Ein 70 Kilowattstunden Batteriespeicher im Eigenbau um € 2500,-???

  • Batteriespeicher Eigenbau

    (c) Andreas Czezatke

  • In Eigenregie ist vieles möglich.  Andreas Czezatke hat sein Haus zu einem unglaublich niedrigen Preis energieautark gemacht, indem er einen alten Speicher aus einem Notstromaggregat verwendet und bietet jetzt in Selbstbaugruppen seine Erfahrung an. Ich habe mit ihm gesprochen.

Manche Netzwerke zahlen sich einfach aus. Für mich hat sich besonders eines als wirklich hilfreich herausgestellt. Aus diesem habe ich kürzlich wieder einen Kollegen getroffen, den ich seit sicher 15 Jahren nicht gesehen hatte. Wir sind irgendwie über Xing wieder aufeinandergestoßen und es dauerte nicht lange, bis wir eine gemeinsame Leidenschaft entdeckt haben. Sonnenenergie! Da mussten wir uns natürlich gleich auch treffen um hier die Erfahrungen auszutauschen. Der Kreis an Personen, mit denen man ernsthaft über das Thema diskutieren kann, ist nämlich leider noch immer viel zu klein. Gesagt getan. So traf ich Andreas Czezatke, derzeitiger Vorstand von Eurosolar Austria, einer Organisation die sich für die Energiewende in Österreich einsetzt. Mein leider viel zu früh verstorbener Mentor Hermann Scheer hatte das Netzwerk gegründet und so lebt er weiter. Andreas interessiert jedenfalls vor allem das Thema Speicher und autarke Hausversorgung. Vor vier Jahren hat er den Solarstammtisch in Siebenhirten bei Mistelbach (7hirten.energie@gmail.com) ins Leben gerufen und mittlerweile hat sich eine Selbstbaugruppe für autarke Hausanlagen gebildet. Sein eigenes außergewöhnliches Projekt ist aber vor allem der Punkt über den ich heute sprechen möchte. Ich möchte aber vorausschicken, dass das definitiv nicht die Norm ist.

 

Andreas, erzähl bitte kurz wie du auf das Thema Erneuerbare, Photovoltaik und Batteriespeicher gekommen bist?

 

Das Schiefergas-Fracking hat meine Heimat bedroht und so bin ich aktiv geworden und habe mich gegen die Bohrungen engagiert und diese konnten Gott sei Dank vorerst verhindert werden. Ich stieß auf den Gründer von Eurosolar Österreich, Franz Niessler und dieser meinte: „Du kannst nicht nur gegen etwas sein, du musst für etwas sein, für Erneuerbare Energien!“ Das habe ich mir zu Herzen genommen und begonnen unser Haus zum Plusenergiehaus mit 100% Erneuerbaren Energien umzubauen. Heute kann ich sagen, ein Leben ohne Öl, Kohle, Gas und Atom ist bei sogar höherem Komfort möglich und für jeden einfach machbar.

 

Du hast dein Haus energieautark gemacht. Kannst du uns hier das Haus etwas näher erklären? Zuerst bitte nur die erste Ausbaustufe.

 

Die erste Ausbaustufe war ein stromerzeugender Pelletkessel. Die so genannte Wärme-Kraft Kopplung, die unser Haus im Winter mit Strom und Wärme aus dem wertvollen Speicher, der Biomasse versorgt.

 

Du hast dich dann dazu entschieden auch einen Speicher einzubauen und dazu eine ziemlich abenteuerliche Geschichte. Erzähl sie uns bitte.

 

Abenteuerlich war hier nur der Entschluss die Sache anzupacken. Ich wusste von einem Freund, dass die autarke speicher-gestützte Stromversorgung bereits zu sehr attraktiven Preisen realisierbar ist. Ich kann mich noch gut an unser Gespräch bei einigen Bieren erinnern, wo wir unsere Hausanlage geplant haben. Schritt für Schritt ist ein Konzept entstanden, welches ganz einfach für viele Haushalte übernommen werden kann. Das Herzstück ist eine Batterieanlage mit 70 kWh Kapazität. Da es sich um alte Akkus aus einer USV Anlage (Notstromaggregat) handelt, kommt man zu derartigen Sätzen vergleichsweise günstig. Bei gutem Verhandlungsgeschick und der Abnahme von einer größeren Menge kann ein derartiger Speicher um 2500 € zu kriegen sein (Anm. d. Redaktion: Der Marktpreis eines solchen Speichers liegt bei 40-70.000,-). In der Regel hat man diese Investition in 2-3 Jahren amortisiert und danach läuft alles in die eigene Hosentasche. Von der Versorgungssicherheit ganz zu schweigen. Vergangenen Sonntag ist in Mistelbach und Umgebung für 4,5 Stunden der Strom ausgefallen. Wir haben das gar nicht bemerkt, bis uns die Nachbarn angerufen haben und gefragt haben, warum bei uns das Licht nicht aus ist. Wie viel ist das wert?

