Wie ist es um die Green Start-up Ecke in Österreich bestellt?

  • Bidl: BMLFUW FotografIn: Birigt Pichler

    Bild: BMLFUW FotografIn: Birgit Pichler

  • Beim Europäischen Forum Alpbach, gab es auch eine Session mit dem Titel: Green Start-up Spirit. Hier meine Gedanken und Anregungen dazu. Wie ist es um die Green Start-up Ecke bestellt?

Ich habe kürzlich ja hier von meinen Erlebnissen beim Europäischen Forum Alpbach erzählt. Ein Teil davon war die Podiumsdikussion zum Thema Ungleichheiten im Energiesystem und am Tag davor gab es noch eine Wanderung für einen ausgewählten Kreis aus dem Ökosystem der Green Start-ups. Da dieses Ökosystem noch reichlich unterentwickelt ist, fiel es den Veranstaltern sicher nicht leicht, hier die richtigen Leute zusammenzutrommeln. Nichtsdestotrotz hat sich eine illustre Runde bei herrlichem Wetter auf den Weg gemacht um im Bergbauernmuseum Alpbach das Trendthema „green startup spirit“ zu diskutieren.

Nobelpreisträger Dan Shechtman als inspirierende Figur mit ernüchternden Ansagen

Dan Shechtman ist wohl einer der wichtigsten Figuren der israelischen Start-up Szene. Er hat den Chemie-Nobelpreis für die Quasikristalle erhalten und seit 26 Jahren!! bringt er das Thema Entrepreneurship am Israel Institute of Technology an die Studenten. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Seit 26 Jahren!! Und erst langsam sickert in der ganzen Welt durch, dass die Start-up Szene vor allem in Tel-Aviv unglaubliches Wachstum erlebt. 5000 gibt es dort mittlerweile und laut den Aussagen von Shechtman vor 26 Jahren kein einziges. Mit unzähligen Vorträgen und vor allem Vorbildern hat er den Studenten den Entrepreneurship Virus eingesetzt. Das zeigt meiner Meinung auch wie weit hinten Österreich in diesem Bereich ist und dass wir jetzt auch keine Wunder erwarten dürfen. Erst seit 10 Jahren wird das Fach Entrepreneurship in Österreich als Nischenthema gelehrt und erst langsam wird klar, dass hier noch viel zu tun ist. Ich bin dankbar, dass ich eine der ersten Studenten dieses Fachs an der Wirtschaftsuni sein durfte und es hat sicher stark dazu beigetragen, dass ich diesen Weg gegangen bin. Wirklich wichtig wäre aber wohl eine Pflichtveranstaltung. Leute die sich zu diesen Kursen anmelden, haben ja schon eine gewisse Neigung. Viele kommen ja nichtmal auf die Idee ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Müssen die Start-ups die Regeln des Marktes verändern oder die Politik?

Was mich aber noch nachdenklicher macht ist wie schlecht es um die Green Start-up Szene bestellt ist. Die Herausforderungen vor denen wir stehen müssten eigentlich tausende Start-ups hervorbringen. Warum gibt es trotzdem so wenige? Ich habe da so meine Vermutungen, die aber nicht mehr sind als das. Leider geht es in vielen Bereichen um Marktversagen, weil die externen Kosten des alten Energiesystems nicht abgebildet sind und von der Gesellschaft getragen werden. Das führt eben dazu, dass sich manche Geschäftsmodelle nicht so darstellen lassen, wie es in einem perfekten Markt möglich wäre. Wie können und müssen Gründer in so einem Ökosystem agieren? Bei Marktversagen müsste eigentlich die Politik lenkend eingreifen. Das tut sie aber nicht, weil sie widerum abhängig ist vom alten System. Ein blöder Kreislauf, der teilweise zu Stillstand führt. Ich würde mir wünschen, dass sich Umweltminister und Wirtschaftsminister auf den Start-up Zug anhängen und auch Ambitionen zeigen neben dem allgemeinen Start-up Bereich die Green Start-up Ecke voranzubringen. Vor allem auf der Meta-Ebene. Im Kleinen funktionierts ja schon ein wenig (die Ausschreibung zum Greenstar Award hat übrigens wieder begonnen), was aber fehlt ist die übergeordnete Strategie. Eine ambitionierte Energiestrategie, die Österreich wieder vorwärts bringt und nicht die Strategiewüste darstellt, in der wir uns derzeit befinden.

Was meint ihr? Wie ist es um die Green Start-up Ecke bestellt?

 
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Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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