Mr. Energieautarkie im Interview

  • (c) Helmut Knotz

  • Auf meinem Weg durch die Energiewelt treffe ich immer wieder auf spannende Menschen. Hier im Blog habe ich die Möglichkeit diese Menschen noch mehr Menschen zugänglich zu machen. Letztes Jahr habe ich Helmut Knotz kennengelernt. Ein Urgestein der Solarbranche, der sich aber fast acht Jahre vor mir versteckt hatte :) Heute ist er Spezialist in Sachen energieautarke Projekte und den Trends „Energyharvesting“ und „Internet of Things“.

Helmut, erzähl bitte den Lesern kurz deinen Werdegang und wieso du dich auf energieautarke Projekte spezialisiert hast.

Klassische HTL für Elektrotechnik, zum Sammeln von Erfahrung Projektleitung in der Firma meines Vaters. Und ab 1990 selbständiger Bau von Photovoltaiksystemen. Ich bin quasi Solarurgestein ;-) Ich hoffe man sieht es mir nicht an… Seit 5 Jahren intensive Beschäftigung mit „Energy Harvesting“, Internet of Things und semantischen Netzwerken. Ziemlich verrückte technische Mischung, bei genauer Betrachtung ist jedes Thema für sich es schon wert eine Firma zu gründen.

Wir haben uns über den Wohnwaggon kennengelernt. Du bist dort unter anderem das Brain für die Energietechnik. Was war/ist dort deine Aufgabe?

Wohnwagon ist ein Spezial Projekt. Das Ziel ist, Autarkie zu erreichen, wobei wir bei Fläche am Dach, Platz im Unterboden etc. sehr beschränkt sind. Auch wenn es nicht offensichtlich ist, ist Wohnwagon die weltweit erste Photovoltaikanlage auf „Internet of Things“ Basis. Wir halten uns an die offziellen Standards der IETF. Der Vorteil liegt in der näheren Zukunft, wo immer mehr IoT auf den Markt kommen, welche einfach in das Energiemanagmentsystem integriert werden können. Wohnwagon spricht dieses Esperato der Dinge und kann auch mit anderen Wohnwagons verknüpft werden. Das ist dann sinnvoll, wenn lokale Wohnwagone sich gegenseitig überschüssige Energie schicken. Ein anderes Beispiel ist eine Waschmaschine, welche über Photovoltaik gesteuert wird. Ist zu wenig Energie vorhanden, kann man momentan nur den Strom der Zuleitung abschalten, jedoch weiß man nicht, ob die Waschmaschine nach Einschalten des Waschprogramms weiterarbeitet, von Anfang anfängt oder  sich technisch verabschiedet. Bei direkter Kommunikation mit der Photovoltaik-Anlage ist das aber möglich.

Wenn man dich trifft kommt man relativ schnell zum Thema „Energyharvesting“, also „Energieernte“, was bedeutet das genau?

Als Energy Harvesting bezeichnet man die Gewinnung kleiner Mengen von elektrischer Energie aus Quellen wie Umgebungstemperatur, Vibrationen oder Luftströmungen für mobile Geräte mit geringer Leistung. Energy Harvesting vermeidet bei Drahtlostechnologien Einschränkungen durch kabelgebundene Stromversorgung oder Batterien. Das Ziel ist eine batterielose Welt, der Vorteil ist natürlich auch die Wartungsfreiheit von zB Sensoren.

Du hast mich inspiriert die Null-Grenzkosten-Gesellschaft von Jeremy Riffkin zu lesen, da du der Überzeugung bist, dass genau das passieren wird. Was bedeutet das und wie sollte sich die Wirtschaft deiner Meinung nach darauf vorreiten?

Die Zukunftsperspektive ist ja nicht so positiv. Mehr Menschen, weniger Arbeit, knappe Ressourcen, exponentielle technische Innovationsgeschwindigkeit, wobei wir von den meisten Entwicklungen nichts mitbekommen. Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft ist für mich eine mögliche Antwort, Technik positiv zu verwenden und Menschen Werkzeuge für mehr Selbstbestimmung zu geben.

Du arbeitest derzeit an vielen verschiedenen Projekten. Was ist dein Lieblingsprojekt und wo geht die Reise für dich hin?

Momentan arbeiten wir an einer echten „semantischen Energieanalyse“ auf Web 3.0 Basis (RDF). Wir gehen von lokaler, dezentraler, vernetzter Energieverteilung aus. Die Kausalität in der Verteilung von Verbrauchern und Energiequellen ist ein wichtiges Thema, welches uns noch viele Jahre begleiten wird. Ich gehe davon aus, dass Energie in Zukunft fast nichts mehr kosten wird; es geht darum diese gezielt einzusetzen. Das System basiert auf „künstlicher Intelligenz“ und versteht die modellierten Zusammenhänge. Investoren sind willkommen ;-) Gerne würde ich auch das Projekt Energiestab umsetzen, bei welchen du den Stab nur mehr in die Erde steckst, damit Energie erzeugst um Sensoren Tag/Nacht damit zu versorgen.
Sonst bauen wir immer grössere Offgrid Haus-Systeme, welche den Kunden die Sicherheit von hoher Unabhängigkeit gibt.

Zum Schluss die Millionenfrage: Wenn du eine Million zur Verfügung hättest, welches Unternehmen würdest du damit gründen?

Ich fürchte, für meine Ideen ist eine Million zu wenig. Ich würde gerne die weltweit größte Lösungsmaschine bauen.

Aha? Jetzt bin ich neugierig. Was ist denn bitte eine Lösungsmaschine?

Lösungsmaschine basiert auf einer Projektarbeit zu einer meiner Ausbildungen. Wie schafft man es, mit 6 Personen möglichst schnell, kreative Lösungen zu finden, die Wirkung war erstaunlich. Das Konzept heißt „Diskontinuierliche Variabilität“. Ich habe daraus ein Konzept für 100.000 > Leute gemacht.

Wow, ich glaube wir durften gerade einen sehr spannenden Blick in eine mögliche Zukunft werfen. Vielen Dank für diese Einblicke und wer weiß, vielleicht meldet sich ja jemand um deine Lösungsmaschine voranzutreiben.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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