Interview: Was müsste passieren, damit Mateschitz ein Solarunternehmen gründet?

  • Viilukas

    Gregor Viilukas von G-E-D

  • Diese Frage habe ich Projektentwickler Gregor Viilukas unter anderem gestellt. Er musste sein Solargeschäft von Österreich in die USA verlegen.
    Unser letzter Artikel zum Thema Ölheizungsverbot hat einigen Wirbel erzeugt. Unter anderem ein emotionaler Kommentar von Gregor Viilukas von der GED Green Energy Development GmbH einem Projektentwickler im PV-Bereich, der bereits leidvoll miterleben musste, wie die österreichische Energiepolitik jene Unternehmen, die sich für grüne Energien einsetzen das Leben schwer machen kann.

Heute spreche ich mit ihm, warum er in Österreich sein Geschäft aufgegeben hat und was uns die USA voraus haben damit Milliardäre wie Elon Musk investieren.

Gregor, du hast in deinem Kommentar geschrieben, dass du alles was Energiepolitik in Österreich betrifft als Heuchelei empfindest, welche Erfahrungen hast du gemacht?

Das Problem in Österreich ist mehrfach ausgeprägt, da wir ein System haben, indem einfach immer wieder Interessen aufeinander prallen, sei es im Bereich Netzbetreiber, oder Stromlieferanten, oder Finanzierungen, oder Förderungen, oder….

Es fehlt an Mut, an Innovation und vor allem an Bereitschaft, dass Unternehmen – die privat und nicht im Einflussbereich der Politik sind – im kommerziellen Sinn von PV oder Windanlagen aktiv werden können. Es ist natürlich nicht leicht, wenn man einerseits mit dem Netzbetreiber über Anschlussmöglichkeiten verhandelt, während dieser zeitgleich in einem Konkurrenzverhältnis als Stromproduzent steht – eine Situation die zwangsweise in der einen oder anderen Art zu Interessenskonflikten führen kann.

Gerade der Alternativenergiebereich böte die Möglichkeit in Österreich rund 50.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen – stattdessen habe ich ALLE meine Arbeitsplätze in Österreich, die ich bereits geschafft hatte, wieder abgeschafft…… zu groß waren die Hürden. Letztendlich gibt’s mich in der WKO gar nicht – weil als Projektentwickler in der Photovoltaik man ja Installateur oder Elektriker sein muss, was ja eigentlich nicht sehr zielführend ist…. In allen anderen europäischen Staaten ist der Projektentwickler auch ohne der Ausbildung Installateur – Elektriker problemlos möglich, weil ich als Entwickler die Verantwortung trage, die richtigen Seile zu verknüpfen – somit ist es keine Einsteinarbeit die es zu verrichten gilt, sondern Logik und das Abarbeiten von einzelnen Punkte einer Checkliste, die ein gemeinsames Ganzes ergeben….. sowas gibt’s in Österreich nicht.

Du engagierst dich jetzt mehr in den USA. Was machst du dort und was läuft dort anders?

Ich habe in den USA ein Joint Venture mit einem internationalen Key Player am Alternativenergiemarkt, sowie einem amerikanischen Partner abgeschlossen um in Kalifornien zweierlei zu machen: 1.) Bauen wir eine neue 1 GW Transmission Line über 100 Meilen (das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist mehr als begrenzt) und 2.) werden wir 1.5 GW PV und Storage in 15 kleinen 100 MW Anlagen entwickeln, bauen und ans Netz bringen.

Ich muss schmunzeln… 15 „kleine“ 100 MW Anlagen… In ganz Österreich werden pro Jahr nichtmal 200 MW installiert. In den USA scheint die Post abzugehen?

Ja. Die USA ist wild entschlossen, etwas zu ändern. Das geht soweit, dass bis in die kleinsten Gemeinden im Jahre 2030 fünfzig Prozent der Energie aus alternativen Quellen kommen müssen. Der Strompreis per se ist in Amerika nicht sehr billig, damit hat man gegenüber Österreich zB einen Vorteil, da mit normalen Preisen schon recht ansprechende Projekte / Renditen möglich sind. Darüber hinaus gibt es den sogenannten ITC Tax Credit, der nachhaltiges Investment des Staates in die Änderung der Energiequellen bedeutet und sinnvoller ist, als alle politikabhängigen Fördermöglichkeiten wie in Österreich, wo der Topf am 2.1 leer ist, oder Tschechien, wo für drei Jahre rückwirkend eine Steuer von 25% eingeführt wurde und viele Firmen in den Konkurs trieb, oder Rumänien, wo das System der Grünen Zertifikate durch die Politik komplett zerstört wurde, oder oder oder …. Die Liste ist zu lange.

Der Tax Credit klingt für mich tausend mal sinnvoller als unser 15 verschiedenen Förderungen. Wie funktioniert dieser genau?

Sehr vereinfacht gesprochen funktioniert der Investment Tax Credit so, dass man über einen Zeitraum X (von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich) einen Prozentsatz Y an Steuern NICHT an den Staat abführen muss. In unserem konkreten Fall haben wir für den PV Bereich 30% auf 5 Jahre, sowie im Storagebereich 10% auf 5 Jahre Steuererleichterung. Durchgerechnet ergibt das pro Projekt eine steuerliche Ersparnis von bis zu 5 Mio. USD per anno pro Anlage. Um es einfach zu erläutern: Man bekommt einen Teil seiner Steuern „erlassen“, ergo müssen sie nicht gezahlt werden. Diesen ITC bekommt man zB in Kalifornien nur dann, wenn Produkte aus den USA verwendet werden – somit ist dieser ITC auch eine Stützung des Arbeitsmarktes, weil dieses Kapital für den Ankauf von Paneelen, Wechselrichter, etc nicht nach zB China abfließt, sondern in den USA bleibt. Ein weiterer positiver Effekt waren rund 125.000 Arbeitsplätze, die durch den Tax Credit indirekt geschaffen wurden. Der Teil, der normalerweise an Kapital für Steuern zur Seite gelegt werden müsste, kann zusätzlich investiert werden. Somit eine Win-Win-Win Situation.

