Divestment ist an der Wall Street angekommen

  • Wall Street Divestment

  • Divestment in Finance war der Titel des Symposiums in New York. Eine hochkarätige Runde ließ aufhorchen.

Ich war im Oktober in New York eingeladen um an einem Symposium mit dem vielversprechenden Titel: „Divestment in Finance“ teilzunehmen und ich kann nur sagen: Es hat sich sowas von gelohnt!!

Wer hier regelmäßig mitliest, weiß bereits was Divestment bedeutet. Für alle anderen hier nochmal ein Zitat von Georg Guensberg mit dem ich hier schon darüber gesprochen haben.

Divestment ist vereinfacht gesagt das Gegenteil von Investment. Im Fall von „Fossil Divestment“ geht es also darum, Geld bzw. Vermögen, das über den Kapitalmarkt in die Ausbeutung fossiler Energiereserven fließt, von dort abzuziehen und idealerweise geht dies auch gleich mit dem Schritt einher, Kapital anstatt in Kohle, Öl und Gas in Clean Energy zu stecken.

Die Veranstaltung wurde vom Ecologic Institute in Kooperation mit dem Deutschen Konsulat in New York und der Transatlantic Climate Bridge organisiert und fand quasi direkt an der Wall Street statt. Was mich an der Veranstaltung am meisten beeindruckt hat, war das ausgesprochen hochkarätige Panel. Das Thema scheint also auch in New York an höchster Stelle angekommen zu sein. Diese Personen sollten sich alle merken, die mit dem Thema zu tun haben:

  • Erika Karp: CEO von Cornerstone Capital Inc
  • Robert Haßler: CEO oekom research AG
  • Bob Litterman: Gründer und Chairman von Kepos Capital und 23 Jahre Erfahrung bei Goldman. Sachs & Co.
  • Gary Hattem: Deutsche Bank Americas Foundation
  • R. Andres Kraemer: Director Emeritut Ecologic Institute Berlin

„Es müssen nicht Milliarden, sondern Billionen bewegt werden“

Die erste Keynote des Abends hielt eine sehr starke und beindruckende Frau. Erika Karp von Cornerstone Capital, einem echt großen Fisch im Haifischbecken. Man merkt, dass sie für das Thema nachhaltige Investments brennt, wenn auch auf eine absolut US-amerikanische Weise. Hier einige der Kernaussagen:

„Finance can be magic if we do it right“ –  „Now is the time to fix capitalism“

Sie ist eine absolute Verfechterin des Kapitalismus und ist der Meinung, dass die Probleme der Menschheit, die durch einen falsch angewandten Kapitalismus entstanden sind, durch einen richtig angewandten auch gelöst werden können. Die Gelder müssen nur in die richtige Richtung gelenkt werden. Man muss sich auch bewusst sein, dass die 6 Billionen, die im alten System stecken auch teilweise verlorenes Kapital sind und ab jetzt mindestens 1,5 Billionen (1.5 trillion) pro Jahr!! in das neue System fließen müssen.

„Time is now for Corporate Excellence instead of Corporate Sustainability“

Wer sich mit Corporate Sustainability schon mal auseinandergesetzt hat, weiß was hinter dieser Aussage steckt, der ich nur beipflichten kann. Um in allen drei Bereichen der Nachhaltigkeit (Sozial, Ökonomisch, Ökologisch) Bestnoten zu bekommen, bedarf es nicht nur eines Nachhaltigkeitsberichtes, sondern unternehmerische Exzellenz. Nur strategisch wirklich gut aufgestellte Unternehmen, können in diese Liga aufsteigen. Sie sind es auch, die aus den schwierigen Zeiten in denen wir uns befinden, als Sieger hervorgehen können.

„Big Data is about turning noise into data“

Für mich sehr spannend war, wie viel Bedeutung Erika Karp dem Thema Big Data zugeschrieben hat. Ich kann ihr auch hier nur wirklich beipflichten. Im Energiebereich sind wir weltweit wohl eher noch auf dem Datenniveau von den 80er Jahren. Es gibt zwar viele – nein viel zu viele Informationen, aber noch keine echten Systeme um all die Informationen, die mit ohrenbetäubender Lautstärke auf uns einprasseln, in echte und nutzbare Daten zu verwandeln. Hier steht noch ein echter Paradigmenwechsel vor der Tür und Unternehmen, die diese Daten beherrschen, werden ebenfalls zu den Siegern gehören.

„We are not pricing this right“ – Es führt kein Weg an einem CO2 Preis vorbei

Eine der für mich wichtigsten Aussagen des Abends kam aber von Bob Litterman. Anscheinend einer DER Finanzgurus unserer Zeit und vor allem bekannt für seine Arbeit im Risikomanagement. Den Finanzlern unter den Lesern sagt vielleicht das Black-Litterman Global Asset Allocation Model etwas. Mit dem wurde er in der Branche zur Berühmtheit und hat als einer der wenigen Finanzler erkannt, dass der Schlüssel zu einer echten Trendwende ein globaler CO2 Preis ist. Er hat nicht nur einmal betont, dass in einem kapitalistischen System die Externalitäten schlichtweg eingepreist werden müssen. Das Problem sind ja nicht die fossilen Energien per se, sondern die Emissionen die von ihnen ausgehen. Die Risiken werden im Preis nicht abgebildet und das führte in der Vergangenheit und noch heute zu massiven Fehlallokationen im Markt. Langsam ändert sich das und schon jetzt sieht man in den globalen Bewertungen eine Trendwende.

