Blogserie Teil 3: Monetäre Subventionen fossiler Energieträger

steckdose1745.jpgIm letzten Beitrag ging es um externe Kosten fossiler Energieträger, also Kosten, die vom Verursacher nicht getragen werden und so auf die Allgemeinheit umgewälzt werden müssen. Das führt dazu, dass die fossilen Brennstoffe nicht den Preis kosten, den sie verursachen. Dadurch herrscht ein Marktungleichgewicht gegenüber Energieformen, die keine oder nur geringe externe Kosten verursachen, jedoch im „Einkauf“ mehr kosten.

Als ob das noch nicht genug wäre, werden fossile Energien außerdem vor allem steuerlich subventioniert. Diese „Details“ werden in der Energiedebatte gerne unter den Tisch gekehrt, deshalb halte ich sie für das Thema Einspeisetarife für relevant. Hier ein Auszug aus einer aktuellen Studie. Ich habe bei der OECD auch Zahlen für Österreich angefragt, leider konnten sie mir nur diese Studie (Vergleich der Ausgaben in der EU) von 1997 zuschicken. Neue Zahlen werden erst nach den großen Ländern erhoben.

Österreich stieg übrigens sehr gut aus. Damals wurden über 80% in Erneuerbare und unter 20% in fossile Energien investiert. Kein Wunder dass wir damals als Umweltmusterland bezeichnet wurden. Umso interessanter wäre die derzeitige Lage. Nichtsdestotrotz werden die indirekten Förderungen in den Industrieländern auf ähnlich verschlungene Weise gewährt. Damit man sich etwas darunter vorstellen kann, gebe ich vorab einen Überblick über die verschiedenen Subventionsformen und anschließend die konkreten Zahlen – soweit vorhanden.

Subventionen im Bereich der Produktion:

  • Steuerbegünstigungen für Öl- und Gasfelder
  • Beschleunigte Abschreibung für Anlagegüter
  • Steuerbefreiungen für den Eigenverbrauch der Energieproduzenten

Subventionen beim Endverbraucher:

  • Ermäßigte Mehrwertsteuersätze für Energie
  • Steuerbefreiung für „saubere“ Brennstoffe wie Erdgas und Flüssiggas
  • Niedrige Steuersätze für Diesel und Ausnahmeregelungen für Landwirtschaft und Fischerei
  • Steuerbefreiungen für Energie im öffentlichen Sektor
  • Steuerbefreiung auf „Flugbenzin“ Kerosin (VCÖ Beitrag dazu)

Dies ist lediglich eine kurze Aufzählung, die Langversion gibts hier. Im Folgenden eine Auflistung der geförderten Beträge 2008.

Entwicklungs- und Schwellenländer 2008

  • 557 Mrd. US-Dollar Subventionen fossiler Brennstoffe
  • 100 Mrd. US Dollar Subventionszahlungen an Produzenten

Deutschland 2008:

  • 48 Mrd. Euro  Umweltschädliche Subventionen (Quelle: Umweltbundesamt) davon:
  • 17,7 Mrd. Euro für Energiebereitstellung und –nutzung (Quelle: Dessauer Amt)

Zum Vergleich: Die Kosten des EEG 2008 in Deutschland beliefen sich auf  8,72 Mrd. Euro.

Diese Zahlen verdeutlichen einmal mehr das Ungleichgewicht im System der Energiewirtschaft. Die OECD fordert einen Stopp der umweltschädlichen Subventionen und ich kann mich dem nur anschließen. Für mich klingt das absolut absurd. Auf der einen Seite wird Geld reingesteckt, damit fossile Energien billiger sind, was dazu führt, dass erneuerbare Energien ebenfalls subventioniert werden müssen.

Ich frage mich nun: Warum ist billige Energie vermeintlich so wichtig? Damit unglaublich viel Müll produziert werden kann? Damit ungedämmte Häuser nicht saniert werden müssen? Damit auch die Entwicklungsländer bald abhängig von den Energieriesen sind, anstatt dieses Geld gleich in eine dezentrale Infrastruktur zu investieren? Die Welt ist verrückt kann ich nur sagen.

Wenn also wieder einmal auf den Stammtisch diskutiert wird Erneuerbare Energien seien zu teuer, dann wünsche ich mir, dass nun auch die Argumente Externe Kosten und Subventionen mit aufgetischt werden. Nur weil diese Kosten nicht auf der Stromrechnung stehen, heißt es nicht, dass sie nicht bezahtl werden müssen. Kostenwahrheit lautet das Gebot der Stunde. Wenn bei Energie alle Kosten internalisiert würden, wäre der sorgsame Umgang mit ihr deutlich attraktiver und die Frage welche Form sinnvoller ist, stellte sich nicht mehr.

Nun aber Schluss mit dem erhobenen Zeigefinger, im nächsten Beitrag komme ich wieder zu den positiven Themen. Kommunale Wertschöpfung ist einfach DAS Hammerargument FÜR Erneuerbare Energien und ein dezentrales Energiesystem.

Siehe auch die anderen Teile der Blogserie:

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Über den Autor

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. Seit 2012 ist sie Chefredakteurin des von der Ritter Gruppe initiierten Solarthermieblogs Ecoquent-Positions und Mitbegründerin des größten deutschsprachigen Energiebloggerzusammenschlusses www.energieblogger.net. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die größte Einkaufsgemeinschaft für Unternehmen www.tausendundeindach.at und hält laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

3 Comments

  1. ja, und das Schlimme ist, dass es die IEA nun geschafft hat die IRENA auszubooten. Die Staaten weigern sich Zahlungen an die IRENA zu leisten, da diese nun doch ein wenig in Richtung Erneuerbare eingelenkt hat. Jedoch sicher nur einem für die Ölindustrie verträglichem Ausmaß und nicht so radikal wie es IRENA vorhatte.

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