Kollektor oder Modul? – Bildanleitung für Journalisten

Solarthermiekollektor und Photovoltaikmodul auf einem Dach | Quelle: BSW Solar

Es ist ja tatsächlich nicht so einfach als Außenstehender, aber trotzdem ärgere ich mich, wenn bei Medienfotos die Themen Photovoltaik und Solarthermie nicht auseinander gehalten werden. Sehr oft sind bei Berichten über Solarthermie Photovoltaikmodule abgebildet und manchmal auch Solarkollektoren bei Berichten über Photovoltatik. Ersteres viel häufiger, weil die Bilddatenbanken voll sind mit PV-Bildern und gute Thermiebilder nur schwer zu finden sind. Hier ein besonderes Schmankerl aus dem Kurier. (Im unteren Teil geht aus ausschließlich um Solarthermie; es werden aber PV-Fotos verwendet. Außerdem ist von SolarZELLEN die Rede, die überhaupt nur bei PV zum Einsatz kommen.) Das wäre fast etwas für Kobuk!

Wie sollen sich also die Bürger auskennen, wenn es die etablierten Medien schon nicht schaffen, die richtigen Bilder zu transportieren. Nachdem ich mir vor kurzem ein großes Ziel gesetzt habe und erreichen möchte, dass jeder Österreicher und jede Österreicherin den Unterschied zwischen Solarthermie und Photovoltaik kennt und erkennt, gibt’s heute eine erste Bildeinführung. Vielleicht verirrt sich ja der eine oder andere Journalist bei der Suche nach Fotos auf diese Seite und kann dann das richtige Bild auswählen. Im Grunde ist es recht einfach.

Zuerst die Basics

SolarthermieKOLLEKTOREN erzeugen warmes/heisses Wasser. Sie sammeln die WÄRME aus der Sonne im Wasser oder anderen Flüssigkeiten. Daher heisst es auch Kollektor und wird NUR im Zusammenhang mit Solarthermie verwendet. Es gibt Flachkollektoren und Röhrenkollektoren.

PhotovoltaikMODULE wandeln das LICHT der Sonne in elektrischen Strom um. Sie bestehen aus Solarzellen.

Die Bilder, die ich in der folgenden Bildanleitung verwende, sind aus verschiedenen Bilddatenbanken. Wenn man auf das Bild klickt, kommt man zum Originalbild.

Die Solarthermie-Familie

Flachkollektoren – „Die mit den Rohren“

Solarthermie Flachkollektor | Quelle: sxc.hu

Bild Nummer eins zeigt einen klassischen Flachkollektor. Man sieht hier deutlich, dass keine Zellen im Spiel sind und lediglich über ein beschichtetes Blech das Wasser erwärmt wird.  Ebenfalls ersichtlich ist, dass die Kollektoren mit Röhren zusammengeschlossen sind, wo das Wasser weiterfließen kann.

Solarthermie Kollektorfeld – Hauptindiz: Oberfläche + wegführende Rohre Quelle: BSW Solar/Uppmann

Hier sieht man eine eher untypisch große Solarthermieanlage. Unter Umständen könnte dieses Bild mit Dünnschicht verwechselt werden. Die Rohre, die von den Kollektoren wegführen, sind aber ein deutliches Indiz dafür, dass hier Wasser weitertransportiert wird und es sich nur um Solarthermie handeln kann.

Vakuumröhrenkollektoren –  „Die Unverwechselbaren“

Vakuumröhrenkollektor – Nomen est Omen | Quelle: Fellner GmbH

Die wohl am einfachsten erkennbare Form von Kollektor sind Vakuumröhrenkollektoren. Man sieht diese Kollektoren auch öfter bei größeren Anlagen auf Industriedächern.

Die Photovoltaik Familie

Monokristalline Modul – „Die mit den Karos“

Monokristallines Modul – Erkennbar an den Punkten | Quelle: sxc.hu

Monokristalline Module erkennt man daran, dass die Zellen mit „kleinen weißen Karos“ verbunden. Diese Karos entstehen auf Grund der Form bzw. dem Herstellungsverfahren für monokristalline Solarzellen. Außerdem ist die Oberfläche gleichmäßig schwarz oder dunkelblau. Im Gegensatz zu den polykristallinen fehlt das „Glitzern“.