Was passiert, wenn 7 Milliarden Menschen auf einmal das Richtige tun?

Bob Litterman ist also eine führende Stimme für einen globalen CO2 Preis. Auf die Frage wie hoch dieser sein müsste, wollte er sich auf keinen festlegen. Letztlich ließ er sich dann doch eine Zahl entlocken. Ein CO2 Preis, der die Menschheit in die richtige Richtung bewegen würde, liegt wohl zwischen $50 und $100 pro Tonne CO2. Ein Wert den ich selbst auch so sehe. Ein Bild, das er jedoch auch noch verankert hat ist jenes: Stellt euch vor von einem Tag auf den anderen würden 7 Milliarden Menschen das Richtige tun? Ja, stellen wir uns das wirklich mal vor! Derzeit werden so unglaublich viele Fehlinvestments getätigt, weil die externen und gesellschaftlichen Kosten keine Rolle spielen. Bei Kunden werden falsche Kaufanreize gesetzt (Stichwort Ölheizungsförderung) und das in einer Zeit, wo Orientierung in die richtige Richtung hinzu Erneuerbaren wichtiger wäre denn je.

Kommt die Rettung aus der Luftfahrt?

Eine sehr spannende Wende nahm das Gespräch am Schluss als Bob Litterman erzählte, dass ausgerechnet die ICAO (International Civil Aviation Organization) an einem harmonisiertem globalen CO2 Preis arbeite. Wie wir wissen ist die Luftfahrt ein unglaublich großer Emittent in Sachen CO2. Ich hab deshalb natürlich immer auch ein schlechtes Gewissen wenn ich fliege, auch wenn ich natürlich kompensiere. Litterman hat aber ein logisches Argument gebracht, warum sich die ICAO um dieses Thema kümmert. Das Geschäft der Luftfahrt ist die Atmosphäre und wenn wir diese zerstören, gibt es auch keine Luftfahrt mehr. Es steht also in unmittelbarem Zusammenhang mit ihrem Geschäftsmodell. Das selbe würde natürlich für alle Menschen auf der Erde gelten, die gern auch noch ihren Kindern Luft zum Atmen lassen würden, aber anscheinend hat diese Organisation die Möglichkeit auch langfristig zu denken. Einen weiteren Vorteil hat diese Organisation gegenüber einer Organisation wie der Klimakonferenz. Bei der Klimakonferenz kann nur der kleinste gemeinsame Nenner rauskommen, weil alle gesandten ihre Industrie vertreten müssen und nicht verlieren möchten. Wenn eine internationale Organisation tatsächlich das Ziel hat die Atmosphäre zu retten, ergeben sich ganz andere Möglichkeiten. Ich bin und bleibe hoffnungslose Optimistin und nach 7 Jahren in dieser Branche sehe ich erstmals Licht am Ende des Tunnels. Die Lösung liegt auch meiner Meinung nach in der Internalisierung der externen Kosten und der Schäden, die die Emissionen anrichten. Solange diese heilige Kuh nicht geschlachtet wird, sehe ich schwarz, aber wenn diese Stimmen nun schon sogar aus den USA kommen, bleibt wie gesagt Hoffnung.

Ich könnte noch Stunden weiterschreiben, aber werde in einem weiteren Beitrag von dem Event berichten. Ich habe eine Interviewzusage von einem nicht geringeren als Robert Haßler und werde so  noch einmal von diesem Event berichten.

Titelbild: Leonard / photocase.com

 
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About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

One Comment

  1. „Divestment ist an der Wall Street angekommen“ aber heftig und schon länger:
    Die Aktien von vielen lokal oder global agierenden Energie und Rohstoffunternehmen sind schön seit längerer Zeit unter die Räder gekommen. Ganz besonders die vom Divestment besonders betroffenen Kohleunternehmen, deren Aktien haben zum Teil 90% ihres ehemaliges Wertes verloren http://wirtschaftsblatt.at/home/boerse/rohstoffe_waehrungen/4838452/Rohstoffaktien_Anzeichen-fur-den-finalen-Ausverkauf
    Der Ölpreis ist auf einem Extremtief angelangt und bei der Sorte Brent könnte in den nächsten Tagen die 40 US Dollarmarke geknackt werden. Allerdings spielen beim Öl viele Einflussfaktoren auch politischer Art (Saudi Arabien) eine Rolle. Am Terminmarkt werden für 2016 und 2017 aber durchaus deutlich höhere Kurse eingepreist https://www.dollarkonto.com/oelpreis
    Beim Öl könnte das Divestment aufgrund seiner wirtschaftlichen Bedeutung und als „global Wirtschaftsschmiermittel“ vielleicht auch zukünftig weniger zum Tragen kommen als dies bereits bei der Kohle erfolgt

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