Bioenergie – Fluch oder Segen?

gesägtes und gestapeltes BrennholzDer Klimawandel bedroht die Welt, fossile Energieträger werden immer knapper, die Weltbevölkerung nimmt zu und unsere Wirtschaft muss wachsen. Außerdem steigt der Energiebedarf, vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern, stetig und parallel dazu verstärken politische Krisen und Nuklearkatastrophen die Forderungen nach Versorgungssicherheit. Die erneuerbaren Energien bieten sich als Teil der Lösungen an, denn sie haben das Potenzial uns langfristig mit erneuerbarer Energie zu versorgen, ohne dabei die Zukunft unsere Nachkommen aufs Spiel zu setzten.
(c) world bioenery associationAbbildung: Weltweiter Endenergieverbrauch 2011, eigene Darstellung basierend auf Daten der World Bioenergy Association

Wie in der Grafik zu sehen, sind weder die Wasserkraft noch die Wind- oder Sonnenenergie der größte Erzeuger erneuerbarer Energie. Den Löwenanteil erzeugt mit 14 Prozent die Bioenergie und diese ist somit nach den nicht-erneuerbaren Primärenergieträgern Öl, Kohle und Erdgas die viertwichtigste Energiequelle weltweit.

Doch was ist eigentlich Bioenergie?
Als Bioenergie bezeichnet man Energie, die aus Biomasse, also allen Stoffen organischen Ursprungs (hauptsächlich Pflanzen, die eigens dafür angebaut werden), gewonnen wird. Die Bioenergie ist nicht nur die wichtigste erneuerbare Energiequelle, sondern auch die umstrittenste. Befürworter*innen sehen in ihr die Lösung fast aller energierelevanten Themen, während kritische Stimmen genau das Gegenteil behaupten. Doch was stimmt?

Die Vorteile von Bioenergie auf einen Blick:

– Bioenergie ist der Alleskönner unter den erneuerbaren Energien. Aus fester, flüssiger und gasförmiger Biomasse, wie Holz, Pflanzenöl und Biogas, können Wärme, Strom und Biokraftstoffe gewonnen werden.
– Durch Bioenergie wird nur soviel Kohlenstoffdioxid freigesetzt, wie die Pflanzen durch die Photosynthese der Atmosphäre bereits entzogen haben. Theoretisch ist Bioenergie somit klimaneutral und kann einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
– Bioenergie ist die ideale Ergänzung zu den anderen erneuerbaren Energien. Ein Kritikpunkt der erneuerbaren Energien ist ihr schwankendes Potential zur Energiebereitstellung. An sonnigen und windreichen Tagen kann durch Wind- und Sonnenenergie viel Energie bereitgestellt werden, an sonnen- und windarmen Tagen kann dagegen fast keine Energie erzeugt werden. Im Gegensatz zu Wind und Sonne ist Bioenergie keine volatile, wetterabhängige Quelle der Stromerzeugung. Biomassekraftwerke und Biogasanlagen können somit elektrische Energie bereitstellen, wenn andere erneuerbare Energien gerade ausfallen.
– Die lokale Produktion von Bioenergie kann außerdem den Anteil der teuren importierten fossilen Energieträger reduzieren und zu einer erhöhten Wertschöpfung im Land beitragen. Die Erzeugung von Wärme durch Bioenergie macht ungefähr 80 Prozent des österreichischen Bioenergienutzens aus. 34 nationale Pellet-Produzenten generieren regionale Umsätze, schaffen vor Ort Arbeitsplätze und exportieren die Überschüsse ins Ausland. Die Wertschöpfung durch Bioenergie kann auch auf EU-Ebene gemessen werden. 2012 wurden in der Europäischen Union durch Bioenergie Umsätze im Wert von 47,877 Milliarden Euro generiert und 480.000 Menschen beschäftigt.

Bioenergie birgt aber auch Nachteile:

