COP 21 – Was bleibt?

  • (c) COP

  • Am 12.12. 2015 um 19 Uhr 24 besiegelte der Hammerschlag des Konferenzpräsidenten Laurent Fabius die COP 21 in Paris. Entgegen (fast) aller Erwartungen wurde damit erstmals ein Welt-Klimavertrag vereinbart. Es sei hier nochmals festgehalten, dass sich alle Staaten der Erde auf das gemeinsame Ziel – die Erderwärmung auf 2, besser 1,5 °C zu begrenzen – geeinigt haben. Die Bewertungen reichten von „historisches Ereignis“ über „das Beste, das eben möglich war“ bis hin zu „kein großer Wurf“, „unrealistisch und zahnlos“ oder „niemals umsetzbar”. Eine erste Einschätzung spricht ganz klar für die erste Bewertung.

Energiewende wurde fixiert, das Wettrennen hat begonnen. Mit der Grundsatzentscheidung der Weltgemeinschaft wurde der Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung beschlossen. Selbst kaum vermeidbare Emissionen aus den Bereichen Industrie und Landwirtschaft müssen bis zum Ende des Jahrhunderts durch Senken (Maßnahmen wie Aufforstungen, Revitalisierung von Mooren, etc.) ausgeglichen werden.  Die Umsätze des fossilen Energiesystems werden in Zukunft mit erneuerbaren Energien gemacht. Die Möglichkeiten, die sich für unsere Wirtschaft mit dem Umbau unseres und des weltweiten Energiesystems ergeben, sind kaum überschaubar. Der im Klimavertrag festgeschriebene Zeitpunkt und die fehlenden Sanktionsmöglichkeit sind daher weniger bedeutend als vielfach diskutiert. Wer glaubt, diese Umbrüche werden langsam vonstattengehen übersieht in welcher Zeit wir Leben. Der Wettlauf um Technologieführerschaft und Marktanteile hat bereits begonnen. Die Forst- und Landwirtschaft wird massiv aufgewertet, da ein Gutteil der Energie in Zukunft von land- und forstwirtschaftlichen Flächen stammen wird und dringend notwendige Senkenwirkungen der Flächen und Bestände nur durch eine nachhaltige Bewirtschaftung erhalten werden kann.

Zukunftsinvestitionen anstatt fossile Energien. Zur Erreichung des CO2-Zieles müssen weltweit mehr als ein Drittel der Ölreserven, die Hälfte der Gasreserven und über 80 % der Kohlereserven ungenutzt bleiben.  Da die Bewertung vieler Energiekonzerne maßgeblich von den zur Verfügung stehenden Reserven abhängen, werden Investitionen ins fossile Energiesystem zum Risiko – Investitionen in erneuerbare Energien und Klimaschutz zum Mainstream. Die Familie Rockefeller, deren Reichtum auf der Förderung von Erdöl beruht, der norwegische Pensionsfonds oder die Allianz – allesamt große Player auf den internationalen Finanzmärkten – verlagern Kapital aus fossilen Investitionen in Richtung nachhaltigere Investments (Devestmentbewegung). Eine aktuelle US-Studie (Arabella Advisors, 2015) kommt zum Schluss, das sich bereits 436 institutionelle und tausende private Anleger, die ein Gesamtvolumen von 2,6 Bio. USD repräsentieren, dazu bekannt haben, sich aus Investitionen in fossiler Energie zurückzuziehen.  Finanzinstitutionen arbeiten an ökologisch nachhaltigen Finanzprodukten und eröffnen damit einen neuen Markt für Green Investments. Durch die Entscheidung in Paris werden sich diese Entwicklungen massiv verstärken.

Österreich, Schlusslicht mit großem Potential. Österreich hat aufgrund seines relativ hohen Anteils an erneuerbaren Energien und dem damit verbundenen Know-how eine hervorragende Ausgangssituation, um am weltweiten Umbau des Energiesystems zu partizipieren. Wir können es uns aber nicht mehr leisten, die Energiewende und Klimaschutz nur mit angezogener Handbremse umzusetzen. Bei den derzeitigen Zubau-Zielen für Erneuerbare ist man EU-weit auf Platz fünf, von hinten zu zählen begonnen. Während in den meisten europäischen Ländern die CO2-Emissionen pro Kopf fallen, sind sie in Österreich auf über 8 t CO2 pro Kopf angestiegen. Damit ist Österreich eines der Schlusslichter im Klimaschutz. Eine integrierte Klima- und Energiestrategie mit klaren Zielen ist das Gebot der Stunde, um weltweit nicht ins Hintertreffen zu gelangen. Umso ambitionierter die Ziele umso höher wird unser Wettbewerbsvorteil in Industrie, Forschung und Entwicklung sein, verringerte Importabhängigkeit, Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung und Standortsicherheit gibt´s selbstverständlich dazu.

Stimmen rund um die Konferenz.
Bundeskanzler Werner Faymann: „… Already today, Austria has a 80% share of renewables in electricity production. We want to further increase this share to 100% by 2030. That would mean that by 2030, we would not use fossil fuels for producing electricity anymore. …“
Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner: „… Zur Anregung von WIFO-Chef Karl Aiginger im “Kurier”, wonach in Neubauten keine Öl- oder Gasheizungen mehr eingebaut werden sollen, appellierte Mitterlehner für Zurückhaltung. Derartige Pläne könnten nicht von heute auf morgen umgesetzt werden, gab er zu bedenken. Langfristig hätten diese Heizungsformen aber wohl keine Zukunft. …“
Umwelt- und Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter: „… Wir brauchen eine Dekarbonisierungsstrategie und einen völligen Ausstieg aus den Fossilen bis zur Mitte des Jahrhunderts, 2030 soll bereits die Stromversorgung zu 100 % aus Erneuerbaren Energieträgern erfolgen. …“
„… Beim Endenergieverbrauch, denke ich, sind 50 % realistisch. …
Österreichischer Gewerkschaftsbund (ÖGB): „Klimaschutzpaket: Öffis ausbauen, Energiewende vorantreiben, Arbeit gerechter verteilen“
SPÖ Parlamentsklub „… Wir SozialdemokratInnen haben uns in den Verhandlungen dafür eingesetzt, den Übergang zu einer ökologisch sauberen Energiewirtschaft mit erneuerbarer Energie zu schaffen. Diese muss nachhaltig sein und spürbare Kostenersparnis für die Bürgerinnen und Bürger bringen. …“

 
Über den Autor

Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *