The True Cost – Mode um welchen Preis?

Lesedauer: 3 Minuten
  • Mannequins in a clothing store

  • „Kleider machen Leute“ – so heißt  es jedenfalls in der Erzählung Die Leute von Seldwyla, bei der ein Schneidergeselle trotz seiner Armut immer gut gekleidet war. Auch heute kommunizieren wir noch durch unsere Kleidung. Sie ist es, die uns nach Außen hin Status verleiht und uns von der Masse abheben soll. Fakt ist jedoch, dass andere, nicht wir, den wahren Preis für diesen Luxus bezahlen.

Der Einsturz des Rana Plaza in Bangladesch erschütterte 2013 die ganze Welt. Der Regisseur Andrew Morgan beschloss daraufhin zu handeln und es entstand der Film „The True Cost“, der die Ungleichheit und Ungerechtigkeit in der Modeindustrie von heute aufzeigt, jedoch auch alternative Geschäftsmodelle vorstellt.

Die Dokumentation beginnt damit die Extreme gegenüberzustellen. Einerseits die Konsumgesellschaft der USA und Europa, die nur mehr „Fast Fashion“ konsumiert, andererseits die prekäre Lebenssituation einer  Fabrikarbeiterin, die diese Kleidung irgendwo in einem fernen Land, viele Kilometer vom Poin-of-Sale entfernt, herstellt. Das Gleichgewicht ist verschoben, die Preise und Löhne stehen in keinem Verhältnis zu den Kosten. Im Film ist sogar die Rede von moderner Sklaverei. Im Laufe des Films begleitet das Filmteam unterschiedlichste Stakeholder wie FabrikarbeiterInnen, ModedesignerInnen, MeinungsführerInnen uvm. Der Regisseur möchte die Gründe für die Ausbeutung von Arbeitskräften in Entwicklungsländern ausfindig machen und kommt zu dem Entschluss, dass man unser Wirtschaftssystem grundlegend ändern müsste um eine Verbesserung der Umstände in den Fabriken herbeiführen zu können. Ein schauriges Bild wird mittels Statements von ein paar Ökonomen gezeichnet, auf konkrete Lösungsvorschläge wird allerdings nicht eingegangen.

Da ich mich schon viel mit dem Thema auseinandergesetzt habe, ist mir die Problematik, die im Film gezeigt wird, nicht neu. Aus gegeben Anlass – den Fashion Revolution Day  – habe ich mir den Film vor 2 Monaten im Kino angesehen (er ist sonst nur online erhältlich) und war dann doch sehr überrascht:  Einige Punkte waren mir noch nicht bekannt, wie beispielsweise die wachsende Macht durch Biotech-Unternehmen mit Hilfe der steigenden Abhängigkeit der Baumwoll-Bauern von genmanipuliertem Saatgut. Besonders gut gefallen hat mir der Lokalaugenschein rund um das britische Modelabel Peopletree, das vorzeigt, wie man alternativ Mode herstellen kann, zu fairen Preisen und in respektvoller Zusammenarbeit mit den Fabrikarbeiterinnen. Safia Minney, Gründerin und CEO von Pepoletree, wählt ihre Geschäftspartner sorgfältig aus und folgt ganzheitlich den Fair Trade Prinzipien. Das Filmteam begleitet sie nach Indien, wo eine Fabrik gezeigt wird, die Hoffnung auf postitive Veränderung in der Mode-Produktion gibt.

Auch in Wien tut sich in diesem Bereich schon recht viel. Bei der Kinopremiere waren auch einige Designerinnen anwesend, die sich schon lange den Fair Trade- und Sustainable Fashion- Prinzipien unterworfen haben. Auf diversen Nachhaltige Modeblogs, wie beispielsweise auch den Modeblog fesches.mascherl  von oikos Vienna, findet man einige Einkauftipps zur nachhaltigen Modelabels in Wien.

Mehr Infos zum Thema und über die internationale Kampagne Clean Clothes findet ihr hier.

Das aktuelle Video zur Schuh-Kampagne findet ihr hier.

 
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About the Author

Andrea-Simone Barth

Andrea-Simone Barth

Andrea Simone Barth ist seit über einem Jahr Mitarbeiterin der Nachhaltigkeitsabteilung der Raiffeisen Zentralbank AG und auch Studentin im Master Management an der WU Wien. Im Rahmen der Studierendenorganisation oikos Vienna setzt sie sich seit drei Jahren aktiv, davon 2014/15 als Vorstandsmitglied, an der WU Wien für die Nachhaltigkeit in der Wirtschaft ein. Neue Perspektiven sucht sie sich in ihrem Nebenstudium Kunstgeschichte sowie in der Freizeit beim Ausleben ihrer künstlerischen Ader und beim Yoga.

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