Blogserie Teil 1: Einspeisetarife für Anfänger

 

FotoliaWie im letzten Beitrag angekündigt, startet heute die Blogserie zum Thema Einspeisetarife. Ohne große Umschweife geht’s los.

Die Definition laut klima:aktiv:

“Der Einspeisetarif ermöglicht dem Erzeuger von Ökostrom eine gesicherte Abnahme zu einem gesicherten Preis über einen festgelegten Zeitraum.”

Der Staat macht also ein Gesetz, welches das Energieversorgungs- unternehmen (EVU) dazu verpflichtet den in Österreich erzeugten Ökostrom abzunehmen und an den Endkunden zu verkaufen.

In Österreich wurde für die operative Abwicklung des Ökostromgesetzes und Einspeisetarifes ein eigenes Unternehmen gegründet. Die  OeMAG nimmt den Strom zu dem vom Gesetzesgeber vereinbarten Tarif vom Erzeuger ab und kümmert sich um die tägliche Zuweisung des Ökostroms. Bevor ich zum Einspeisetarif im Detail komme, möchte auf diese kurz eingehen, da sie eine wichtige Rolle in der gesamten Energiedebatte spielen.

Woher kommt unser Strom eigentlich?

Das Energieversorgungsunternehmen (EVU) hat verschiedene Möglichkeiten seinen Strom zu beziehen, den es dann an den Endkunden weiterverkauft. Entweder es kauft ihn an der Strombörse oder produziert ihn selbst.  Durch das Ökostromgesetz sind sie außerdem verpflichtet, einen gewissen Anteil an österreichischem Ökostrom zum Verrechnungspreis (Gesetztestext dazu) von der OeMAG abzunehmen. Hier eine Erklärung von E-Control wie das System funktioniert.

Die Einspeisetarife im Detail

Im Anfangsbeitrag habe ich erwähnt, dass ich aus Zwecken der Komplexitätsreduktion in meinen Beiträgen lediglich auf  Sonnenstrom eingehen werde. Alle anderen Tarife können Sie hier nachlesen.

Folgende Einspeisetarife bekommt man mit viel Geduld  in Österreich für Photovoltaik Anlagen ab 5 kWp.  Mit einer 5 kWp Anlage erzeugt man je nach Standort ca. 5000 kWh Strom pro Jahr und versorgt einen 4-5 Personen Haushalt.

Einspeisetarife (Quelle: OeMAG)

Diese Werte klingen sehr vielversprechend und können durchaus mit den hochgelobten Tarifen aus Italien und Deutschland mithalten. Leider gibt es  einige massive Bremsen im System.

Die Bremsen des Systems

Es gibt in Österreich im Gegensatz zu Deutschland eine Deckelung für diesen Tarif sowie für alle anderen Einspeisevergütungen. Laut PV-Austria werden pro Jahr für diese Tarifförderung im Bereich Photovoltaik 2,1 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Dieser Betrag ist für das Jahr 2010 bereits vergriffen. Bei der Ökostrom-Abwicklungsstelle (OeMAG) reicht die Liste der Antragwerber im Jänner 2010 bereits bis zum Ende des Jahres 2011. Das heißt, wenn man jetzt einen Antrag stellt, kann man frühesten 2012 damit rechnen die Tarifförderung zu bekommen. Bis dahin hat man lediglich die Möglichkeit den Strom am freien Markt zu verkaufen (Preisliste). Die Preisdifferenz zwischen den verschiedenen Anbietern ist riesig (5-16 Cent/kWh).

Neben der Deckelung ist die garantierte Laufzeit mit 13 Jahren + 12 Jahre Abnahmeverpflichtung zum Marktpreis nicht förderlich für große Investitionsentscheidungen. In anderen Ländern wo ein EEG eingeführt wurde, beträgt die Laufzeit mindestens 20 Jahre und schafft Investitionssicherheit, was hohe Summen aus dem Ausland anzieht und die dort heimische Industrie stärkt.

