Photovoltaik im Wohnbau – Eine Liste der Hürden im Überblick

  • (c) Tausendundein Dach

  • Kürzlich war ich bei Wiener Wohnen zu Gast, weil ich mal wissen wollte was die davon abhält wirklich groß in erneuerbare Energien zu investieren. Schließlich ist Strom aus Photovoltaik mittlerweile günstiger als der vom Netz, also wär das ja auch für die Mieter ein Vorteil. Warum also passiert da nichts?

Nach dem Termin war ich um einiges schlauer und möchte mein neu gewonnenes Wissen nun mit euch teilen. Eines vorweg: Wir sind von einem Boom in dem Bereich noch Lichtjahre entfernt und das liegt nicht an der Technik oder den Kosten, sondern ausschließlich an der österreichischen Gesetzeslage.

Da manche Politiker ja schon länger von Maßnahmen sprechen, die die Situation für Mehrfamilienhäuser verbessern soll, wollte ich jetzt mal wieder wissen, was da wirklich dran ist an den Sonntagsreden. Ich persönlich habe mich schon lange von Projekten in Mehrfamilienhäusern ferngehalten, weil meistens enorm viel Zeit reinfließt und am Ende des Tages eine rechtliche oder soziale Hürde das Projekt killt. Ich weiß jetzt wieder warum das intuitiv sehr klug war, hier nicht weiter Zeit zu investieren. Da mir der österreichische Markt aber bekanntermaßen am Herzen liegt, nehm ich mir mal wieder die Zeit um alle Hürden aufzulisten und freue mich auf Erweiterungen.

Die PV-Austria hat bei einem EU-Projekt einen sehr guten Leitfaden entwickelt, der sich mit der Finanzierung von Eigenverbrauchsprojekten beschäftigt. Darin sind eben auch allerlei rechtliche Hürden aufgelistet.

Probleme im Bezug auf das Elektrizitätswirtschaftsgesetz

  • Die Zuordnung einer Erzeugungsanlage zu mehreren Verbrauchsanlagen ist gesetzlich nicht vorgesehen.
  • Das Zusammenfassen von Zählpunkten ist verboten.
  • Problem der „Durchleitung“ durch das öffentliche Netz (innerhalb des Gebäudes zu den einzelnen Abnehmern)
  • Problem „gefangener“ Kunden – Lieferantenwechsel muss laut EU-Elektrizitätsbinnenmarkt-Richtlinie gewährleistet sein.
  • Netzbetreibermonopol: Die Nutzung des öffentlichen Netzes ist nur für Energieversoger im Besitz der notwendigen Konzession erlaubt.
  • Der Begriff „Direktleitung“ ist nicht auf Wohnhausanlagen anwendbar.

Im Leitfaden steht leider auch, dass diese nicht die Problematik des Mietrechtsgesetzes umfasst. Bei dem Termin mit Wiener Wohnen wurde mir klar gemacht, dass damit noch nicht wirklich das eigentliche Problem gelöst ist. Auch nach der Novelle gibt es für Investoren große Hürden, die die Investitionen schlichtweg verhindern. Dieser habe ich hier aufgelistet und sind bitte nur als Hinweis zu sehen. Oben genannte Punkte stammen aus dem Leitfaden, die Punkte unten aus persönlichen Gespräche.

Probleme im Bezug auf das Mietrechtsgesetz

  • Photovoltaikanlagen können bei Gebäuden die dem MRG unterliegen nicht für die Allgemeinverbraucher verwendet werden.
  • Die Formulierung im MRG Paragraph 21  für die Betriebskosten ist so formuliert, dass die Betriebskosten aus einem eigenen Kraftwerk von Mietern eingeklagt werden können.
  • Photovoltaikanlagen für Allgemeinverbraucher können daher nur dort installiert werden wo das Genossenschaftsrecht- oder das Gewerberecht gilt.

Selbst wenn also mit der derzeit diskutierten Novelle des ELWOG einige Probleme gelöst werden, bleibt ein großes Problem, welches mir bislang nicht bewusst war. In Gebäuden wo das MRG zur Anwendung kommt, können selbst die allgemeinen Verbraucher nicht mit einer Photovoltaikanlage betrieben werden, da es keine Betriebskosten im eigentlichen Sinne darstellt. Die Investoren dürften den Mietern also lediglich die Anlage schenken, einzelne Kilowattstunden verkaufen dürfen sie nicht!!! Nicht einmal Energiecontracting ist möglich, auch wenn die Kosten dafür niedriger wären!! Das wurde auch rechtliche geprüft und vor einem Schiedsgericht würden die Mieter Recht bekommen.

Unter diesen Umständen wird genau gar nichts passieren. Ich hoffe das ist jedem klar.

Im Leitfaden ist auch noch ein guter Überblick darüber, was unter geltender Rechtslage und was dann unter der neuen Rechtslage möglich sein soll.

Unter geltender Rechtslage bereits möglich:

  • Nutzung des PV-Stroms nur für allgemeinen Verbrauch (z. B. Gangbeleuchtung, Liftbetrieb etc.) ACHTUNG: Gilt nicht für Gebäude die dem MRG unterliegen!
  • PV-Einzelanlagen pro Wohneinheit (Was de facto nicht passiert, weil dafür jede Einheit einen eigenen Wechselrichter bräuchte und die Projekte wirtschaftlich killt.)

Nach der beschriebenen Gesetzesänderung möglich:

  • Gemeinschaftliche PV-Anlage (Die Anlagen wo sich alle einige müssen und die Projekte von den Hauseigentümern selbst vorangetrieben werden)

Im Leitfaden steht auch, dass diese Änderungen im ELWOG aber nichts mit dem MRG zu tun haben. Das heißt die wirklichen Probleme aus dem MRG werden mit dieser ELWOG Änderung noch lange nicht behoben und so lange es nicht möglich ist, die Produktion aus der PV-Anlage Kilowattstundenweise als Betriebskosten zu verrechnen wie auch der Strom aus dem Netz, wird hier leider nicht viel passieren. Was mich wie gesagt am meisten schockiert hat, ist, dass nicht einmal Energiecontracting nach dieser Gesetzesänderung möglich ist.

Ich freue mich auf Hinweise auf weitere Hürden oder vielleicht sogar schon Lösungen zu dem Problem. Ich bin mir sicher, dass da einige auch schon etwas geschafft haben.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

3 Comments

  1. Wäre es nicht Zeit für eine möglichst breit getragene Initiative zur Schaffung der geeigneten Rahmenbedingungen?
    Es wäre auch klarzustellen, wer Verbesserungen warum verhindert.

    • Ja, unbedingt! Diese Liste der Verhinderer wird nur fürchte ich sehr lang. Leider sind diese sich dessen oft gar nicht bewusst. Mmn gibt es an den entscheidenden Stellen einfach zu wenige bis null Menschen die sich FÜR die Verbesserung stark machen, weil es einfach nicht ihre Aufgabe ist….

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