– Bioenergie trägt zum Verlust von Biodiversität bei. Hauptursachen sind die Intensivierung des Anbaus von Energiepflanzen und der daraus resultierende Verlust von Lebensraum für verschiedene Arten. Intensivierung bedeutet eine Umgestaltung der Landschaft in großflächige, biologisch verarmte Monokulturen und der Einsatz von Agrartechnologie, Agrochemikalien (Düngemitteln, Pestiziden), Energie und Wasser, um hohe Ernteerträge zu erzielen. Der größte Rückgang der Biodiversität wird durch den Verlust von Lebensraum ausgelöst. Hauptsächlich durch die Abholzung von Regenwälder für den Anbau und Produktion von Energiepflanzen. Für Österreich ist dies relevant wenn Biokraftstoffe aus Ländern wie Brasilien oder Indonesien importiert werden. Durch Import von nachhaltig produzierten Biokraftstoffen oder durch den nationalen Anbau von Raps für Biokraftstoffe kann man dieses Problem aber leicht lösen
– Die Treibhausgasemissionen der Bioenergie sind zwar wesentlich geringer als die der fossilen Energieträger, jedoch kann sich dies ändern, wenn die Nutzungsänderungen der Bodenflächen berücksichtigt werden. Wälder und Feuchtgebiete sind die größten Kohlenstoffspeicher der Welt. Wenn diese jetzt für den Bioenergieanbau genutzt werden, müssen die durch die Umwandlung, also Rodung der Waldflächen oder anderweitige Aufbereitung des Landes, ausgestoßenen Kohlenstoffe in der Klimabilanz als Hypothek berücksichtigt werden, um entscheiden zu können, ob und ab wann der Einsatz von Bioenergie Treibhausgasemissionen einspart. Diese CO2-Amortisationszeit ist für die Bioenergienutzung regional sehr unterschiedlich. Durch die Rodung von Regenwald wird soviel CO2 ausgestoßen, dass die Amortisationszeit für Bioenergie 40 bis 1.500 Jahre beträgt. Bei einer Umwandlung von degradiertem Land für den Bioenergieanbau beträgt die Amortisationszeit jedoch weniger als ein Jahr.
– Ein großer Kritikpunkt der Biokraftstoffe war ihr großer Einfluss auf die Preise für Grundnahrungsmittel. Behauptet wurde, dass der Anbau von Energiepflanzen die Preise von Grundnahrungsmittel drastisch erhöhe, da viele Flächen nicht mehr für den Nahrungsmittelanbau, sondern für Bioenergie verwendet werden. Fakt ist, dass die Preise für Grundnahrungsmittel seit 2000 um mindestens 100% gestiegen sind. Vor allem während der Finanzkrise 2007/2008 sind die Preise sprunghaft angestiegen. Die genaue Auswirkung der Bioenergie, hauptsächlich des Energiepflanzenanbaus, auf die Nahrungsmittelpreise ist aber in der Forschung sehr umstritten und verschiedene Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Viele verschiedene Faktoren, z.B. der Ölpreis, Transportkosten, Bevölkerungswachstum, erhöhter Fleischkonsum und Exportrestriktionen, haben einen Einfluss auf die Preise der Grundnahrungsmittel. Daher kann kein eindeutiger Zusammenhang zwischen steigendem Bioenergieanbau und Lebensmittelpreisen festgestellt werden. Es ist aber erwiesen, dass landwirtschaftliche Anbauflächen knapp sind und es eine Nutzungskonkurrenz zwischen dem Anbau von Nahrungsmitteln und Biomasse für eine energetische Verwendung gibt. Ein Großteil der landwirtschaftlichen Flächen werden als Weideland genutzt oder um Tierfutter (hautpsächlich Soja) anzubauen.

Abschließend möchte ich festhalten, dass Bioenergie aufgrund seiner Komplexität nicht als gut oder schlecht bewertet werden kann. Die Art und Weise der Umsetzung entscheiden über die Vor- bzw. Nachteile der Bioenergie. Gerade das ist aber das Problem. Es wird schwierig sein, in einer Welt, in der Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz dem Preisdruck und ständigen Wachstumsstreben untergeordnet sind, eine nachhaltige Energieversorgung zu ermöglichen. Die Probleme, mit denen Bioenergien heute in Verbindung gebracht werden, sind schon älter und werden durch die Bioenergie nur verstärkt. Bioenergie ist nicht die Ursache für die Waldrodungen, den Verlust der Biodiversität und den Hunger auf der Welt. Die Gründe dafür sind vielschichtiger und existieren bereits länger als die moderne Bioenergie. Eine nachhaltige Nutzung der Bioenergie ist möglich, man muss sich nur dafür einsetzen.

Weitere Information:

Meine Bachelorarbeit „Grundlagen, Chancen und Risiken des wachsenden Bioenergiesektors“ Wirtschatsuniversität Wien, Institute for Multi-Level Governance and Development, Dr. Andreas Novy, 2015
Uni, Institut, Betreuer, Jahr.
www.bioenergie.de
www.biomasseverband.at
http://www.fnr.de/nachwachsende-rohstoffe/bioenergie/
http://www.worldbioenergy.org/
Intergovernmental Panel on Climate Change: Renewable Energy Sources and Climate Change Mitigation http://srren.ipcc-wg3.de/report
Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2008): Welt im Wandel: Zukunftsfähige Bioenergie und nachhaltige Landnutzung http://www.wbgu.de/hauptgutachten/hg-2008-bioenergie/

 
About the Author

Christian Heydecker

Christian Heydecker

Da unser Leben ohne Energie nicht möglich ist, muss die Energieversorgung nachhaltig und erneuerbar sein. Christian Heydeckers Interesse für dieses Thema wurde vor allem durch sein Praktikum für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ, staatliche Entwicklungszusammenarbeitsorganisation der Bundesrepublik Deutschland) in der Dominikanischen Republik geweckt. In einem karibikweiten Projekt für die Förderung von Erneuerbaren Energien war er für die Erstellung einer Studie über Bioenergieaktivitäten in der Dominikanischen Republik zuständig. Zurück in Wien hat sich sein Interesse weiter verstärkt und er hat seine Bachelorarbeit über die „Grundlagen, Chancen und Risiken des wachsenden Bioenergiesektors“ geschrieben. An der WU habe Christian Internationale Betriebswirtschaft studiert.

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