Alternative Fördermodelle

Neben dem Einspeisetarif gibt es für Anlagen unter 5 kWp Investitionsanreize aus dem klima+energiefonds und Investitionsförderungen aus den Bundesländern (Bsp. Wien). Sie belaufen sich meist auf 30-50% der Investitionskosten. Ich persönlich halte nicht sehr viel von Investitionsanreizen, da dadurch oft die Preise künstlich hoch gehalten werden und eben nur genauso viele Anlagen errichtet werden wie Förderungen ausgegeben werden. Außerdem bestehen so 11 (9 Bundesländer, 2 Bund) verschiedene Förderrichtlinien die man kennen muss, wenn man zB. als ausländischer Investor hier investieren wollte. Auch für Installationsbetriebe ist es mühsam mit so vielen verschiedenen Förderstellen kommunizieren zu müssen, wenn man nicht nur in einem Bundesland Anlagen errichten möchte.

Wer bezahlt den Spaß?

Wer soll das bezahlen? Der österreichische Staat hat sich einiges zur Finanzierung überlegt. E-Control hat eine sehr gute FAQ-Seite zum Thema Ökostrom eingerichtet. Hier eine Erläuterung dazu.

Je nach Marktpreisniveau betragen die Förderungen für Ökostrom etwa € 150 Mio.  bis € 300 Mio.  pro Jahr. Für Photovoltaik werden davon € 35 Mio. über den klima+energie fonds verteilt und € 2,1 Mio. über den Einspeisetarif. Ob in der oben genannten Zahl auch die Förderungen aus den Bundesländern enthalten sind, konnte ich aus den Unterlagen leider nicht herauslesen.

Finanziert wird der Aufwand aus zwei Komponenten, dem Verrechnungspreis und der Zählpunktpauschale.

Der Verrechnungspreis ist jener Preis, den das EVU an die OeMAG für den ihm zugewiesenen Anteil an Ökostrom bezahlt. Er beträgt derzeit 12,42 Cent/kWh und liegt damit deutlich höher als Strom den das EVU an der Strombörse kauft. Derzeit beträgt dieser Preis 5-6 Cent/kWh. (EEX-Seite) Dieser Punkt ist immer ein feines Argument die Preise für die Endverbraucher zu erhöhen und schürt die Abneigung gegen Ökostrom. Wenn jedoch  sehr günstig eingekauft werden kann, werden die Preissenkungen nur sehr ungern weitergegeben.

Die 2. Komponente ist die Zählpunktpauschale. Ich habe gleich mal meine Stromrechnung rausgesucht und bin fündig geworden. Seit dem 1. Jänner 2007 wird jährlich von den Endverbrauchern eine Zählpunktpauschale eingehoben. Für die Netzebene 7 (Haushaltskunden) beträgt diese Zählpunktpauschale  € 15,- pro Zählpunkt und Jahr.  Mich hat natürlich interessiert wie viel Geld dadurch eingenommen wird.  2007 wurden durch diese Maßnahme € 113 Mio. eingenommen. (Ausführliche Tabelle S. 4 )

Der Vergleich mit dem deutschen Modell

Mit einem Betrag wie diesem kann man in der Energielandschaft nicht wirklich etwas ausrichten. Die Folge ist, dass sich die Lobbys der einzelnen Erneuerbaren Energien gegenseitig beschwärzen um ein größeres Stück von dem Minikuchen zu bekommen. Ich möchte deshalb den Vergleich ziehen welches Volumen zur Verfügung stünde, wenn man das Deutsche Modell (EEG-Umlage) in Österreich anwendete. Dort wird pro kWh ein bestimmter Betrag (derzeit 2 Cent/kWh) vom Endverbraucher bezahlt, egal ob Großabnehmer oder kleiner Haushalt. Die großen  Industriebetriebe werden durch die Zählpunktpauschale eher begünstigt, da es durch die Entkoppelung vom tatsächlichen Verbrauch keinerlei Anreiz gibt, weniger Energie zu verbrauchen. Wenn der Einmalbetrag bezahlt wurde, ist der Jahressoll erfüllt und es darf munter weiterverschwendet werden.

