Wieso ein Diskonter Ökostrom anbieten kann

  • Ökstrom von Hofer stösst auf hohe Akzeptanz

  • Hofer (das ist der österreichische Aldi) verkauft jetzt Ökostrom! Die Aktion haben viele von euch bestimmt mitbekommen, sogar Ö3 hat berichtet (obwohl da mit Produktplatzierung vermutlich etwas nachgeholfen wurde ;-). PR-technisch also schon mal ein Riesencoup . Ich werde nun des Öfteren gefragt, was es nun mit dieser Aktion auf sich hat.

Viele vermuten irgendeinen Haken, weil da ja auch noch steht, dass es günstig ist. Obwohl ich schon seit Jahren Ökostromkunde bin, hab ich mir das Angebot für euch angeschaut, weil ja schon die letzte Diskussion über Ökostrom sehr interessiert gelesen wurde. Gleich mal vorweg. Ich habe kein Insiderwissen dazu und krieg weder von Hofer noch von Ökostrom irgendwas. Ich stelle mir nur dieselben Fragen wie ihr und versuche Antworten zu finden. Das ist also einfach meine Meinung – ist ja schließlich ein Blog und keine Zeitung ;-)

Was mich bei der Aktion erstaunt ist, dass da anscheinend richtig viel Arbeit reingesteckt wurde. Das Angebot ist als eigenständiges Produkt beim Tarifrechner der e-control gelistet. Keine Ahnung wie mühsam sowas ist, aber stells mir bei dieser Behörde nicht so lustig vor. Jedenfalls kann man nun also wirklich alle Stromprodukte miteinander vergleichen. Ich kann mir vorstellen, dass diese Aktion dazu führen wird, dass sich zumindest mal mehr Leute mit dem Thema beschäftigen und ihre Stromrechnung in die Hand nehmen. Leider wissen ja 99% der Österreicher gar nicht wie viel sie für die kWh zahlen. Das ist natürlich ein gefühlter Wert, aber ich glaub ich lieg nicht so falsch, sogar ich vergess den genauen Betrag ständig, aber ich weiß zumindest die Größenordnung und die ist bei um die 21ct/kWh brutto. Jedenfalls kriegt Hofer allein dafür schon einen Orden. Bewusstseinsbildung ist so ziemlich das Wichtigste im Energiebereich.

Wie kann ich es nun vergleichen?

Ich zahl also 21 ct/kWh? Werden jetzt viele denken. Aber bei der e-control stehen ja lauter Werte zwichen 6 und 8 ct/kWh! Richtig, das ist aber nur der Arbeitspreis, also die reinen Energiekosten. Dazu kommen dann noch Steuern, Netzkosten, Zählpunktabgabe usw. Als Faustregel kann man sagen, dass die Haushaltsstrompreise bei 18-22 ct/kWh liegen und der Verbrauch zwischen 1300 kWh/Jahr für einen sparsamen 2-Personen Haushalt wie meinen und 4000 -5000 kWh für einen normalen 4-Personenhaushalt.

Warum ist Ökostrom auf einmal was für einen Diskonter?

Jetzt werden sich viele fragen: Wieso machen die das? Wie ist der geringe Preis möglich? Wer die Strompreisdebatte in Deutschland mitverfolgt hat, weiß dass die Strompreise an der Börse im letzten Jahr gefallen sind. Das liegt unter anderem auch an den hohen Produktionszahlen aus Wind und Sonne. Man hat auch gehört, dass die Stromkonzerne nach wie vor Millionen bzw. Milliardengewinne einfahren und die Preisrückgänge manchmal nicht an die Endkunden weitergegeben wurden. Ich sage hier manchmal, weil einige Energieversorger letztes Jahr tatsächlich Gutschriften versandt haben. Das gibt mir jedenfalls auch zu denken, denn es muss wirklich unverschämt viel übrig geblieben sein, wenn wirklich Gutschriften kommen. Jedenfalls ist all das ein Zeichen, dass es noch ein wenig „Speck“/Spielraum gibt, wenn es um Strompreise geht. Wenn man überflüssigen Speck nun weglässt, können auf einmal auch Ökostromanbieter wettbewerbsfähige Tarife anbieten. Was die Motivation von Hofer betrifft kann ich nur Mutmaßungen anstellen aber es passt einfach ins Konzept. Ich bin bekennender Zurück zum Ursprung Fan und traue dieser Marke deutlich mehr als anderen Bio-Handelsmarken. Sie müssen einfach nicht so viel „Speck“ draufschlagen, da sie schlankere Strukturen haben. Die Biowaren in anderen Supermärkten sind ja oft nur deshalb so teuer, weil die Marge einfach prozentuell aufgeschlagen wird, auch wenn es im System keinen Cent mehr im Transport verursacht, als ein herkömmliches Produkt.

Sorry, jetzt bin ich etwas abgeschweift aber das Thema beschäftigt mich einfach auch viel… Jedenfalls wurde hier bestimmt ein sehr stimmiges Paket geschnürt was die Kosten des Ökostroms für Hofer selbst, die konsequenterweise auch umgestellt haben, und die Durchführung dieser Aktion betrifft. Im nächsten Schritt werden bestimmt die Filialen mit Photovoltaik- und Solarthermieanlagen ausgestattet und die PR die all dies bringt, ist vermutlich auch in recht eindrucksvolle Zahlen zu bringen.

