Solarthermie kann Klimaverfehlungen Österreichs kompensieren

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    (c) Austria Solar

  • Das solarthermische Potenzial in Österreich ist gigangtisch. Es könnte sogar dabei helfen die Klimaziele, die unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht erfüllbar sind, zu erreichen.

Nachdem wir hier mit einigen Experten über Paris gesprochen haben und Wifo Chef Aiginger hier das Ölverbot verlangt und Global 2000 Geschäftsführerin Leonore Gewessler vor allem die Notwendigkeit von raschen Handlungen verlangt, geht es hier weiter mit konkreten Ideen für unsere Regierung, wie sie ihren Verpflichtungen, die sie übrigens schon jetzt nicht einhalten, nachkommen können.

Nachdem ich hier schon einmal das riesige Photovoltaikpotenzial in eine Infografik verpacken hab lassen, habe ich im Vorfeld von Paris für den Solarthermieverband Austria Solar ein wenig zu Kyoto recherchiert und mir mal angeschaut wie wir in dieser Angelegenheit eigentlich dastehen. Abgesehen davon, dass die Datenlage mal wieder katastrophal ist und unser Versagen erst irgendwann dieses Jahr offiziell gemacht wird, haben mich die Ergebnisse doch überrascht. Gleichzeitig habe ich mir angesehen, wie wir aus dem Dilemma finden und doch noch den Turnaround schaffen könnten. Das Ergebnis seht ihr hier in Form einer Infografik, die vom Jungunternehmer Michael Ruthensteiner erstellt wurde. Vielen Dank an ruvi und Austria Solar, dass wir die Grafik verwenden dürfen.

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 2,2 Mio. Tonnen fehlen bereits für das Kyoto Ziel

Bei all dem Trubel der um Paris gemacht wurde, wird gerne vergessen, dass bis 2020 noch die Kyoto Ziele erfüllt werden müssen. Erst dann wird das Pariser Abkommen relevant. Österreich hat sich dabei verpflichtet die Treibhausgasemissionen um 20% im Vergleich zum damaligen Basisjahr 1990 zu senken. Was wenige wissen: Das erste Zwischenziel wurde um Längen verfehlt. Statt der anvisierten 68,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalent waren es 2013 noch 80,2 Millionen Tonnen. Österreich muss für diese Verfehlung voraussichtlich 500 Millionen Euro nachzahlen.

2020 Ziele mit aktuellen Maßnahmen nicht erreichbar

Dank einer Umstellung der Berechnungsmethode sieht es für 2020 für die Maßnahmen außerhalb des Emissionshandels nicht ganz so düster aus. Trotzdem fehlen laut dem aktuellen Klimaschutzbericht des Umweltbundesamtes beim Szenario „mit bestehenden Maßnahmen“ 2,2 Millionen Tonnen CO2 Einsparungen im Jahr 2020.

Solarthermie kann 50% der Verfehlung kompensieren

Und hier kommt endlich die gute Nachricht. Mit solarthermischen Anlagen könnten 50% der Verfehlungen kompensiert werden. Für die Potenzialanalyse habe ich verschiedene Studien herangezogen. Einerseits die Energieautarkiestudie vom Lebensministerium und andererseits die Solarwärme Roadmap 2025.  Theoretisch wäre bis 2020 eine Verdopplung der derzeit installierten Kapazitäten nötig. Das würde jedoch bedeuten, dass wir richtig Gas geben müssten.

  • Derzeit installiert: 7 PJ oder 5 Mio. Quadratmeter
  • Bis 2020 nötig: Nochmals 5 Mio. Quadratmeter oder anders gesagt: Mehr als 1 Mio. Quadratmeter/Jahr
  • Bis 2050 möglich: 75 PJ oder 52 Mio. Quadratmeter

Ausbau muss sich verfünffachen

Das sind schon gewaltige Zahlen, vor allem wenn man sich ansieht, wie sich die Branche in den letzten Jahren entwickelt hat. Waren es in den besten Jahren noch 350.000 Quadratmeter pro Jahr, sind es jetzt nur mehr schwache 200.000 Quadratmeter. Ich glaube aber wirklich, dass sich das mit einer echten Wärmeoffensive machen lässt. Man muss eben wie so oft nur wollen. Es hat nämlich vor allem extreme Auswirkungen auf die inländische Wertschöpfung und von den geschaffenen Arbeitsplätzen will ich gar nicht mal anfangen.

Inländische Wertschöpfung von 5 Milliarden Euro

Wenn wir das anpacken, kann eine inländische Wertschöpfung von satten 5 Milliarden ausgelöst werden und wir machen uns ein Stück weit unabhängiger von all den tollen, verlässlichen Regionen der Welt, die noch Krieg um das schwarzes Gold führen. Die Verdopplung der Kapazitäten auf 13,5 PJ bis 2020 kann also wirklich etwas großes auslösen. Packen wir es an.

Bilder: Quelle: Austria Solar/ruvi

 
Über den Autor

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. Seit 2012 ist sie Chefredakteurin des von der Ritter Gruppe initiierten Solarthermieblogs Ecoquent-Positions und Mitbegründerin des größten deutschsprachigen Energiebloggerzusammenschlusses www.energieblogger.net. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die größte Einkaufsgemeinschaft für Unternehmen www.tausendundeindach.at und hält laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

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