Der schwärzeste Tag meiner Bikesharing Geschichte – EVER

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  • Dies ist die Geschichte des allerschwärzesten Tages Meiner Bike-Sharing Zeit und reiht sich vermutlich an den obersten Platz all meiner Fahrradgeschichten. Da sich Geschichten so gut lesen, erzähle ich sie euch und wer mich kennt, weiß dass ich grundsätzlich so ziemlich der glühendste Fahrradanhänger bin, den man sich nur vorstellen kann. Nach mittlerweile etwa 18 gestohlenen Rädern (ab 12 hab ich irgendwie den Überblick verloren), fand ich es immer schon ungemein praktisch alle Bikesharing-Systeme dieser Welt zu nutzen.

Egal ob Nürnberg, Paris, Washington oder eben wie schon seit 10 Jahren Wien (hier überaus positiven Artikel meiner 1202 Räder) und seit einem halben Jahr Next Bike in Wiener Neustadt. Ich find es es praktisch die Räder zu nutzen wo immer man sich gerade befindet, ganz abgesehen davon, dass man mit den Systemen gerade in Städten unglaublich schnell und praktisch von A nach B kommt. Ich bin wie ihr seht also wirklich ein Anhänger der ersten Stunde dieser Bewegung und auch wenn es furchtbar nervt, dass Wien bei weitem noch kein so dichtes Netz wie Paris hat und in Wiener Neustadt mindestens doppelt so viele Abstellplätze von Nöten wären, kann ich mich nur bedingt beklagen, aber was letzte Woche passiert ist, lässt sogar mich, der eigentlich beweisen will, dass ein Leben ohne eigenes Auto und all den neuen Mobilitätsmöglichkeiten sehr gut möglich ist, stark zweifeln und wenn das jemand wie ich sagt, dann frage ich mich, wie andere Autogläubige jemals davon überzeugt werden sollen. Mit dieser Einleitung geht es ab in meine persönliche Horrorgeschichte des Bikesharings, natürlich nicht ohne zum Schluss auch noch ein paar sinnvolle Ideen zu vermitteln.

Citybike statt Taxi in der Nacht – normalerweise eine sinnvolle Entscheidung

Der schwärzeste Tag meiner Bikesharing Geschichte beginnt am 30.10.2014 um 1 Uhr, nachdem ich mit einem Freund in den Kammerspielen war und das so ziemlich lustigste Theaterstück seit Jahren sehen durfte. Ladies Night war das falls es jemand interessiert. Nach einem „After-Show“ Getränk mit einigen der Schauspieler wollten wir nach Hause fahren und ich hatte vorgeschlagen doch ausnahmesweise die City Bikes zu nehmen statt dem Taxi, da unter der Woche nach 1 Uhr auch in Wien leider keine U-Bahn mehr fährt. Für solche Zwecke habe ich mir schon vor langer Zeit vier meiner Bankomat- und Kreditkarten bei CityBike angemeldet. Da es wohl wenig mühsameres als den Anmeldeprozess an diesen Terminals gibt, wenn man schnell mal ein Rad braucht (kleiner Seitenhieb…). So hatten wir eben in Null-Komma-Nix ein Fahrrad und sind vom Schwedenplatz Richtung Pilgramgasse gedüst. Alles super soweit, doch dann kam der erste Schock. In der Pilgramgasse war das gesamte Terminal voll. Da das dort leider öfter passiert (ja ich weiß, ich hätte vorher nachschauen sollen), sind wir weiter zur Reinprechtsdorferbrücke und dann der wirklich große Schock! Ebenfalls alles voll!! Wieder zurück zur Pilgramgasse und mit den letzen Prozent am Handy die Hotline angerufen, der aber außer mir zu sagen, dass ich für mein Fahhrad gerade hafte und es ja nicht irgendwo stehen lassen soll, nicht wirklich helfen konnte. Wir hätten also noch weiter herumfahren müssen und freie Boxen suchen sollen, um dann eine Stunde später erst wieder mit dem Taxi heimfahren zu können. Es war mittlerweile 2 Uhr geworden und da ich zu diesem Zeitpunkt schon so genervt und müde war hab ich beschlossen die Räder mit in die Wohnung zu nehmen, mit dem festen Vorsatz mir die entstandenen Kosten (das ist richtig teuer, wenn man es länger als 5 Stunden hat) dann wieder rückerstatten zu lassen.