Bleiben wir zu Vergleichszwecken beim Jahr 2007. In diesem Jahr wurden laut Statistik Austria  ca. 56.640 GWh Strom verbraucht. Das sind über 56.640.000.000 kWh. Bei einer EEG-Umlage von 2 Cent/kWh ergäbe dies einen satten Betrag von € 1.132.800.000,-. Also über eine Milliarde Euro und fast das 10-fache vom derzeitigen Volumen. Mit diesem Betrag könnte man auch wirklich von der Möglichkeit für eine Energiewende sprechen. Hunderte Kleinanlagen in allen Bereichen der Erneuerbaren Energien könnten errichtet werden und Betriebe müssten sich überlegen Energie einzusparen. Die Wertschöpfung bliebe im Inland und nicht in Russland und obendrein könnte die viel gerühmte Green Jobs Welle so richig losrollen.

Das mag jetzt alles utopisch klingen und viele mögen aufschreien, dass € 50,- – € 70,- pro Jahr vollkommen unzumutbar für Kleinverdiener sind. Da diese Gruppe auch nur einen verschwindet geringen Anteil an den 56.000 GWh hat, lasse ich dieses Argument welches auch in Deutschland gern verwendet wird, einfach nicht gelten. Wir können es uns in jedem Fall leisten, diese Gruppe zu entlasten, so wie sie auch von der Zählpunktpauschale befreit wurde. Ich für meinen Teil bin gerne bereit diesen Mehraufwand, der makroökonomisch betrachtet keiner ist, zu leisten und tue dies derzeit bereits indem ich eben 70,- mehr pro Jahr für meinen Ökostrom bezahle. Die Makroökonomischen Auswirkungen möchte ich  beim nächsten Beitrag der Blogserie

Blogserie Teil 2: Einspeisetarife im Vergleich mit Subventionen für fossile Energieträger

erarbeiten. Bis dahin freue ich mich über Diskussionen zum Thema.

Siehe auch die anderen Teile der Blogserie:

Weiterführende Links

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. Seit 2012 ist sie Chefredakteurin des von der Ritter Gruppe initiierten Solarthermieblogs Ecoquent-Positions und Mitbegründerin des größten deutschsprachigen Energiebloggerzusammenschlusses www.energieblogger.net. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die größte Einkaufsgemeinschaft für Unternehmen www.tausendundeindach.at und hält laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

5 Comments

  1. Vielen Dank! Bin bereits in direktem Kontakt mit der OECD, die mich mit Infos zum Thema Suventionen für fossile Energieträger versorgen wird!

  2. Interessanter Artikel. Aber sicherlich nicht leicht objektiv pro oder contra Einspeisevergütung zu sein. Generell sind Tarife aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht optimal. Ob die Kosten dem Nutzen zur Förderung der erneuerbaren Energien (v.a. PV) entsprechen ist sicherlich schwer zu sagen. Was sich allerdings zeigt ist, dass auf Grund mangelnden Wettbewerbs zu wenig Kostensenkungsdruck besteht, zumindest im europäischen Markt. Deshalb bleibt auch zu bezweifeln, ob eine Einspeisevergütung der „heimischen Wirtschaft“ hilft, wenn doch fast alle PV Anlagen in Asien gefertigt werden.

    Wie hoch der Nutzen für die Umwelt ist, ist extrem schwer bezifferbar.

    Ich bin gespannt auf die makroökonomische Sicht! :-)

  3. Hi Martin!
    Nein, objektiv wird es sicher schwierig, vor allem, weil viele relevante Informationen nicht zugänglich oder schlichtweg nicht vorhanden sind. Nichtsdestrotrotz möchte ich von der oberflächlichen Diskussion, die in den Medien geführt wird, wegkommen und so viele Informationen wie möglich zusammentragen.

    Was meinst du mit „fast alle“ Anlagen in Asien gefertigt? Hast du irgendwo konkrete Zahlen gefunden? Auch hiers wärs interessant wie groß die „Bedrohung“ aus China tatsächlich ist. Damit will ich nicht sagen, dass diese nicht vorhanden wäre, aber die Zahl würde helfen ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.