Speicher: ab in den Markt!

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  • Was braucht die Energiewende, um die Schwankungen von Wind und Sonne bei der Erzeugung von Strom und Wärme künftig auszugleichen? Sie braucht Speicher! Ein Gastbeitrag von Energieexperte Roger Hackstock.

Als ich von der weltgrößten Speichermesse Energy Storage in Düsseldorf hörte, machte ich mich auf den Weg um zu erfahren, was es in die Welt der Speicher Neues zu entdecken gibt. „Die Technik ist da, die Geschäftsmodelle sind vorhanden, jetzt geht es um faire Rahmenbedingungen um Speichern am Markt eine Chance zu geben“, war der Tenor der Veranstaltung, die von 15.-17. März 2016 bereits zum 5. Mal stattfand. Die Messe und Konferenz Energy Storage findet jedes Jahr rund um die Welt statt, von Nordamerika über China bis Japan. Zum Abschluss wurde eine Düsseldorfer Erklärung  mit Forderungen an die Politik beschlossen, um die Markteinführung von Speichern zu unterstützen. Die Hauptforderung ist die Änderung der Bestimmung im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), die den Speicher als Letztverbraucher definiert, womit er mit Abgaben und Steuern belastet wird die praktisch jedes Geschäftsmodell vernichten. Zwar gibt es Ausnahmen bei der EEG-Umlage und des Netznutzungsentgelts für Speicher, doch die verbleibenden Abgaben der KWK-Umlage, Ausgleichsenergie usw. machen zusammen immer noch gut 2,5 Cent/kWh aus, wie Helena Teschner vom Bundesverband Energiespeicher e.V. (BVES) vorrechnet. Beklagt wurde auch die generelle Überregulierung des Strommarktes, der auch die Speicher betrifft. „Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat 250 Seiten und die Genehmigungspraxis ist detailliert und kompliziert. Das ist im Vergleich so wie wenn man beim Küchenkauf jede einzelne Herdplatte des Kochherdes bei der Bundesnetzagentur anmelden müsste“, empörte sich Holger Krawinkel von der MVV Energie.

Kurzvideo zur Messe & Konferenz:

 

 

Wie rasch sich das Thema Speicher in den letzten Jahren entwickelte, sieht man an den Messezahlen. Mit 3.000 Besuchern waren doppelt so viele da wie im Jahr davor, auch die 140 Aussteller und 650 Konferenzbesucher waren ein Rekord. Gestartet hat das ganze im Jahr 2012 mit 9 Ausstellern und 300 Besuchern, heute kommen diese aus 54 Ländern. Das Interessante an Energy Storage Europe ist die Ausrichtung auf Industriekunden und Netzbetreiber, der klassische Endkunde spielt hier kaum eine Rolle. Die Tesla Powerwall suchte man hier vergebens, dafür stellten jede Menge Firmen Container-Lösungen für Großspeicher aus. Auf der Messe und bei den Vorträgen der Fachkonferenz wurde viel über Systemintegration gesprochen, wie man die Simulation verbessern und Betriebsweisen optimieren kann und welche Rolle Speicher im Energiesystem der Zukunft einnehmen werden. Die Palette reichte dabei von bekannten Li-Ion Speichern über thermochemische Salzspeicher und Wasserstoff-Speicher bis zu Flywheels (Schwungräder) in schicken grünen Zylindern.

