Alles neu im EEÖ – Präsident Peter Püspök im Interview

  • Die neue Führung im EEÖ: Erwin MAYER, Vorstand; Peter PÜSPÖK, Präsident; Peter MOLNAR, Vorstand;

    Die neue Führung im EEÖ: Erwin MAYER, Vorstand; Peter PÜSPÖK, Präsident; Peter MOLNAR, Vorstand, Bild: EEÖ

  • Ein spannendes Interview mit dem Präsidenten des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich in dem alle Geschäftsführer der einzelnen Erneuerbaren im Vorstand vertreten sind.

Der österreichische Verband EEÖ Erneuerbare Energie Österreich hat sich neu formiert. Ich nehme das zum Anlass alle hier eine Serie mit Interviews der Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder zu starten. Ich werde versuchen mit jedem Vorstandsmitglied ein Interview über die Herausforderungen zu führen.

Ich starte mit Dkfm. Peter Püspök, einem außergewöhnlichen Geschäftsmann, der seit einem Jahr Präsident des Verbandes ist. Als ehemaliges Mitglied der Raiffeisenfamilie (Generaldirektor Raiffeisen-Landesbank NÖ-Wien), und jetziger Windunternehmer passt er besonders gut hier auf den Blog.

Cornelia Daniel: Wie kam es eigentlich dazu, dass du Präsident des Verbandes EEÖ wurdest?

Peter Püspök: Mein Bruder hat in den letzten 20 Jahren ein Windkraftunternehmen in unserer Heimat im Burgenland aufgebaut. Dadurch beschäftige ich mich schon lange mit den Themen der Erneuerbaren Energie, auch in meiner Bankfunktion. Vor etwas mehr als einem Jahr hat mich mein geschätzter Freund Sepp Plank angerufen und mir vorgeschlagen sein Nachfolger zu werden. Nach anfänglichem Zögern habe ich mich von mehreren Menschen überreden lassen. Heute bin ich sehr froh, dass ich an dieser Stelle für die Erneuerbaren kämpfen darf.

Der Verband hatte es bei seiner Gründung nicht so leicht, weil auch die Erneuerbaren unter sich nicht immer einer Meinung sind und der Verband die Brücke zwischen den neuen Technologien schlagen soll. Hat sich hier mittlerweile ein gemeinsames Bild entwickelt, bzw. was braucht es dazu noch?

Peter Püspök: Im Vordergrund steht das gemeinsame Anliegen die dringend notwendige Energiewende voranzutreiben. Wir alle bei den Erneuerbaren Energien sind ja vor allem begeisterte Klimaschützer. Die Differenzen sind im Verhältnis zu unserem Kernanliegen,ein neues Energiesystem zu schaffen, relativ gering. Wenn es zu unterschiedlichen Interessen kommt, dann werden die außerhalb unseres Verbandes ausgetragen. Zu verbessern gibt es immer etwas, bei uns kann sicher die Kommunikation unter den Mitgliedern noch verbessert werden.

Was werden die Schwerpunkte mit der neuen Führung sein?

Peter Püspök: Mir ist es sehr wichtig immer wieder die Dramatik der Bedrohung durch den Klimawandel herauszustreichen, denn das ist ja die Motivation für unsere Arbeit. Konkret werden wir an der Erarbeitung einer Klima- und Energiestrategie mitarbeiten und uns vor allem bei einem Ökostromgesetz neu einbringen.

Die überraschende Neubestellung der E-Control Vorstände hat jetzt auch neue regulative Möglichkeiten geschaffen. Wie schätzt du die neue Spitze ein?

Peter Püspök: Da ich die beiden Herren nicht kenne haben sie bei mir jedenfalls einen Vertrauensvorschuss.

In Paris wurden große Worte geschwungen. Wie ist die derzeitige Regierung aufgestellt, um den Worten Taten folgen zu lassen?

Peter Püspök: Da erwarten wir uns in diesem und nächsten Jahr schon noch einen Sprung nach vorne, denn das Klima kann nicht warten bis nach der nächsten Wahl eine neue Regierung vielleicht im Jahr 2019 tätig wird. Es wird aber einige Überzeugungskunst brauchen um eine gute Lösung zustande zu bringen.

Der Deckel, welcher der Ökostromausbau in Österreich behindert und Millionen Investments verhindert ist nach wie vor ein Problem. Wie stehen die Chancen für ein völlig neues Ökostromgesetz, bzw. was hat der EEÖ in dieser Angelegenheit vor?

Peter Püspök: Die Erarbeitung eines neuen Ökostromgesetzes ist derzeit unsere Hauptpriorität. Wir sammeln jetzt die Positionen unserer Mitglieder und wollen sie dann abstimmen und einen gemeinsamen Vorschlag präsentieren. Dass der Deckel wesentlich erhöht werden muß ist klar. Persönlich glaube ich, dass die Chancen für ein neues Ökostromgesetz durchaus gegeben sind.

Dauerbrenner ökologische Steuerreform. Warum geht in dieser Angelegenheit so gar nichts weiter, obwohl es die logischste aller Schritte wäre? Welche Mächte haben hier so viel dagegen?

Peter Püspök: Da man leider nicht den Mut hatte schon in die letzte Steuerreform die Notwendigkeiten des Klimaschutzes einzubauen müssen wir auf die nächste Reform warten. Die größten Bedenkenträger sind Teile der Wirtschaft, die fürchten durch erhöhte Energiekosten einen Wettbewerbsnachteil zu haben. Diese Kräfte haben das Motto ausgegeben: nur im europäischen Gleichklang! Dabei zeigen einige erfolgreiche Länder wie Schweden oder die Schweiz oder Großbritannien vor, dass man mit Einzellösungen sehr gut vorankommen kann. Meine Hoffnung ist die Diskussion zur geplanten Klima- und Energiestrategie, in der wir der Wirtschaft klar machen wollen, dass unser Modell der CO2-Abgabe die Wirtschaft nicht belastet, aber große Chancen für unsere Umweltindustrie bringt.

Die meisten Diskussionen bei Erneuerbaren Energien drehen sich um Strom, dabei darf auch die Wärmewende nicht vergessen werden. Wie wird der EEÖ versuchen diese Lücke zu schließen?

Peter Püspök: Ohne Wärmewende gibt es keinen erfolgreichen Klimaschutz. In der Klima- und Energiestrategie muss dieses Thema einen ganz prominenten Platz haben. Besonders herausfordernd ist die Wärmewende in den Städten, das haben wir bei der von uns mitveranstalteten Tagung zur städtischen Wärmewende vor ein paar Wochen gesehen.

Am Schluss meiner Interviews frage ich immer gerne nach dem Wunsch an die gute Fee. Was müsste passierten, damit Österreich wieder zum Vorreiterland in Sachen Umwelttechnologien wird und diese nicht nur im Ausland, sondern auch im Inland verkaufen kann?

Peter Püspök: Ich wünsche mir, dass der Klimaschutz einer überwältigenden Mehrheit der Österreicher vom Hirn ins Herz  geht, sodass die Politik nicht mehr daran vorbeikann das gewaltige Potential Österreichs zum Umwelt- , Klimaschutz- und Energiemusterland nicht nur Europas, sondern weltweit, zu machen.

Über den Autor

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. Seit 2012 ist sie Chefredakteurin des von der Ritter Gruppe initiierten Solarthermieblogs Ecoquent-Positions und Mitbegründerin des größten deutschsprachigen Energiebloggerzusammenschlusses www.energieblogger.net. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die größte Einkaufsgemeinschaft für Unternehmen www.tausendundeindach.at und hält laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

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