Volle Stationen – der Horror jedes Citybikers

Soweit so schlecht. Leider endet die Geschichte nicht hier. Ich wollte am nächsten Tag die Räder zurückbringen und war dann in der Früh schon klüger und habe auf der Bikar App nachgeschaut ob die Station mittlerweile wieder frei ist und um Halb 8 Uhr auf einmal „1 freier Platz“. Ich war zu dem Zeitpunkt schon so froh auch nur eines der beiden Räder wieder loszuwerden, will rauslaufen und check vorm rausgehen nochmal und dann der erste Tiefschlag des Tages: Alles wieder voll!! Neiiiiin!!! Ok, mein Termin in Wiener Neustadt ist erst um 11 Uhr, ich konnte ja noch ein wenig arbeiten und warten bis etwas frei wird. Alle paar Minuten aber der Check und im Hintergrund auch noch das nagende Gefühl der tickenden Uhr. Es wird 8 Uhr… nix, es wird 8:30… noch immer nichts…  Schön langsam wird’s knapp. Um 10 Uhr fährt spätestens der Zug ab und um dreiviertel 9 die Entscheidung. Ok, ich muss wohl oder übel die Räder woanders zurückgeben. Also Rad Nummer Eins gepackt, (welches Gott sei Dank noch da war, obwohl zu allem Überfluss auch noch die integrierte Absperreinrichtung nicht richtig funktioniert hat – Seitenhieb Nummer 2) um damit bis zur Kettenbrückengasse zu fahren und Halleluhja – dort gab es genügend freie Plätze. Weiter gings mit der U-Bahn zurück in die Pilgramgasse Rad Nummer zwei holen und ebenfalls zur Kettenbrückengasse zu bringen. Mittlerweile war es dann vermutlich 9 Uhr und ich hatte einen wundervollen Morgen mit nichts als Fahrradärger.

When it rains it pours – Auch Next Bike lässt mich im Stich

Es wäre aber nicht der schwärzeste Tag meiner Bike-Sharing Geshichte, wenn das bereits das Unhappy-End gewesen wäre. Wie erwähnt musste ich zurück in unsere Wohnung in Wiener Neustadt um um 11 Uhr den coolsten Termin dieser Woche wahrzunehmen. Die Inbetriebnahme der allerersten Tauseundundein Dach-Anlage. Aber das ist widerum ein Artikel für sich. Ich sitze also im Zug nach Wiener Neustadt und freue mich, dass der Wahnsinn endlich ein Ende hat und wusste bereits, dass meine geliebte Gazelle aber in der Garage steht, weil ich am Tag zuvor nicht mit dem Zug nach Wien gefahren war, sondern mit meinem Mann im Auto. Für diese Fälle hat sich jedoch Next Bike – das niederösterreichische Bike-Sharing System als überaus praktisch erwiesen. Egal zu welcher Uhrzeit ich ankomme und egal ob mein eigenes Fahrrad nun gerade am Bahnhof wartet, Next Bike war immer da… Ihr ahnt es vermutlich schon. An diesem besagten Tag, es war der 30. Oktober, 2014  gehe ich frohen Mutes zur Next Bike Station und was passiert: KEINE NEXTBIKES MEHR DA!!! Kein Einziges!!! Und das kann nur eines bedeuten: Sie wurden zur Einwinterung abgeholt!!!  Einwinterung!!! Wie bitte? Aber echte Radfahrer, die Next Bike nutzen fahren auch im Winter!!! Meinem angeschlagenes Nervenkostüm nach wenig Schlaf und viel Ärgern gab das den Rest und ich kapituliere…. TAXI BITTE!!

