2ct/kWh trennen uns vom nächsten Solarboom

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  • Bild: capicua / photocase.de

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  • Heute teile ich meine Beobachtungen aus 8 Jahren Solarenergie und warum ich glaube, dass uns in wenigen Jahren ein neuerlicher Solarboom bevorsteht.

Ich war kürzlich bei einer Veranstaltung zum Thema: „Vom Verhandeln zum Handeln“ und wie das Pariser Abkommen nun in Handlungen übersetzt werden kann. Ich durfte am Podium meinen Senf dazugeben und möchte noch einen eigenen Artikel zu dem spannenden Thema „Flat Energy World“ schreiben, aber zuerst mal etwas, dass mir schon länger unter den Fingernägeln brennt.

Wie ihr wisst, sind PV-Anlagen umso rentabler je höher der Strompreis ist, weil vor allem Eigenverbrauchsanlagen so arbeiten wie ein Stromsparwunder. Es wird einfach weniger Energie vom Netz gekauft, wenn ein eigenes Kraftwerk am Dach steht. Nun hat die Energiebranche aber eine unvergleichliche Achterbahn der Strompreisänderungen hinter sich. Ich bringe das hier mal zu Papier, weil ich merke, dass so viele gar nicht wissen, was da die letzten Jahre eigentlich passiert ist.

8-9 ct/kWh noch 2008

Als ich begonnen habe in der Branche zu arbeiten, lagen die Strompreise bei sagenhaften 9 ct/kWh. 9 ct/kWh!!! Könnt ihr euch das vorstellen??? Damals kostete Solarstrom leider noch jenseits der 40 ct/kWh deshalb waren so hohe Förderungen nötig und alle sagten Solarstrom sei so teuer. Niemand hatte vorausgesehen, dass Solarstrom so schnell schon unter 10 ct/kWh kosten würde. Nur leider sind mit den Kosten für Solarstrom auch die Kosten an der Börse in den Keller gerasselt.

2-3 ct/kWh 2016

Mittlerweile werden utopisch niedrige Preise von um die 2-3 ct/kWh an der Börse gehandelt. Aus sehr vielen Gründen ist das nicht sehr gesund für unsere Gesellschaft. Die Welt hat die Problematik sehr gut auf den Punkt gebracht. Detailinformationen zu den 7 Gründen sind hier nachzulesen.

Hier die 7 Gründe warum ein so niedriger Energiepreis gefährlich ist

  1. Noch mehr Fluchtgründe
  2.  Weniger Investitionen
  3.  Stärkung Saudi-Arabiens
  4. Gefahr für den Finanzmarkt
  5. Klimakiller boomen
  6. Blockade des Fortschritts
  7. Drohende Deflation

5-6 ct/kWh als gesunder Energiepreis?

Jegliche neu gebauten Kraftwerke, sei es Wind, Wasser, Sonne oder Gas produzieren um etwa 5-7 ct/kWh. Ich weiß, dass ist eine mehr als grobe Verallgemeinerung, aber nach all meinen Gesprächen ein recht realistischer Wert. Nur Atomkraft produziert um 9-11 ct/kWh aber wer da noch investiert ist selbst Schuld (Sorry GB). Bei den derzeitigen Preisen von 2-3 ct/kWh sind jegliche Investitionen in Kraftwerkskapazitäten also schwierig. Es ist also nur eine Frage der Zeit bis sich der Strompreis wieder in eine andere Richtung wendet und dazu kam erst kürzlich in der Presse eine interessante Meldung.

Österreich könnte höherer Strompreis drohen

Bei einem so niedrigen Energiepreis stehen und fallen alle Wirtschaftlichkeitsberechnungen von erneuerbaren Energien mit dem Wert der erwarteten Energiespreissteigerung. Obwohl historisch gesehen die jährliche Steigerungsrate immer bei 5% war, sind jetzt bei den Berechnungen maximal 2-3% zulässig obwohl der Unterschied zwischen 2 und 5% im Ergebnis gewaltig sind. Und nun diese Meldung:

6% Preissteigerung möglich

Der Grund: Bisher hatten Österreich und Deutschland einen gemeinsamen Strommarkt. Deshalb hat Österreich ja auch von den sinkenden Kosten, die durch den Ausbau der Erneuerbaren verursacht wurden, profitiert.

Umgelegt auf eine Kilowattstunde (kWh) würden sich die Mehrkosten im Fall einer Extrapreiszone auf 0,46 Cent belaufen, rechnet die Zeitung vor. Die Summe entspricht der Überschlagsrechnung zufolge bei einem Durchschnitts-Strompreis von 7,4 Cent je kWh einer Preissteigerung von gut sechs Prozent.

2ct/kWh trennen uns vom nächsten Solarboom

Diese 0,46 ct/kWh sind vielleicht der Beginn einer Trendwende. In den letzten Jahren sind die Strompreise in manchen Fällen um 4ct/kWh gefallen, was einige Solarprojekte entsprechend schwieriger darzustellen machte, vor allem, wenn man von konservativen Preissteigerungsraten ausgeht. Nur 2ct/kWh mehr und ich weiß, dass es kein halten mehr gäbe. Das weiß auch die konventionelle Energiewirtschaft. Der niedrige Preis ist nicht zuletzt ein Schutz vor den billigen Erneuerbaren.

Netzparität reicht den meisten Investoren nicht

Also, wir halten fest: Die Solarenergie ist derzeit so günstig wie noch nie zuvor. Wie eingangs erwähnt, bin ich vor 8 Jahren in den Markt gekommen als die Kilowattstunde noch 40 Cent gekostet hat. Wir sind jetzt deutlich unter 10 ct/kWh, aber der Strompreis leider auch. Man könnte auch sagen, „na es muss doch reichen, wenn Solarstrom gleich teuer ist, wie Netzstrom“, also wie in den meisten Fällen 7-8 ct variable Netzstromkosten und 6-7 ct/kWh, aber leider reicht das den meisten Investoren nicht, weil auch Kapitalkosten zu berücksichtigen sind. Schließlich kaufe ich Strom für 25 Jahre im voraus ein. Ich habe dazu schon vor 4 Jahren einen meiner Lieblingsartikel geschrieben, der heute aktueller ist denn je: „Stell dir vor es ist Netzparität und keiner geht hin„.

Was meint ihr? Reicht es gleich billig zu sein, wie die fossilen? Wird eine Steigerung von 2ct/kWh einen unvergleichlichen Boom auslösen? Was muss passieren, dass diese Infos in den Markt kommen und niemand mehr die Solarenergie als teuer bezeichnen kann?

Bild: capicua / photocase.de

 

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin, Speakerin & Autorin. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

2 Comments

  1. Hallo Conny!
    Da steht uns ja einiges bevor!
    Erst die Ölkonzerne und in Zukunft die Elektrizität Versorgung.
    EVN sichert sich mit dem Smart Meter auch alle Optionen, wie zB. Spitzenverbrauch oder online Abschaltung…..
    Bleib mit Deiner Einstellung und Deinem Wissen am Ball und in den Medien!
    LG Gottfried

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