Seit 1980 gefordert: Ein höherer Spritpreis!

Auf ORF On wird heute berichtet, dass verschiedenste Studien auf eine Trendwende bei der Autonutzung hinweisen. Vom VCÖ über die ÖBB bis zu Berichten aus den USA zeigt sich ein Trend: Die hohen Spritpreise führen zu vermehrter Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

Dazu habe ich eine sehr persönliche Erinnerung: Mein Geographieprofessor am Horner Gymnasium hat im Jahr 1980 (!)  anlässlich des Themas Verkehr im Unterricht einen Spritpreis von 20,- Schillingen (EUR 1,45) propagiert. Man könne doch öfters mit dem Fahrrad oder der Bahn fahren, das wäre gesund und noch dazu billiger, meinte da etwa unser Hr. Professor. Man kann sich vorstellen, welche Wirkung eine derartige Lehreraussage – angesichts ihrer Radikalität – auf die allermeisten Schüler hatte. Ich kann mich an lebhafte Diskussionen in der Klasse erinnern. Und: Ich habe diese Forderung von ihm bis heute nicht vergessen. 28 Jahre später – und zufällig genau bei dem Spritpreis, den er damals gefordert hatte – stehen wir dort, wo wir es nicht mehr selbst in der Hand haben:

Heute diktieren andere – weit von uns weg liegende – Entwicklungen den Spritpreis. Hätte man doch schon damals diesen visionären Menschen – und davon gab es sicherlich genug – zugehört! Wir hätten ein Viertel Jahrhundert Zeit gehabt, uns mit nachhaltigen Mobilitätskonzepten auseinander zu setzen.

Ich war damals ein Kind und habe viele Zusammenhänge nicht verstanden. Schon gar nicht die Forderung nach hohen Spritpreisen. Aber Sinn machen derartige visionäre Forderungen schon, auch wenn sie selten gehört und noch seltener umgesetzt werden! Denn offensichtlich sind es nicht Vernunft und Wissen oder eine aktive Umweltpolitik, die uns zu einer anderen Umgangsweise mit dem Pkw gebracht haben, sondern schlicht und einfach die Tatsache, dass es im Geldbörsel weh tut. Soviel ist uns die Bequemlichkeit für unsere Mobilität wohl dann auch nicht wert. Ab einer gewissen Reizschwelle können wir unser Verhalten auch radikal ändern und aufs Auto verzichten.

Aber schön ist es trotzdem zu wissen, dass es auch schon früher kluge und visionäre Menschen gegeben hat. Und die waren noch dazu gar nicht so weit weg von mir! Ein spätes Danke, Herr Professor!

 
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About the Author

Günter Strobl

Günter Strobl leitet seit 2006 den Bereich Information & Organisation in der Raiffeisen-Leasing. 2003 hat er das Qualitätsmanagement für das Unternehmen entwickelt und aufgebaut. Neben IT und Unternehmensstrategie ist er für das Betriebsmanagement und damit für Beschaffung und Gebäudemanagement verantwortlich. Die bisherigen privaten und beruflichen Stationen des gebürtigen Waldviertler waren nach dem Betriebswirtschaftsstudium in Wien und den USA u.a. das Unternehmen PHILIPS, der ORF, die Stuttgarter Managementberatung Horváth & Partners sowie die Wiener Grünen. Sein XING-Profil:

4 Comments

  1. Habe erst heute entdeckt, dass es in der RL so einen interessanten Blog gibt. Das Thema Benzinpreis weckt in mir ebenfalls Emotionen –> es waren ja wirklich fast 30 Jahre Zeit, hier etwas zu unternehmen …
    Schon in den 80ern gab´s ja Untersuchungen (aus D allerdings), die dem Spritpreis eine ähnlich geringe „Elastizität“ bescheibigten wie dem Zigarettenpreis, sprich: erst wenn der Liter Sprit (damals!) mehr als 5.-DM kostet, ist davon auszugehen, dass auf mehr als 5% der Autofahrten verzichtet wird. (die Quelle, habe ich längst vergessen …) Aber auf basis der Geld-Halbwertszeit könnte man heute wohl DM durch Euro ersetzten …
    Abschießend mach ich mich noch in bisserl unbeliebt: ich hoffe, der Sprit wird BALD und ORDENTLICH teurer, dann (und, marktwirtschatlich gesehen, NUR dann) wird es mehr sinnvolle, intelligente Autos geben.

  2. @Walter: Also bei mir macht man sich bei so einem Arguement nicht unbeliebt – bin autofreier Fahrer ;-)
    Meine aktuelle Frage lautet dazu sogar: „Gibt es Autobesitzer, die einen Zusammenhang zwischen ihrem Auspuff und der Ölkatastrophe am Golf herstellen? Und falls ja, wie geht man damit um?“

  3. Das kann ich leicht beantworten: ja, ich sehe den Zusammenhang (und ich besitze ein Auto)
    Umgehen: ich fahre (wieder) mit dem Rad in die Arbeit, das ist so viel besser als mit dem Auto oder Öffi. Habe das jahrelang gemacht, aber in letzter Zeit leider vernachlässigt. Wäre allerdings etwas verspielt, jetzt die Ölkatastrophe als Grund für meine neu erwachte Leidenschaft zu nennen :-)
    Selbst die Tatsache, dass die Wiener Radwege scheinbar von Menschen geplant wurden, die Radfahrer von tiefstem Herzen hassen, wird mich nicht aufhalten.

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