Samsø – das Güssing Dänemarks

Überfahrt zur Energieinsel Samsø

Im März war es wieder soweit. Ich war auf einer ELEEP-Study Tour. Diesmal gings nach Deutschland und Dänemark. Den absoluten Hot-Spots der derzeitig weltweit ablaufenden Energiewende. Es gibt so viel zu erzählen, deshalb werde ich es auf mehrere Artikel aufteilen. Diesmal geht’s um den Trip nach Samsø – die erste energieexportierende Insel Dänemarks und sowas wie unser Güssing. Anscheinend stehen auch Kooperationsprojekte der beiden Orte auf EU-Ebene an. Find ich toll! – Gebündeltes Wissen ist einfach kraftvoller.

Mit der Fähre gings also vom Festland zur Insel. Auf dem Programm waren die Besichtigung der Energieakademie, die ein tolles Gebäudekonzept aufweisen kann und von natürlichen Dämmstoffen über erneuerbare Energieerzeugung bis hin zu Regenabwasserkonzepten alle Stückerl spielt, sowie eine Tour zu den einzelnen Energieerzeugungsanlagen mit Biomasse, Wind und Sonne. Besonders spannend waren aber die Geschichten auf dem Weg dorthin.

Storytelling als Strategie

Ähnlich wie in Güssing entstand das Projekt aus einer finanziellen Not heraus, ein Schlachtbetrieb wurde abgesiedelt und ein großer Teil der Arbeitsplätze war vernichtet. Vor 10 Jahren gab es dann eine Aussschreibung der dänischen Regierung, für die Bewerbung zur Entwicklung einer energieautarken Insel. Samsø bekam den Zuschlag. Trotz aller Unterstützungen gab es aber auch eine Unmenge an Hürden zu überwinden und tausende Liter Kaffee wurden vernichtet, so erzählten uns das Peter Christensen und Søren Hermansen. Letzterer ist sowas wie das Brain hinter diesem unglaublichen Projekt. Er kann irrsinnig gut Vorträge halten und es ist zu erkennen, dass Sie das Prinzip des Storytellings wirklich sinnvoll einsetzen um die Message in die Welt zu bringen. Søren Hermansen war sogar mal Time Magazin Hero of the environment. Seitdem rennen die Amis ihnen anscheinend die Bude ein. Viele der Geschichten sind übrigens auch auf der Website nachzulesen.

Weisheiten aus Griechenland

Søren hat wirklich einiges zu erzählen. Er ist nun involviert in viele andere Projekte die Ähnliches vorhaben. So auch mit griechischen Inseln die sich energietechnisch weiterentwickeln möchten. So hat er uns einen volkswirtschaftlichen Zusammenhang in Griechenland erklärt, der mir so noch nie bewusst war. Die Energie auf Griechenlands Inseln ist subventioniert, weil die Hotels ja billige Energie brauchen um ihre Touristen zu beherbergen. Ein dummer Nebeneffekt war nur, dass der Staat immer ärmer wurde, je mehr Touristen kamen und eben mehr Energie brauchten. Da wohl nur ein kleiner Teil der Steuern aus dem Tourismus zurückgeflossen ist, waren diese Energiesubventionen mit ein Grund für die Misere. Was dort im kleinen gilt, kann man wohl auf viele Bereiche ,wo fossile Energiesubventionen (egal ob direkt oder indirekt) fließen, umlegen.

Voll ausgebautes Nahwärmenetz

Strom aus Erneuerbaren herzustellen ist ja mittlerweile kein Problem mehr. Wind und PV werden einfach ins Netz eingespeist und bis auf etwaige Netzprobleme, die alle lösbar sind, ist hier weltweit der Weg frei für erneuerbaren Strom. Anders siehts bei der Wärme aus. Da quasi jeder Haushalt sein eigener Energieversorger ist, gibt es noch nicht viele Wärmenetze. Auch dieses Problem hat die Insel gelöst und mehrere Nahwärmenetze aufgebaut. Jeder der sich zum Zeitpunkt des Baus anschließen hatte lassen, bekam einen Zuschuss für die Grabungsarbeiten. Entschließt man sich erst später für das Netz, musste man den vollen Preis bezahlen. Hier auf dieser Übersicht sieht man die einzelnen Heizkraftwerke die entweder mit Stroh, Hackschnitzel oder Solarthermie „befeuert“ werden. Generell ist Dänemark sehr stark mit Nahwärmenetzen, ein riesiger Vorteil beim Umbau der Energieversorgung. Ich frage mich ob noch mehr Nahwärmenetze bei uns noch möglich wären und wie man sie beschleunigen könnte. Steiermark und Obereösterreich sind diesbezüglich ja Vorreiter, warum eigentlich nur dort? Es braucht dazu eben ganzheitliche Konzepte, die mit Partikularinteressen nur schwer vereinbar sind. Aber ich bin zuversichtlich sobald sich die wahren Best Practice Beispiele durchsetzen, werden auch auf politischer Ebene die richtigen Entscheidungen getroffen.

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Über den Autor

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. Seit 2012 ist sie Chefredakteurin des von der Ritter Gruppe initiierten Solarthermieblogs Ecoquent-Positions und Mitbegründerin des größten deutschsprachigen Energiebloggerzusammenschlusses www.energieblogger.net. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die größte Einkaufsgemeinschaft für Unternehmen www.tausendundeindach.at und hält laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

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