpolizei waren, ist es jetzt Zeit für Europa zum „Baumeister“ einer gerechten Weltordnung zu avancieren.

 
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Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

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