Achtung vor Einmalrabatten

Worauf sollte man nun beim Vergleich achten. Der Mensch ist manchmal ein sehr einfältiges Tier. Um ihm vermeintlich mühsame Veränderungen schmackhafter zu machen, sollen kleine Incentives bei der Entscheidung helfen. Ein 20-50€ Gutschein ist da schon oft hilfreich. Auch günstige Preise im ersten Jahr, die den Vergleich dann auf den ersten Blick attraktiv erscheinen lassen, können langfristig problematisch sein, weil man einfach nicht so schnell wieder wechselt, und damit rechnen die Unternehmen eben. Natürlich kann man keinen Fixpreis für die nächstens Jahre verlangen, aber manchmal ist die Preissteigerung nach einem halben Jahr schon fixiert, so wie wir es von Mobilfunkverträgen kennen. Wichtig ist also der Vergleich sowohl mit, als auch ohne Neukundenrabatt. Im Tarifkalkulator gibt’s dazu auch eine Auswahlmöglichkeit.

Interesting Fact zum Schluss. Das Angebot hat sich anscheinend am derzeitigen Tarif vom Verbund orientiert, den man ja immer mit einem günstigen Preis assoziiert. Der liegt auch bei 6,75 ct/kWh netto. Ziemlich schlau.

E-Control Server überlastet

Die Aktion scheint jedenfalls schon zu fruchten. Der Server bei der E-Control ist gerade ungewöhnlich langsam. Hoffentlich liegt’s daran, dass so viele nachschauen. Dafür kann ich nur einen Tipp geben. Nach dem überprüfen nicht zu lange nachdenken. Einfach diesen komischen „Wisch“ ausfüllen. Man schiebt sowas meist viel zu lang vor sich her. Finanziell ist es für Normalverdiener komplett Wurscht, es geht da um Beträge von 2,- – 10,-/Monat die man mehr oder weniger zahlt. Wichtig ist mir jedoch WER mein Geld bekommt und was die dann damit machen. Mittelverwendung ist das Gebot der Stunde.

Ich hab jedenfalls keinen Haken gefunden, bis auf den Punkt, dass der Bruttopreis nirgendwo steht. Den findet man erst raus, wenn man alles bei E-Control eingibt und die Seite stürzt grad dauernd ab… Werde das posten sobald es wieder geht.

Wer keins der Angebote ergattert, kann dann auch gleich beim Tarifrechner weiterklicken und wird sehen, dass auch die normalen Ökostromangebote mittlerweile sehr attraktiv geworden sind und die Unterschiede ohnehin nur minimal sind. Der einzig begrenzende Faktor ist man selbst.

Nachtrag Bruttopreis

Wie versprochen liefere ich auch noch die Berechnungen nach, da der Server gestern leider überlastet war. Ich hab jetzt erstmal meinen persönlichen Wert ausgerechnet, wenn ich jetzt umsteigen würde. Ich nehm immer die Bruttokosten inkl. aller Kosten und dividiere sie durch die kWh. Der Einfachheit halber nehm ich 1500 kWh. Für Wenigverbraucher wie mich, kommt leider noch die monatliche Grundgebühr von 0,90 ct. Deshalb ist der Hofer-Tarif für mich auch nicht so interessant. Er ist sogar teurer als der Ökostromtarif den ich derzeit habe.

  • Hofer Ökostromtarif bei 1500 kWh Verbrauch: 22,5 ct/kWh
  • Hofer Ökostromtarif bei 3000 kWh Verbrauch: 19,2 ct/kWh
  • Normaler Ökostromtarif bei 1500 kWh Verbrauch mit Neukundenrabatt: 20,9 ct/kWh im ersten Jahr, danach 22,5 ct/kWh
  • Verbund Ökostromtarif bei 1500 kWh Verbrauch mit Neukundenrabatt: 21,8 ct/kWh im 1. Jahr, danach 24,9 ct/kWh (Die Grundgebühr von 3,-/Monat schlägt hier ordentlich zu Buche)
  • Verbund Mischtarif: 20,1ct/kWh

Ich bin jetzt gerade selbst überrascht… wenn man die Neukundenrabatte weglässt, kommt da ein sehr überraschendes Ergebnis raus und vor allem das Ergebnis im 2. Jahr beim Verbund Ökostromtarif finde ich sehr erstaunlich, was wiedermal zeigt, dass man die Vergleichsoption „ohne Neukundenrabatte“ nicht vernachlässigen sollte. Wenn man mehr als 3000 kWh verbraucht, was für die meisten zutreffen wird, ist der Hofer Ökostromtarif übrigens bei 19,2 ct/kWh, was wirklich sehr konkurrenzfähig ist. Ich hoffe ich habe mich jetzt nirgends verrechnet. Ist auch wirklich nicht so einfach da durchzublicken.