Könnte man so etwas auch in Österreich einführen? Was bräuchte es dazu?

Man könnte das in Österreich einführen, nur benötigt man dafür zwei wesentliche Punkte: Mut und Weitblick. Beide Punkte werden in Österreich aufgrund verschiedener, nicht vereinbarer politischer Meinungsdifferenzen kaum zusammen auftreten, da viel zu viele Köche den Brei verderben – da reden sehr viele Entscheidungsträger mit, allesamt aus rein ideologischer Interessenssichtweise, womit Ergebnisse erschwert werden, was natürlich sehr schade ist. Da Amerika in diesem Punkt durchaus strikter geführt wird, sind Entscheidungswege direkter, da die Gouvernors in der Regel die Gesetze brav umsetzen – nicht immer ohne Gegenwind, aber demokratische Beschlüsse werden akzeptiert. In Österreich muss das durch die Landeshauptleutekonferenz, die Gewerkschaften, die Kammern, die Parteien, etc….. da fällt es nicht leicht, an das berühmte „Positive“ zu glauben, wenn so komplett unterschiedliche Ansichten eine mutige, mit Weitblick versehene Entscheidung treffen müssen. Die aktuellen politischen Entwicklungen zeigen ja recht klar die Komplexität von Meinungsprozessen, wo sogar Parteien intern so verschiedenartig denken und durchaus auch streiten, dass damit ja der Fortschritt, der gerade im Energiebereich so wichtig wäre, noch härter und mühevoller zu erreichen ist.

Was müsste in Österreich passieren, dass zB. Ein Didi Mateschitz nach dem Vorbild von Elon Musk Millionen in ein Solar City-ähnliches Projekt investiert?

Elon Musk hat in den USA einfach ganz andere Möglichkeiten, etwas zu entwickeln. Wenn man sich die Geschichte von ihm ansieht, diese mit Didi Mateschitz vergleicht, so war zB Musk als Investor und Firmengründer willkommen. Er gründete mit X.com und paypal zwei erfolgreiche Unternehmen, verkaufte paypal um 1.5 Mrd USD an ebay und reinvestierte seinen Erlös zu guten Teilen in das Unternehmen Solar City, das er mit seinen Cousins gründete.

Didi Mateschitz tat sich anfänglich auch schwer, selbst Red Bull wurde am Anfang nicht mit wehenden Fahnen begrüßt – dh die Startgeschichte zwischen Didi Mateschitz als Unternehmer und dem Standort Österreich war nicht unbedingt friktionsfrei. Österreich bietet durch diverse Kammern und Regulierungen einfach einen Standort, der Innovation nicht unbedingt unterstützt. Wer innovativ ist, wird Österreich verlassen müssen – zB im naturwissenschaftlichen Bereich kehren viele Wissenschaftler Österreich den Rücken und das ist so schade, weil die Arbeitskräfte in Österreich definitiv verlässlich sind. Der ehemalige ÖVP Vorsitzende Dr. Michael Spindelegger hatte ja die Ambition, die österr. Wirtschaft zu entfesseln – da waren viele mutige Ideen dabei. Leider war die Umsetzung nicht möglich. Der Standort Österreich böte grundsätzlich optimale Bedingungen in Sachen Arbeitskräfte und Produktivität, aber als Unternehmer hat man es wirklich nicht leicht.

Ich bleibe hartnäckig. Was müsste also passieren, dass ein Didi Mateschitz in Österreich trotzdem Solar City startet?

Da müsste vor allem einmal das komplette Gesetz im Energiebereich neu geschrieben werden und den Notwendigkeiten des 21.Jahrhundert angepasst werden. Darüber hinaus muss es Anreize geben für Investoren, dass sie ihr Geld in Österreich investieren – diese Grundhaltung in Österreich, die jetzt auch mit der Registrierkassa passiert ist, dass jeder Unternehmer sowieso ein Steuerhinterzieher ist, bietet keinen Anreiz. Der Tax Credit in den USA ist mEn ein absoluter Anreiz, dass man in Amerika investiert – wieso holen wir diese Regelung nicht nach Österreich?

Im Moment sind alle Visionen im Energiebereich mit einem Zitat Nestroys zu erklären, mit dem ich abschließen möchte:

Gute Vorsätze sind grüne Früchte, die abfallen, ehe sie reif sind…… hoffentlich werden unsere guten Vorsätze reif, bevor sie abfallen…..

Vielen Dank Gregor für die klaren Worte. Vielleicht lesen das ja die richtigen Menschen und es bewegt sich was in dem viel zu starren System.

Bild: (c) Solarcity Anlage auf Walmart in den USA/Buckeye

 
Über den Autor

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. Seit 2012 ist sie Chefredakteurin des von der Ritter Gruppe initiierten Solarthermieblogs Ecoquent-Positions und Mitbegründerin des größten deutschsprachigen Energiebloggerzusammenschlusses www.energieblogger.net. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die größte Einkaufsgemeinschaft für Unternehmen www.tausendundeindach.at und hält laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

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