Polykristallines Modul – „Die Glitzernden“

Polykristallines Modul – Leicht erkennbar durch das blaue schimmern der Zelle | Quelle: sxc.hu

Diese Art von Modulen ist ebenfalls leicht erkennbar und wird für viele Bilder verwendet, da das blaue Schimmern der Zellen tolle Bildeffekte liefert.

Polykristallines Modul – Bei Vergrössern des Originalbildes ist auch hier das Schimmern zu erkennen | Quelle: sxc.hu

Von weiter weg ist das Schimmern nicht ganz so leicht zu sehen, hier hilft nur reinzoomen oder nach dem Ausschließungsverfahren vorzugehen.

Dünnschichtmodul – „Die Dunklen“

Dünnschichtmodul – Oft verwechselt mit Thermiekollektoren | Quelle: flickr (cc) afagen

Nachdem die Oberfläche von Dünnschichtmodulen gleichmäßig schwarz ist, werden sie oft mit Flachkollektoren verwechselt. Bei Unsicherheit helfen nur ein paar Hinweise. Wie oben zu sehen ist, sind Solarthermiekollektoren mit Rohren verbunden, die auch gut sichtbar sind. Ein weiteres Indiz ist die Größe der Anlage. Dünnschichtmodule brauchen viel Platz und man wird nur selten 2-5 Dünnschichtmodule auf einem Dach finden. Wenn also mehrere hundert Module zu sehen sind, und keine Rohre in Sicht, handelt es sich zu hoher Wahrscheinlichkeit um Dünnschicht.

Das war’s mit der Bildanleitung. Jetzt sollte es sehr einfach sein, die Elemente aus dem Startbild zu identifizieren. Natürlich gibt es noch viele weitere Technologien, aber das sind die Wichtigsten fürs Erste. Wer es sich ganz einfach machen will, geht einfach zum Bildarchiv des BSW-Solar. Dort sind bei allen Bildern gute Erklärungen dabei.

Falls Sie noch weitere Indizien für das Erkennen der jeweiligen Technologie haben, zögern Sie nicht zu kommentieren. Bitte auch um Kommentare, falls  mir die Profis unter den Lesern in dem ein oder anderen Punkt nicht zustimmen.

 
Über den Autor

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. Seit 2012 ist sie Chefredakteurin des von der Ritter Gruppe initiierten Solarthermieblogs Ecoquent-Positions und Mitbegründerin des größten deutschsprachigen Energiebloggerzusammenschlusses www.energieblogger.net. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die größte Einkaufsgemeinschaft für Unternehmen www.tausendundeindach.at und hält laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

3 Comments

  1. Hallo Cornelia!
    Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf! – Nur wenige kennen den Unteschied zwischen PV und Solar.

    Leider kennen nicht mal Schulabgänger von einer Technischen HTL den unterschied,
    denn die Lehrer wissen es auch nicht besser und glauben sowieso noch an das was ihnen vor 40 Jahren beigebracht wurde!!!

    …Wirkungsgrad von PV bei 2 – 3 Prozent und so weitere Märchen….

    Markus

  2. Danke Markus. Man sieht dadurch auch, dass unser Schulsystem mit der rasanten technologischen Entwicklung nicht im geringsten mitkommt. Selbst Studien, die 2010 verfasst wurden, sind 2011 bereits Geschichte. Wie soll da ein Lehrplan mitkommen… Hab leider noch keine Lösung für dieses Problem…

  3. Hallo Cornelia,

    leider sehe ich das auch sehr oft das eine PV Anlage gezeigt wird die an einem Solarspeicher angeschlossen ist :) und das Schlimmste ist das diese berichte in Fachzeitschriften stehen…
    Wie soll da der Verbraucher den überblick behalten?!

    Gruß aus Hannover
    Özcan

    Gruß aus

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