THE END

Die Geschichte mit den Taxifahrern erspare ich euch jetzt. Nur so viel: Mit einer  verärgerten Conny, die dann auch noch fast in ein rauchverstunkenes Taxi steigen soll, ist nicht gut Kirschen essen.

Da sich meine Wut bereits letzte Woche auf Facebook und Twitter entladen hat und ich mir Unkonstruktivität vorwerfen lassen musste, wo doch gerade ich diese Systeme gutheißen sollte, hier nun der wirklich konstruktive Teil, da ich trotz allem der tiefsten Überzeugung bin, dass Fahrräder eines der genialsten Fortbewegungsmittel der Menschheit sind und Bike-Sharing Systeme einen wichtigen Beitrag dazu leisten können, weil es einfach nicht möglich ist, sein eigenes Fahrrad immer und überall in der Hosentasche eingesteckt zu haben.

Hier mein 5 Punkte Bikesharing-Programm mit wohlgemeinten Ratschlägen für die einzelnen Systeme:

1. City-Bike: Paris als ultimatives Vorbild – 250 Meter zu jeder Station, dann klappt’s auch mit der schwarzen Null

Waren Sie in den letzten Jahren mal in Paris? Dort steht das genialste Bike-Sharing System der Welt. Die haben es sich angeblich sogar von Wien abgeschaut und es dann einfach noch besser gemacht. Der große Erfolgsfaktor dort: 250 Meter zu jeder Station in einem gewissen Umkreis. In Paris gibt es daher für viele Strecken kein schnelleres Fortbewegungsmittel und sehr viele Pariser haben eine Jahreskarte. Die Fahrten sind nämlich nicht wie hier bei uns für viele Gratis sondern werden tatsächlich bezahlt, weil das System einen ganz klaren Nutzen bietet. Ganz schnell von A nach B.

2. City-Bike: Löst endlich das Problem an der Wienzeile und anderen Hot-Spots

Nach meinem Albtraum hatte ich natürlich noch etliche Telefonate mit den Verantwortlichen und dankenswerterweise wurde mir ein Teil meiner 55,-!!! „Strafe“ für die Übernachtung der Räder im Haus erlassen und der verantwortliche Herr meinte auch, dass sie schon lange darauf drängen, dass die Hotspots um die Pilgramgasse entschärft werden und die Stationen vergrößert werden. Er hat sich auch gewunschen, dass ich öffentlich auf dieses Problem hinweise. Hier also ein deutlicher Appell an die Stadt Wien und den Fahrradbeauftragten, dass hier noch mehr Druck gemacht wird. Das Problem ist auch erst kurzer Zeit so akut, da die Nutzung anscheinend zunimmt, was ja wirklich wünschenswert ist.

3. Next-Bike: Es gibt auch Winterradfahrer und die Bewegung muss man wachsen lassen

Ich finde es absolut sinnlos, dass die Räder über den Winter eingezogen werden. Natürlich wird es im Winter weniger Fahrradfahrer geben als im Sommer, aber wenn sich das System als alltags- und massentauglich erweisen soll, dann muss es ganzjährig betrieben werden. Ich kann ja nicht meinen Lebensstil auf Sommer und Winterbetrieb einstellen. Entweder ich nutze das Fahrrad als vollwertiges Transportmittel oder nicht. Auch hier liegt es anscheinend mehr an den betreibenden Städten als am System. Prinzipiell ist ein Ganzjahresdienst möglich, also bitte liebe Stadt Wiener Neustadt – Ganzjährig wäre wichtig!

4. Next-Bike: Stationenzahl noch unter der Wahrnehmungsgrenze

Ich bin noch nicht in jeder Stadt Niederösterreichs mit Next-Bike gefahren, deshalb nur meine Eindrücke aus Wiener Neustadt, Baden und Wien Umgebung. Nur mit einer hohen Anzahl an Stationen wird auch die Nutzung steigen. Ich weiß, dass das so ein Henne-Ei Problem ist. Solange wenige Stationen sind, gibt es wenige User und wenig Geld, was widerum dazu führt, dass zu wenig Geld für den Ausbau da ist. Das führt mich zum abschließenden Punkt:

