Mehr Mut tut gut!

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  • Bitte keine Endzeitstimmung zum Jahreswechsel!

Der Dezember ist traditionell die Zeit der Jahresrückblicke – manchmal unterhaltsam, manchmal melancholisch, oft aber auch frustrierend. Und auch in der Vorausschau sind wir Österreicherinnen und Österreicher tendenziell pessimistisch. Bei der Silvesterumfrage des IMAS im vergangenen Jahr waren die Optimisten mit 41 % in der Minderheit. Die Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher ging damals pessimistisch ins neue Jahr. Sorgen machen den Menschen die allgemeine wirtschaftliche Lage, Teuerungen und Angst um den Arbeitsplatz. Das war auch die Zeit, als Wutbürger und Wut-Omas in den Medien herumgereicht wurden. Das Bild wird sich auch bei der diesjährigen Umfrage nicht maßgeblich verändern. Beim Raunzen sind wir Weltmeister. Raunzen, jammern, motschkern, seiern, sudern, die Österreicher haben einen reichen Wortschatz, wenn es darum geht, Unzulänglichkeiten festzustellen und Unzufriedenheiten auszudrücken. Das zeigt, wie sehr dieses Gejammer unsere kollektive Identität prägt.

Vielleicht sollten wir uns aber für das kommende Jahr vornehmen, mit ein bisschen mehr Mut in die Zukunft zu sehen. Mut können wir nämlich noch mehr gebrauchen. Mut zur Veränderung, Mut zur Initiative, Mut zum Handanlegen, damit diese Veränderungen gelingen. Weil vom Motschkern allein wird sich nichts ändern.

Derzeit blockieren wir uns nicht nur gegenseitig, sondern vor allem unsere Zukunft. Die großen Herausforderungen unserer Zeit können wir nicht aussitzen. Sie werden sich auch nicht in Luft auflösen, nur weil wir lange genug darauf warten. Es steht viel auf dem Spiel. Nicht nur Handeln hat Konsequenzen, auch Nicht-Handeln hat Auswirkungen. Vielleicht nicht für uns, aber sicher für die, die nach uns kommen. Unsere Vision für ein besseres Morgen ist die Ökosoziale Marktwirtschaft, die im Vorjahr ihren 25. Geburtstag gefeiert hat und die es geschafft hat, die Ökologie auf den Tisch der Entscheidungsträger zu bringen.

Vor Kurzem haben wir ein Buch mit dem Titel „Wer sich bewegt, verliert nicht“ herausgegeben. Wir stellen darin aktuelle gesellschaftliche Problemfelder zur Diskussion und haben interessante Menschen gebeten, mögliche Lösungswege mit uns zu teilen. Denn wir brauchen eine faktenbasierte Politik und keine Verdrängung der Realität. In unserem Buch geht es neben Selbstverantwortung und Mündigkeit auch um Entideologisierung und Verantwortung. Im Buch finden sich u. a. Beiträge von Veit Dengler, Josef Riegler, Notker Wolf, Clemens Sedmak, Elisabeth Köstinger, Franz Schellhorn, Heini Staudinger, Stephan Pernkopf, Christiane Spiel und Winfried Pingerra. Sie zeigen, dass nicht alles schlecht ist, auch wenn es Veränderungsbedarf gibt. Aber nur ein mutiger Blick nach vorn wird uns helfen, die Herausforderungen in den Griff zu bekommen. Wer immer nur nach hinten schaut, wird seine Ziele aus den Augen verlieren.

In diesem Sinn: Blicken wir nach vorn. Nicht – wie derzeit sehr oft – zurück (in Zorn, wie in dem gleichnamigen Stück des britischen Dramatikers John Osborne). Und wünschen uns nicht nur alles Gute zum neuen Jahr, sondern tragen wir unser Schäuflein dazu auch bei. Mit der Bereitschaft, sich für Veränderungen in einem positiven Sinn zu engagieren.

 
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Über den Autor

Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

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