 

Wie viel hat das gesamte Speichersystem gekostet?

 

PV-Anlage, Montagematerial, Insel-Wechselrichtermodul, Speicher, Verkabelung und Umschalter kommen auf ca. 12.500 €. Im Eigenbau ist das alles über 2 Jahre hinweg entstanden. Ganz ohne Finanzierung oder dergleichen. Klein und mein, statt groß, teuer und dein.

 

Speicherexperten würden jetzt vermutlich sagen, dass solche Batteriespeicher aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung nicht unbedingt für die häufigen Be- und Entladezyklen gemacht sind. Wie lang wird das deiner Meinung nach der Batteriespeicher aushalten?

 

Experten haben auch bescheinigt, dass die Titanik nicht sinken wird. Wenn der Speicher 3 Jahre hält, hat das System bereits einen enormen Gewinn eingefahren. Man muß sich nur vorstellen wieviele kWh Strom ohne CO2 Emissionen, oder Atommüll produziert wurden. Die Akkus werden ohnehin nur weggeschmissen. Warum nicht sinnvoll nutzen? Abgesehen davon rechne ich mit 6 Jahren, danach bekommen wir für die Akkus noch gut 30% des Kaufpreises bei der Sammelstelle.

 

Wie gestaltet sich bei dir zu Hause das Energiemanagement?

 

Das Insel-Wechselrichtersystem hat das Energiemanagement eingebaut. Die Prioritäten sind einfach wie auch logisch. Haus direkt von der Sonne versorgen, falls zu wenig Sonne da, dann aus den Batterien nehmen (natürlich auch in der Nacht). Der häufigere Fall ist: viel zu viel Sonnenenergie verfügbar, also Batterien laden, wenn Batterien voll, dann automatisch Warmwasser machen. Wir müssen uns da um nichts kümmern, macht alles die Anlage aufgrund der Verschaltung der Komponenten. Wie vorher gesagt ist der Komfort höher, da der Strom bei einem Blackout nicht ausfällt.

 

Was hat es mit den Selbstbaugruppen auf sich, wer ist da dabei und wie kann man mitmachen?

 

Einfach eine Email an 7hirten.energie@gmail.com mit Betreff „will auch autark werden“ senden. Es gibt regelmäßige Treffen zu denen man kommen kann. Mitglieder in der Gruppe sind: Baumeister, Metalltechniker, Tischler, Informatiker, Elektroniker, Mechatroniker, Kaufmänner, Rauchfangkehrer, Elektriker, Speichertechniker, Bauern und auch einige –innen und viele mehr…
Auch der Solarstammtisch in Siebenhirten (jeden 2. Mittwoch im Monat) dient als Plattform für Wissensaustausch über Eigenversorgung. Info gibt es unter 02572 4202.

 

Vielen Dank lieber Andreas und gratuliere zu deinem Projekt. Für die Leser möchte ich trotzdem darauf hinweisen, dass das tatsächlich ein sehr außergewöhnliches Projekt ist und es nicht immer ganz einfach ist an solche ausrangierten USV-Akkus zu kommen. Auch das Thema Lebensdauer kann einem niemand garantieren, weshalb solche Anlagen auch nur in Eigenregie und nicht über Handwerksbetriebe abgewickelt werden können.  Es kann hier niemand genau sagen kann, wie lang das die Akkus aushalten, die für diesen Zweck eigentlich nicht gemacht wurden. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie das weitergeht und werde euch auf dem Laufenden halten.

 

Bild: (c) Andreas Czezatke

 
Über den Autor

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. Seit 2012 ist sie Chefredakteurin des von der Ritter Gruppe initiierten Solarthermieblogs Ecoquent-Positions und Mitbegründerin des größten deutschsprachigen Energiebloggerzusammenschlusses www.energieblogger.net. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die größte Einkaufsgemeinschaft für Unternehmen www.tausendundeindach.at und hält laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

7 Comments

  1. vielen Dank fuer diesen Artikel, mich interessiert vor allem der Pelletskessel zur Stromerzeugung. Ist es moeglich ueber den Autor bzw den Erbauer mehr davon zu erfahren. Ich bedanke mich im Voraus fuer eine Adressenaustausch bzw eine tiefere technische Beschreibung, Danke!

  2. Bitte teilen Sie mir die Adresse mit ich habe eine 5kwp Anlage und möchte gerne einen Speicher für die Anlage bauen. Kannst du mir bitte die Pläne zukommen lassen.
    Danke nochmal
    Houdek

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