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Neukundenrabatte sind dann sinnvoll, wenn man jedes Jahr den Anbieter wechseln würde, vor allem für Kleinverbraucher wie mich. Wenn ich Lust und Laune hätte könnte ich so sicher 30-40,-/Jahr über Neukundenrabatte sparen. Hab dazu aber leider keine Lust und in meinem Fall würde ich dann eben jährlich zwischen wenigen Anbietern wechseln.

Bild: Robert Melzer/pixelio.de

 
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Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

10 Comments

  1. wieder mal recht informativ, danke!

    ich hatte so ein flugblatt vom hofer daheim, da stand sehr wohl der brutto preis von 8,10 cent/kwh drauf…

  2. hab da noch ws gefunden: http://www.energynewsmagazine.at/de/hofer-%22gr%C3%BCnstrom%22+f%C3%BCr+vki+nicht+der+billigste_n1692

    den leuten beim vki sollte mal jemand den unterschied zwischen günstig und billig erklären.
    die lassen sich ja ganz schön von den einmalrabatten blenden, wobei sie diese z.b. bei handyverträgen immer schärfstens kritisieren.

    außerdem sei noch gesagt, dass das verbund-angebot zwar gleich günstig ist, der verbund aber fest in atomstrom investiert.

  3. Hallo Stefan,

    vielen Dank für deinen Beitrag. Sorry, mit Bruttopreis meinte ich die Kosten inkl. Nebenkosten. Der Bruttowert des Arbeitspreises ist schon angegeben, aber für den Endkunden ist ja eigentlich der Gesamtpreis interessant.

  4. hi cornelia,

    das dachte ich mir dann auch im nachhinein, aber editieren funktioniert leider nicht.

    ad hofer grundentgelt: bei der ergänzung ist mir aufgefallen, dass der hofer-ökostrom erst ab 3000 kwh ohne grundentgelt ist, nicht bereits ab 1500 kwh.
    es sollte auch angegeben werden für welches netzgebiet die berechnungen im beitrag gelten, da die netzentgelte von region zu region doch sehr unterschiedlich ausfallen.

    ad bruttopreise im tarifrechner: für die e-control wäre es wahrscheinlich mit erhöhtem aufwand verbunden für alle erfassten tarife auch die bruttopreise auszugeben und der übersichtlichkeit des tarifrechners würde es wohl erheblich schaden.

    beste grüße,
    stefan

  5. Hallo Stefan,

    genau, bei den Grundentgelt muss man aufpassen. Im Normalen Ökostromtarif basic entfällt das Grundentgelt ab 1500 kWh, bei Hofer ab 3000 kWh. Das Angebot zielt halt eher auf Familien ab, die mehr Strom verbrauchen.

    Ah, jetzt seh ich auch was du meinst. Hab das im unteren Absatz dann verwechselt. Wird korrigiert. Danke.

  6. Vorsicht bei Neukundenbonus! Zumindest bei den Tarifen in Deutschland gibt es dabei einen entscheidenden Haken. Man wird aus den entsprechenden AGBs nicht wirklich schlau ob es den Bonus auf jeden Fall gibt, oder erst wenn man ins zweite Jahr geht. Diverse Kommentare in Foren lassen jedenfalls auf diesen Trick schließen. Wie das bei dem hier besprochenen Tarif gehandhabt wird wäre noch die Frage.

  7. Stimmt, im vorliegenden Fall gibt’s gar keinen Neukundenbonus, der Preis ist auf eine bestimmte Zeit garantiert. Was danach ist kommt auf die Rahmenbedinungen an, aber das gilt ja für jeden Stromanbieter.

  8. Ich war ja sehr skeptisch, nachdem sich der „Ökostrom“ von Tchibo in Deutschland als Mogelpackung erwiesen hatte, aber der Strom von Hofer scheint sauber zu sein. Ich habe mal die Töchterunternehmen von Töchterunternehmen von der EnergieAllianz Austria (die Firma hinter „Naturkraft“ abgeklappert: es gibt keine offensichtliche Verbindung zu Firmen, die ihr schmutziges Geld auch mit Atomkraft verdienen. Allein BEWAG hatte mal eine Aktienallianz mit Vattenfall.

    lg
    andre
    http://so-ist-es.net/seismosblog/

  9. Aus meiner Sicht ist der Kauf von Ökostrom eine Spende für einen guten Zweck. Deshalb ist das günstigste Ökostrom-Angebot niemals das wirkungsvollste. Wer bereitwillig mehr zahlt, zeigt, dass er wirklich Ökostrom haben will und kann so evtl. die Verhandlungsposition von Politikern, die die Energiewende beschleunigen wollen, stärken. Es handelt sich also um eine strategische Konsumentscheidung. Der deklarierte Strommix ist meiner Einschätzung nach hingegen unbedeutend, denn die heute in Europa produzierten Mengen an Grünstrom reichen aus, um alle Privathaushalte damit zu versorgen.

    Zu dem Thema habe ich heute einen eigenen Blogbeitrag veröffentlicht:

    http://blog.wernerlampert.com/2013/03/oekostrom-zum-diskontpreis/

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