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Mit dem Ausbau von Ökostromanlagen liefern diese immer öfter Überschussstrom, wenn grade starker Wind weht oder die Sonne vom wolkenlosen Himmel lacht. Ob dieser vor Ort im Verteilnetz gespeichert oder übers Übertragungsnetz im ganzen Land verteilt wird ist eine politische Richtungsentscheidung, wie die Referenten der begleitenden Fachkonferenz klarstellten. Diese bestimmt den künftigen Bedarf und damit den Markt für Speicher entscheidend mit, wie die Unternehmer bei jeder Gelegenheit betonten. Dabei werden Speicher in Zukunft nicht nur im Stromsektor zu finden sein, um für Energieausgleich zu sorgen, auch bei Wärme, Mobilität und für Industrieanwendungen werden sie eine prominente Rolle spielen. Bei der Wärme wird Überschussstrom künftig in Gebäudeteilen oder zentralen Speichern im Wärmenetz über Heizstäbe eingespeist werden, oft auch in Verbindung mit Wärmepumpen um den Wirkungsgrad zu erhöhen. Das Thema Moblität wurde bei der Energy Storage nur gestreift, dafür war Power-to-Gas ein großer Schwerpunkt, mit einem ganztägigen Side-Event. Die deutsche Industrie benötigt mehrere Milliarden Wasserstoff pro Jahr als Industrierohstoff, wie man mir am Stand von GP Joule erklärte, die den ersten Power-to-Gas PEM-Elektrolyse Stack bis 1 MW für die Massenfertigung bei der Messe präsentierten. Diese Mengen könnten über Windgas oder Solargas erzeugt und in Zwischenspeichern gelagert werden, statt derzeit mit fossilem Erdgas. Die Kombination der verschiedenen Speichermärkte von Wärme bis Industrie würde die kritische Menge bringen, die es braucht um Energiespeicher wirklich konkurrenzlos billig zu machen, wie in vielen Gesprächen betont wurde.

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Ein Panel mit Vertretern der deutschen Bank, Versicherungen und Investmentfonds stellte die Frage, ob genügend Geld für den Roll-out von Speichern im MW-Bereich am Kapitalmarkt vorhanden ist. „Das Problem ist die nicht die Menge des Geldes, sondern die Risikobedingung. Langfristige Investoren, die sich mit geringern Renditen begnügen, wollen „predictable Cash-Flows“, also stabil vorhersagbare Einnahmen des Speichers, die ein Speicher etwa am Regelenergiemarkt einfach nicht bieten kann“, erklärte Markus Schiffers von SUSI Partners aus der Schweiz. Die Finanziers erklärten, dass Speicher eher einer Konsumgüterlogik als der Investitionsgüterlogik des Kraftwerkbaus folgen, die Anschaffung folgt eher Bedürfnissen und Vorlieben als rein betriebswirtschaftlicher Logik. Für EVU´s sei dies „eine völlig neue Welt, ein Kulturbruch“, wie ein Panelteilnehmer meinte.

Speicher sind der nächste Angelpunkt der Energiewende, der noch heiß umkämpft sein wird, soviel steht fest. Als Koordinator der Speicherinitiative des Klima- und Energiefonds war der Messeausflug für mich ein spannender Ausblick auf die Entwicklungen der nächsten Jahre. Diese könnten rascher kommen, als so mancher vermutet.

Über den Autor

 

Roger Hackstock

DI Roger Hackstock, ist freiberuflicher Energiepolitik-Berater und Autor des 2014 erschienenen Buches „Energiewende – Die Revolution hat schon begonnen.“ Von 2002 bis 2013 war er Geschäftsführer des Branchenverbandes Austria Solar, im Jahr 2012 sorgte er mit dem ersten solaren, nur bei Sonnenlicht sichtbaren Jahresbericht in der Werbebranche für weltweites Aufsehen. Im Jahr 2013 wurde er als Mitglied im europäischen Energiewirtschafts-Think-Tank Energy Academy aufgenommen, seit 2015 leitet er die Speicherinitiative des Klima- und Energiefonds.

Bilder: (c) Roger Hackstock

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. Seit 2012 ist sie Chefredakteurin des von der Ritter Gruppe initiierten Solarthermieblogs Ecoquent-Positions und Mitbegründerin des größten deutschsprachigen Energiebloggerzusammenschlusses www.energieblogger.net. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die größte Einkaufsgemeinschaft für Unternehmen www.tausendundeindach.at und hält laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

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