(Un)Intelligente urbane Mobilität

(c) FotoliaDie letzten Wochen bin ich wieder vermehrt mit dem Fahrrad unterwegs. Ich gebe es zu – ich bin derzeit noch ein Schönwetter-Radfahrer. In der kalten Jahreszeit und bei Schlechtwetter bin ich mit den Öffis unterwegs.

 

 

 

Beim aktuellen durch die Stadt radeln fallen mir zwei Dinge auf: Zum einen nimmt die Anzahl der Radfahrer erfreulicherweise zu. Gestern z.B. bin ich mit zwei Arbeitskollegen, die ebenfalls mit dem Rad unterwegs sind, bei der Ampel gestanden. Beide waren vor ein paar Jahren noch ausschließlich Autobenutzer und das zeigt mir, dass da ein Wandel auch in meiner unmittelbaren Umgebung eingesetzt hat.

Zum anderen fällt mir aber auch auf, wieviel Platz der Autoverkehr in Anspruch nimmt. Ich konnte dann gestern dazu auch ein Foto schießen, das zeigt, dass der Platzverbrauch von einem Auto im Vergleich zu den Fahrrädern doch erheblich ist. Das ist – wenn man es genau betrachtet – ziemlich unintelligent von uns Menschen. Wieder wurde mir bewusst, dass eine Debatte über Mobilität in urbanen Räumen auch eine Debatte über die Verteilung von öffentlichem Raum ist. Vor ein paar Wochen war das auch Thema bei einem Kamingespräch mit der Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, die auch auf diesen Umstand hingewiesen hat. Öffentliche Flächen in den Städten sind begrenzt und wir müssen uns darüber unterhalten, wie wir in Zukunft diese Flächen verwenden wollen. Ich meine, es ist besser, diese Flächen in der Stadt für Grünanlagen und platzsparende Fortbewegungsmittel (dazu zähle ich den Öffentlichen Personennahverkehr und das Fahrrad) zu nutzen und nicht ständig mehr Straßenraum für Autos zur Verfügung zu stellen. Jetzt gerade wird wieder großflächig am Landstraßer Gürtel eine bis zu 60 Meter breite Autoschneise um 101 Mio. EUR für den neuen Hauptbahnhof gebaut. Aber für eine leistungsfähige Zugverbindung zwischen dem neuen Hauptbahnhof und dem Flughafen Schwechat fehlt aber offensichtlich der politische Wille. Zumal die dafür erforderlichen 130 Mio. sogar von der EU gefördert würden. Das ist unintelligente urbane Mobilität.

 
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Günter Strobl

Günter Strobl leitet seit 2006 den Bereich Information & Organisation in der Raiffeisen-Leasing. 2003 hat er das Qualitätsmanagement für das Unternehmen entwickelt und aufgebaut. Neben IT und Unternehmensstrategie ist er für das Betriebsmanagement und damit für Beschaffung und Gebäudemanagement verantwortlich. Die bisherigen privaten und beruflichen Stationen des gebürtigen Waldviertler waren nach dem Betriebswirtschaftsstudium in Wien und den USA u.a. das Unternehmen PHILIPS, der ORF, die Stuttgarter Managementberatung Horváth & Partners sowie die Wiener Grünen. Sein XING-Profil:

3 Comments

  1. Der Flächenverbrauch eines Autos mit 12 Quadratmeter im Schnitt ist schon enorm. Da passen so einige Fahrräder drauf. Und meistens existiert ja nicht nur ein Parkplatz je PKW, sondern mehrere. In den USA kommen auf ein Auto fünf Parkplätze, also umgerechnet 60 (!) m² Fläche!

    Rechnet man dann noch runter was diese Flächen bei den jeweils geltenden Quadratmeterpreisen in Städten wert sind, gehen einem schon gewisse Dinge durch den Kopf. Zumal Parkraum in den meisten Fällen kostenlos durch die Öffentlichkeit finanziert und unterhalten wird.

    Und der PKW-Verkehr tut dem sozialen Gefüge einer Stadt nicht gut, auch wenn er eigentlich Menschen verbinden soll so teilt er eher. Ganz zu schweigen von den Umweltbelastungen, die bei höherer Einwohnerdichte (und somit Autodichte) von PKW ausgehen. Es wundert daher nicht, dass in Großstädten die Nutzung des PKW immer weiter zurückgeht. Erstens kann und will sich das sowieso keiner leisten und zweitens ist Verkehr angebotsorientiert, d.h. bei einem gut ausgebauten ÖPNV bei gleichzeitiger Behinderung des PKW-Verkehrs lässt sich durchaus eine Verhaltensänderung bei den Bewohnern feststellen, auch wenn sich dies auf längere Frist wieder ändert da durch eine vermehrte Nutzung des Rads / ÖPNV die Straßen für den Autoverkehr freier sind -> PKW-Verkehr nimmt wieder zu.

    Wir haben da immer noch kein probates Mittel, dass wirklich eine endgültige Lösung liefert. Aber Radfahren bei dem Wetter ist eh schöner! :-)

  2. Hallo Martin, danke für Deinen Kommentar und vor allem für das Zahlenmaterial. Wir planen demnächst eine Blogparade zu dem Thema „Urbane Mobilität“. Spannend finde ich, wie wir den Diskurs über die Neuverteilung der Öffentlichen Flächen gestalten könnten. Heute geht die Diskussion eher in Richtung Konfrontation und „die einen nehmen den anderen etwas weg“. Bin auch noch eher ratlos, aber wie Du auch anmerkst: Es geht in die richtige Richtung – wenn auch für mein Empfinden etwas zu langsam.

  3. Diese Diskussion muss tatsächlich geführt werden und man muss aufpassen, dass es nicht in ein „Gegeneinander“ ausartet. Ich fahre mit dem Rad, weil es einfach das effizienteste Verkehrsmittel ist, aber man ist einfach nirgendwo willkommen. Der Radweg hört einfach auf und dann muss man schauen wie man weiterkommt. Die für Autos (also Maschinen) geschaffene Infrastruktur ist auch alles andere als radfahrerfreundlich.

    Ich finds auch interessant was Beschilderung alles ausmachen kann. Dort wo das blaue Zeichen für Fußgänger und Fahrräder auf der Strasse angebracht ist, schreien die Fußgänger auch nicht auf, auch wenn oft nicht mehr Platz vorhanden ist, als auf einem normalen Gehsteig. Alleine das Schild schafft also gegenseitige Toleranz. Shared Space Konzepte haben definitiv Zukunft

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