5. Ganz oder gar nicht – Ein „bissl“ Bikesharing gibt’s nicht

Wie das in Österreich so üblich ist, kommen mir auch so manche Bike-Sharing Systeme mehr als Feigenblatt  als als ernst gemeinten Versuch die Mobilitätsstrukturen verändern zu wollen, daher. Schwarze Zahlen gibt es aber nur bei hohen Nutzerzahlen und die widerum gibt es nur bei Systemen mit hohem Nutzen für den User. Also: Nutzenmaximierung für Nutzermaximierung lautet die Devise. Das ist eine alte und gerne vergessene unternehmerische Weisheit und dann wird es noch viel mehr Bikesharer und sharerinnen geben.

 
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Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

6 Comments

  1. Ich schlepp so schon so viel mit mir rum, ich kann meinem Rücken nicht auch noch ein Klapprad antun. In der neuen Welt der Mobilität, sollten solche Systeme einfach selbstverständlicher Zusatz in einem städtischen Verkehrskonzept sein. Aber eben nicht als Larifarivariante sondern wenn dann gscheit mit wirklich vielen Stationen, sodass sie eben eine echte Alternative werden.

  2. Liebe Cornelia,
    Wie du schon selber festgestellt hast, besteht die Moglichkeit gleich beim entlehnen eines Rades, am Terminal festzustellen, wo sich City Bikestationen befinden und wieviele freie Bikeboxen bzw. Räder vorhanden sind.

    Ich weiss aus erster Hand dass die Verantwortlichen von Citybike Wien tagtäglich und mit vollen Engagement, mit der Umverteilung und Wartung der Räder und mit der Verdichtung des Stationennetzwerks beschäftigt sind.

    Die Erhöhung der Bikeboxenanzahl einiger Hotspotstationen ist einerseits Platzbedingt, anderer seits aufgrund der Bauvorschriften und desweiteren aus sonstigen politischen, bürokratischen und höher mächtichen Gründen nicht immer möglich und wenn du mich frägst auch nicht unbedingt die ultimative Lösung, einfach und allein weil auf das erhöhte Angebot auch eine erhöhte Anzahl an Nutzern zugreifen wird und du um ein Uhr Früh erst wieder vor einer vollen Station stehst.
    Fazit: Man kommt nicht drum herum abzuchecken, ob sich bei der angestrebten Destination noch frei Bikeboxen befinden…
    LG Fernando

    • Hallo Fernando, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast hier zu antworten. Offensichtlich von höhere Seite beordert ;-) Freut mich zu sehen. Wie du glaub ich unschwer erkennen kannst, bin ich wirklich großer Fan der City Bikes und diese Erfahrung war mir wirklich eine Lehre. Ich bin halt 10 Jahre ohne dem Check ausgekommen und jetzt hat es mich wegen der erhöhten Nutzerzahlen eben mal so richtig erwischt. Werde ich in Zukunft berücksichtigen.

      Eine Erhöhung der Nutzerzahlen durch mehr Bikestationen wäre ja prinzipiell sehr wünschenswert, oder? Ich hoffe einfach irgendwann Pariser Verhältnisse was die Bikestationendichte angeht, zu erleben… Frau wird ja noch träumen dürfen ;-). Bis dahin weiter so mit eurer Arbeit.

  3. Danke für den Post. Wollte wissen ob es tatsächlich passieren kann keine Station für die Rückgabe zu finden. Auch wenn Ihr post schon alt ist, in die Arbeit geht es nicht mit dem citybike wenn man nur 2 freie Boxen sieht und keine reservieren kann.

    • ja das kann leider passieren, das mit dem reservieren ist eine coole Idee. Weiß aber nicht ob umsetzbar. Es ist mir in 10 Jahren ca 3 mal passiert also es ist jetzt nicht die Norm, aber manche Stationen sind berüchtigte Hot-Spots. Hier müsste mMn immer nachgerüstet werden, wenn sich das über Jahre so darstellt… Sie sollten also bei ihrem Spot schauen wie der prinzipiell aussieht.

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